Wenn man „effektiv“ mit „effizient“ verwechselt

Effizient oder effektiv?

Bis vor einem Jahr habe ich mir noch gar nie Gedanken darüber gemacht, was eigentlich der Unterschied zwischen den Begriffen „effektiv“ und „effizient“ ist. Das hat sich schlagartig geändert, als mir unsere BWL-Lehrerin im Nachdiplomstudium unverhofft diese Frage gestellt hat.

Ich formuliere es kurz und bündig. Denn mir hilft diese kurze Definition im Alltag unglaublich.

Effektiv
Die richtigen Dinge tun (strategisches Denken).

Effizienz
Die Dinge richtig tun (taktisches Denken > Ziele werden mit geringst möglichem Aufwand und Prozessproduktivität erreicht).

Ich möchte diese beiden Begriffe nicht aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive betrachten, sondern aus der Sichtweise einer Führungsperson. Wer in einem agilen Unternehmen oder in einem Betrieb mit flachen Hierarchien arbeitet, wird die folgenden Zeilen sicher schmunzelnd lesen, weil diese Probleme dort wohl eher selten anzutreffen sind.

Ich komme Morgens manchmal zur Arbeit und frage mich, was gehe ich denn heute genau an? Was ist heute wirklich wichtig, was wäre nice to have und was kann ich auch morgen oder nächste Woche noch erledigen? Als ich früher in der Produktion gearbeitet habe, hat sich mir diese Frage selten gestellt. Die Aufträge haben den Tagesablauf bestimmt.

Als Führungspersonen erlebe ich das aber total anders. Hier liegt es viel mehr in meinem Ermessen, wie ich meine Tagesenergie einsetze. Natürlich gibt es Pflichtaufgaben und Termine, die man wahrnehmen muss. Aber immer wieder hat man auch die Freiheit, sich diesem oder jenem Projekt zu widmen. Und genau jetzt sind wir beim Punkt:

Setzen Führungspersonen nicht viel zu oft den Fokus auf die Effizienz und vergessen dabei die Effektivität?

Ich meine damit, dass sich Führungspersonen sehr schnell mit Prozessen beschäftigen, die optimiert werden sollen, damit man noch schneller wird und die Fehlerquote noch mehr reduzieren kann (ökonomisches Prinzip vor Augen). Das ist ja nicht per Definition schlecht und ab und zu sicher erforderlich.

Wäre es aber nicht einfacher, den Mitarbeitenden so viel Verantwortung zu geben, dass sie genau diese Aufgaben selber wahrnehmen können?

Zweifellos haben viele Führungskräfte ein tolles Gespür für Effizienz. Ich befürchte aber, dass zu starkes Fokussieren auf die Effizienz bewirkt, dass wir Führungspersonen zu wenig Zeit für die Aufgaben haben, denen wir uns wirklich widmen sollten.

In meinem Alltag versuche ich effizientes Arbeiten zu fördern, indem ich zusammen mit meinem Team an Fragen knoble, die im Alltag auftauchen. Meistens kommen meine Kolleginnen und Kollegen selber zu mir. Erstens sind sie viel tiefer in den Prozessen drin und haben ein äusserst feines Gespür dafür, wie die Dinge im Idealfall laufen sollten. Und zweitens wissen sie, dass ich gerade bei technischen Fragen gerne versuche, eine optimale Lösung zu finden 🙂

Weil ich weiss, dass meine Kolleginnen und Kollegen selber schon sehr effizient unterwegs sind, möchte ich mich vermehrt mit Fragen beschäftigen, die sich um die Effektivität der Dinge drehen. Das sind dann sehr oft zwischenmenschliche Themen, die man nicht einfach so mit einem Prozessplan abhandeln kann. Oder anders ausgedrückt:

Ich konzentriere mich weniger darum, dass die Dinge richtig getan werden (diese Verantwortung tragen motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nämlich meistens sehr gerne selber > wenn man sie auf diesem Weg begleitet). Viel mehr möchte ich mit der gewonnenen Zeit daran arbeiten, dass die richtigen Dinge getan werden (das kommt nämlich oft zu kurz).

Ich wünsche euch allen einen ausgewogenen Blick für effiziente und effektive Themen. Vernachlässigt man ein Thema auf Dauer, kann das schwerwiegende Folgen haben.

Herzliche Grüsse
Ihr/Euer Michel Mayerle


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  1. Peter Gantner vor 5 Tagen

    Lieber Michel, das sind wirklich wahre Worte und dieses Mal sehr verständlich formuliert. Ich werde auch versuchen die effektiv zu arbeiten und meine Mitarbeitetenden befähigen Dinge «richtig zu tun» .

    Please wait...