Wenn Kompliziertes komplex wird

Maze

Wie löst du Probleme am liebsten? Knobelst du alleine an der Lösung herum, oder nutzt du die kollektive Schwarm-Intelligenz? In diesem kurzen Beitrag möchte ich das Bewusstsein fördern, dass Problemlösungen im Alleingang abhängig von der Ausgangslage gewaltig daneben gehen können.

Ich bin jemand, der sich zuerst gerne selber Gedanken zu einer Problemstellung macht. Wenn mir jemand eine Frage zu einem Softwareproblem stellt, macht es mir unglaublich Spass, mich damit zu beschäftigen. Andererseits ziehe ich aber auch gerne den Rat anderer zu Hilfe, wenn ich geistig am Berg stehe. Auch das macht mir Freude, weil ich dadurch mit anderen Menschen in Kontakt komme und mich mit ihnen austauschen kann. Das schweisst zusammen und stärkt das gegenseitige Vertrauen. Ich schenke meinem Gegenüber Wertschätzung, weil ich an seiner ehrlichen, persönlichen Meinung interessiert bin.

Neue Herausforderungen brauchen andere Denkmuster

Nicht nur (aber auch) durch die digitale Transformation haben sich viele Fragestellungen in den letzten Jahren massiv verändert. Wer früher fachlich extrem kompetent war, konnte aufgrund seiner Erfahrung womöglich viele Alltagsprobleme im Alleingang lösen. Macht hatte früher derjenige, der die richtigen Antworten wusste. Heute ist es oftmals genau umgekehrt:

„Im Vorteil ist heute derjenige, der die richtigen Fragen stellt“

Warum ist das so? Aus komplizierten Fragestellungen entwickeln sich immer mehr komplexe Herausforderungen.

Der Unterschied zwischen kompliziert und komplex

Folgende Gegenüberstellung soll aufzeigen, inwiefern sich komplexe Sachverhalte von komplizierten Fragen unterscheiden:

Komplizie

 

Kompliziert
Bei komplizierten Herausforderungen ist zwar vernetztes Denken hilfreich, letzten Endes ergibt Input A aber immer Output B. Ist zum Beispiel unsere Digitaldruckmaschine defekt, können manche Probleme sogar remote via Call-Center gelöst werden. Weil eine Kettenredaktion von Ereignissen eine technische Störung ausgelöst haben, muss man nur die Symptome kennen, um das Problem letzten Endes lösen zu können. Hier sind kompetente Fachpersonen gefragt, die unter Termindruck im Alleingang schnell die richtigen Schlüsse ziehen und die Störung beheben können. Die Erfahrung anderer Techniker ist dabei meistens nicht nötig, weil das Problem X meistens mit der gleichen Massnahme behoben werden kann.

Komplex
Ganz anders verhalten sich komplexe Sachverhalte. Diese haben eine grosse Dynamik, ein Eigenleben! Input A muss nicht zwingend einen Output B ergeben. Es ist durchaus möglich, dass sich das Problem so schnell verändert, dass der Output morgen durchaus ein anderer sein kann. Eine langfristige Vorhersage wird dadurch absolut unmöglich. Genau solchen Herausforderungen sehen sich doch viele Manager und Führungskräfte ausgesetzt. Die Mitarbeiter verlangen von ihnen Antworten auf Fragen, welche die Führungskraft gar nicht mehr beantworten kann (alleine schon gar nicht). Komplex kann zum Beispiel auch die Bildung einer harmonischen Geschäftsleitung sein. Gerade wenn Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen gezwungen werden, gemeinsam einen bestimmten Output zu liefern, wird es sehr schnell sehr komplex (Cultural Fit lässt grüssen).

Wie reagiere ich auf komplexe Probleme?

Wer komplexe Probleme im Alleingang bewältigen will, wird sehr schnell eine Bruchlandung erleiden! Denn komplexe Probleme erfordern auch eine komplexere Herangehensweise. Und diese Vernetzung kriegt man nur hin, wenn ein Netzwerk von Personen mit individuellen Fähigkeiten und Talenten beigezogen werden kann. Führungskräfte sind also gefordert, Vernetzungen im Unternehmen (und am besten auch darüber hinaus) zu fördern. Klassisches Silo-Denken hat hier nichts mehr verloren. Denn wie will ein Mitarbeiter eine Fachperson aus einem anderen Team im Hilfe bitten, wenn dieses als interner Konkurrent betrachtet wird?

Handlungsempfehlungen für Führungskräfte in komplexen Umgebungen

  • Es muss eine Kultur erschaffen werden, in der eine gegenseitige Vernetzung und ein gegenseitiger Wissensaustausch im gesamten Unternehmen gelebt werden kann. Eine Kultur zu etablieren ist eine grosse Herausforderung. Dies kann nicht befohlen, sondern nur gelebt werden. Und vor allem braucht es Zeit und Mitarbeiter, die zur Firmenkultur passen!
  • Man sollte sich immer wieder die Frage stellen, ob man es mit einem komplizierten, oder einem komplexen Thema zu tun hat. Ich habe mich auch schon dabei ertappt, wie ich Entscheide in der Meinung gefällt habe, dass ich es mit einer komplizierten Frage zu tun hätte, obwohl das Problem komplexer Natur war. Das kann dumme Folgen haben, weil man vielleicht Mitmenschen nicht berücksichtigt hat, die eventuell zur Lösung des Problems hätten beitragen können.
  • Komplizierte Aufgaben lassen sich oftmals automatisieren (Gefahr des Stellenabbaus droht). Wieso also nicht einen USP suchen, in dem komplexe Kundenbedürfnisse die Hauptrolle spielen? Denn Komplexes kann zumindest heute nicht automatisiert werden (das Miteinander steht wieder im Vordergrund).
  • Mitarbeiter zur Vernetzung anzuregen setzt auch Vertrauen Seitens der Führungsperson voraus. Auf der anderen Seite braucht es aber auch Mitarbeiter, die dieses Vertrauen nicht missbrauchen. Das wiederum stellt neue Anforderungen an die Personalrekrutierung (damit befasse ich mich derzeit gerade im Rahmen einer Umsetzungsarbeit).
  • Der Vorgesetzte wird vermehrt zum Coach.
  • Agilere Unternehmen mit flacheren Hierarchien können schneller auf komplexe Probleme reagieren.

Ich schreibe all das im Wissen, dass ich eigentlich nichts weiss und ganz bestimmt am Montag auch wieder in die Komplexitätsfalle tappen werde. Aber immerhin habe ich im Geschäft genügend Menschen, an die ich mich richten kann, wenn ich selber nicht mehr weiter weiss 🙂

Herzliche Grüsse

Ihr/Euer Michel Mayerle


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  1. Haeme Ulrich vor 4 Wochen

    Danke Michel 👍

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    • Michel Mayerle vor 4 Wochen

      Jederzeit gerne.

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