Wie ein Killerfeature entstand – QuarkXPress 2016

Adobe Illustrator Logo als Bézierkurven in QuarkXPress 2016 umgewandelt. Adobe Illustrator Logo als Bézierkurven in QuarkXPress 2016 umgewandelt.

QuarkXPress 2016 – am 24. Mai 2016 veröffentlicht – hat ein sehr positives Echo nicht nur in der Presse und in der Quark-Community gefunden, sondern auch bei InDesign-Anwendern.
Gerade das Erstellen von HTML5 Publikationen und das Konvertieren von PDF-Dateien in native, bearbeitbare Objekte werden oft als „Killerfeature” bezeichnet. Haeme Ulrich hat mich gebeten, dazu ein paar Hintergründe zu teilen.

Zunächst mal der Begriff “Killerfeature” erklärt: Wenn dieser nicht von der Marketingabteilung des Herstellers selbst benutzt wird, dann beschreibt er eine Funktion, die zum einen extrem hohen Mehrwert besitzt, so dass jeder diese Funktion einfach haben möchte. Und zum anderen, dass die Konkurrenz diese Funktion (noch) nicht anbietet.

Wie sind diese zwei „Killerfeature” nun entstanden?

HTML5 Publikationen sind meiner Meinung eher ein „Game Changer”, also etwas, dass eine Branche ändern kann. Hintergrund: Quark bietet ja schon seit einigen Jahren eine App-Publishing Lösung an, die ähnlich wie die frühere DPS von Adobe funktioniert, nur mit dem Unterschied, dass alle Inhalte HTML5-Inhalte sind. Im letzten Jahr haben wir – wie wahrscheinlich alle anderen Hersteller von App Publishing Lösungen auch – gemerkt, dass der Hype um native Apps abebbt. Große Firmen, gerade Unternehmenskunden, sehen Apps mittlerweile als Selbstverständlichkeit, während Publisher und kleine bis mittlere Anwender meist ein Problem mit dem Geschäftsmodell dahinter haben: Aufwändig zu erstellen, laufende Kosten und wenig Umsatz (die Ausnahmen bestätigen die Regel).

Daher sind aus Quarks Sicht dafür HTML5 Publikationen die Lösung: Eine App-ähnliche Benutzererfahrung, fixed Layout, mit printähnlicher Genauigkeit für Design und Typografie, eben keine automatisierte Webseite oder Infohäppchen, sondern pixelgenaues Storytelling. Einfach aus Print zu erstellen, mit Effekten anreicherbar. Läuft ohne Plug-ins im Browser, auf Desktops wie auf mobilen Geräten.

Und der „Game Changer“ ist: HTML5 Publikationen lassen sich ohne wiederkehrende Kosten erstellen; direkt aus QuarkXPress 2016, lokal auf dem Desktop exportiert.

HTML5 Publikationen allein reichte uns jedoch nicht als Innovationen, als wir QuarkXPress 2016 vor einem Jahr planten. Denn für Quark ist Print wichtig und das Feedback unserer Publishing-Kunden zeigt, dass diese ihren Hauptumsatz mit Print erzielen.

In einem Planungsmeeting zu QuarkXPress 2016 scherzte daher unser CTO: „Baut doch einfach ein Killerfeature ein!” Ja, gerne, nur gibt es ja seit Transparenzen in Layoutprogrammen keine Killerfeature mehr. Oder?

Provokativ meinte ich zurück: „Wenn, ja, wenn eine Funktion enorme Zeit einsparen könnte, dann wäre es die Möglichkeit, angelieferte AI-/EPS-Logos in bearbeitbare Objekte umzuwandeln. Und das Diagramm aus Excel so umzuwandeln, dass die Farben in QuarkXPress sauber definiert werden können. Und die Broschüre vom letzten Jahr, die nur als PDF vorliegt, in native Objekte umzuwandeln und so weiterzuverarbeiten. Das spart extrem viel Zeit! Das ist ein Wunsch von mir seit 20 Jahren und gibt es meines Wissens nach in keinem Layoutprogramm.”

Unsere Entwickler sahen mich an und fragten, warum wir dies dann nicht einfach machen sollten? Echt? In der Vergangenheit waren Zeitabschätzungen dafür immer „hunderte” von Personenjahren. Nun überraschten mich unsere Entwickler mit der Info, dass mit den Möglichkeiten der neuen Graphics Engine und QuarkXPress’ Verständnis von PDF-Konstrukten (beides seit QuarkXPress 10 eingebaut) dies eine Sache von Monaten sei.

Manchmal fällt man auch als gestandener Technologe fast vom Stuhl.

Gesagt, getan. Die erste Implementierung stand nach ein paar Monaten und dann ging es ans Testen von kritischen PDF. Tests mit tausenden PDFs von Kunden und mehrere Dutzende von Vorabtestern optimierten diese Funktion. So mussten z.B. Lösungen gefunden werden, wie mit winzigen Objekten umzugehen ist, die kleiner sind als das kleinstmögliche Element in QuarkXPress sein durfte. Oder wie JPEG2000 komprimierte Bildern behandelt werden. Oder PDF Konstrukte, die QuarkXPress nicht verarbeiten kann (z.B. Videos oder Transparent Blend Modes). Und vieles mehr, bis endlich alle Probleme behoben waren.

Kuchendiagramm aus MS Excel in QuarkXPress 2016 bearbeiten. Kuchendiagramm aus MS Excel in QuarkXPress 2016 bearbeiten.

Mittlerweile ist die Umwandelungsfunktion wirklich gut. Und sie kann noch mehr als importierte AI, EPS und PDF umzuwandeln; sie kann sogar Daten aus der Zwischenablage übernehmen und in bearbeitbare Objekte umwandeln. Aus Excel, aus Illustrator, aus Affinity und sogar aus InDesign kopieren ist möglich und dessen Objekte in QuarkXPress 2016 als bearbeitbare Objekte einfügen.

“Killer Feature”? Hat es Quark anfangs nicht genannt. Mittlerweile schon, nachdem das die einhellige Meinung im Markt zu sein scheint. Vor allem, da Tests von MacWorld zeigen, dass QuarkXPress Objekte aus Illustrator sogar besser kopiert als InDesign dies macht… (Warum ich das erwähne? Erlauben Sie mir diese Freude bitte! 😉 )

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Matthias Günther
Leiter Desktop Publishing bei Quark Software Inc.
Seit 2014 verantwortlich für QuarkXPress

Links

http://www.quark.com/2016
http://creativepro.com/review-quarkxpress-2016/
http://publisher.ch/fachzeitschrift_detail.php?read_article=9236Neben uneingeschränkten 3-Tage- und 30-Tage-Testversionen auf Quarks Webseite bietet Ihnen Quark in Verbindung mit diesem Blog ein einmaliges Angebot: Melden Sie sich bis zum 30. Juni 2016 per Email bei Matthias Günther (mguenther@quark.com) mit dem Stichwort “Haemes Blog” und Quark bietet Ihnen eine nicht-übertragbare Vollversion von QuarkXPress 2016 zum Upgradepreis (€199 netto) an.


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  1. Martin vor 3 Jahren

    Irgendwann mal hat die professionelle Anwenderschaft Quark XPress als DEN Standard für DTP auserwählt – nicht ohne Grund. Ich habe die Arbeit mit QuarkXPress immer sehr gemocht. Daher war es für mich nie ganz passée, obwohl sich mein Arbeitgeber seit langer Zeit auf Adobe eingestellt hat und ich zum Umstieg gezwungen war. Aus „Kostengründen“ ist man damals auf Adobe umgestiegen. Jetzt klammert man sich aus Kosten- und Kompatibilitätsgründen an CS6 und macht ein Downgrade von CC auf CS6, wo weitere Plätze ausgestattet werden müssen.

    Während sich damals „alle“ über die hohen Update-Kosten für Quark XPress aufgeregt haben, kam Adobe im richtigen Augenblick um die Ecke mit ihrem neuen tollen Werkzeug, das sie damals zum Taschengeldpreis unters Volk gebracht haben. Die Industrie hat ihr favorisiertes Werkzeug gewechselt, der Bildungsbereich ist mitgegangen, und ehe man sich versieht, hat das System ganze Generationen von Mediengestaltern hervorgebracht, die scheinbar keinen blassen Schimmer davon haben, dass man Quark nicht nur essen kann.

    Ich halte es nicht für unmöglich, dass sich irgendwann der Trend umkehrt und alle möglichen Unternehmen aus ähnlichen Gründen wieder vom Adobe-Zug abspringen, wegen der sie damals Quark verlassen haben.

    Die gefühlte Zahl der Anwender, die mit einem Mietmodell nicht einverstanden sind und sich lautstark beklagen, ist nicht gering. Doch vermutlich nur die Spitze eines Eisbergs. Da wird händeringend nach Alternativen gesucht, die es ihnen erlauben eine Software zu besitzen und weiter nutzen zu dürfen, selbst ohne Abo oder wenn mal ein Update ausgesetzt wird – auch in Sachen Bildbearbeitung und Vektorgrafik. Es könnte also eventuell interessant sein, mit möglichen Kandidaten über eine bessere Integration und Austauschbarkeit der Daten zu kommunizieren – sowohl für die Anwender als auch für alle beteiligten Hersteller, die auch nichts dagegen einzuwenden hätten, ein paar unzufriedene Adobe User unter ihre Fittiche zu nehmen, könnte es sich lohnen. 🙂

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  2. Reinhard vor 3 Jahren

    ich kann mich mit QXP mehr und mehr anfreunden. Undurchsichtige Preisgestaltungen, nicht nachvollziehbare Änderungen der Editionen, das rauswerfen von ein- oder zwei-Mann-Agenturen, die Abgabe meiner Souveränität und Rechte als Käufer an eine Datenkrake sind für mich definitiv NO-GOs…. Habe eine Vollversion angefordert. Wenn wir als Kunden/Verbraucher uns nur noch bevormunden lassen ist das nicht mein Weg…

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  3. Michael Künster vor 3 Jahren

    Das Ergebnis der Umwandlung ist davon abhängig, was in dem zu öffnenden Dateiformat enthalten ist. So sieht die oben beispielhafte gezeigte Tortengrafik nur gut aus, weil sie zweidimensional ist. Bei einer 3D-Tortengrafik übergibt Excel keine Vektoren sondern nur eine grob gepixeltes Bild. Da kann XPress dann auch nichts mehr machen.

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  4. Richard Jones vor 3 Jahren

    Super, damit könnte man PDFs umwandeln, mit Markzware ins InDesign bringen und dort weiterarbeiten…

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