Was sagen Prüfungen aus?

Mensch hinter Büchern am Lernen

Letzten Freitag waren wir am #Initiate19 barcamp. Die vielen Eindrücke, Ausdrücke und Impulse bin ich noch am verarbeiten. Ein grosses Danke an dieser Stelle an die Organisatoren und die Teilnehmenden!

Ein goldener Satz, den ich aufgeschnappt habe war: «Die Sau wird nicht fetter vom vielen Wägen.» Es ging um das Thema Prüfungen und Schule. Und darum, wie (und ob) man Lernen messen kann und soll?

Prüfungen: Wieso und wie?

In meinem Umfeld ist das Thema im Moment hochaktuell. Zwischen Lehrabschlussprüfungen, Semesterprüfungen und Schultests kommen die Lernenden kaum aus dem Stress heraus. Da stellt sich die Frage; Was messen wir eigentlich?

Wir entfernen die natürliche Umgebung, das Internet, die Bücher, die Rechner. Auch auf Mitmenschen dürfen wir nicht mehr zählen während Tests. Das ist nur in der Schule und Ausbildung so. Im echten Leben nie mehr.

Wir stellen Aufgaben, die wir schon kennen. Nichts neues, sondern Wissenswiedergabe. Das kann man auswendig lernen. Problemlösung als Fähigkeit wird nur am Rande gewichtet. Und das, während der Dienstleistungssektor stetig wächst und Leute Probleme lösen müssen, das andere machen bald Roboter.

Wir zählen die Fehler und nicht die richtigen Antworten. Völlig das falsche Signal und demotiverend. Nicht?

Alle werden gleich bewertet. Ist das nicht unfair? Eltern würden niemals sagen, dass sie alle ihre Kinder genau gleich behandeln und erziehen müssen. Unterschiedliche Leute, unterschiedliche Massnahmen. Klingt logisch. Aber im Schulkontext ignorieren wir das.

Wir messen Stressresistenz, Auswendiggelerntes und Genormtes. Was hat das mit Lernen oder Fähigkeiten fürs zukünftige Berufsumfeld zu tun?

Was ich hier schreibe, soll weder ein Angriff noch eine persönliche Kritik sein. Aber ich denke, diese Fragen sollten wir zulassen. Für unsere Kinder, unsere Zukunft und für den Fortschritt.

Zudem habe ich die Antwort nicht. Ich bin gespannt, welche Entwicklung da auf uns zu kommt. Und ich bin dankbar, dass es immer weiter geht.

Ein Organisator des barcamps war Christoph Schmitt von Bildungsdesign. Wenn dich dieses Thema packt, dann klick dich mal durch seine Website 🙂


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  1. Christine Goerigk vor 2 Monaten

    Das klingt jetzt vielleicht wie Werbung, aber ich versuche so gut es geht Lehrbücher mit schönen Bildern zu bestücken, und habe Der Psycho-Comic raus gebracht um Psychologie Studenten das Lernen entspannter zu gestalten. Ich habe nur 2 Hände und würde mir wünschen, das auch andere Zeichner versuchen Lehrbücher in Bilder zu übersetzen, damit unser Gehirn mal ein wenig „baumeln“ kann. Der Stress in der Ausbildung ist enorm und hört nicht auf. Eigentlich entscheidet sich in der Schul- und Ausbildungszeit ob jemand existiert oder lebt. Das ist ein Thema, das mich emotional werden lässt. Die Ausbildung unserer Kinder und Enkel bestimmt unsere Zukunft.

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  2. Tibor Janos Kiss vor 2 Monaten

    Völlig einverstanden, und ich schliesse mich Katrins Kommentar mit 25 mal 4 muss man im Kopf können an! Aber neben diesem bisschen Allgemeinbildung sollten Lerninstitutionen wirklich mehr praxisorientiert sein.

    Das schöne ist ja im 2019, dass man auch ohne „offizielle“ Papiere einen Weg gehen kann (Selbststudium usw.). Vor 30 Jahren ohne Internet war das noch viel schwieriger…

    Alle „beschweren“ sich hier in der Kommentarspalte wie praxisfern eine Lehre ist. Ein klassisches Uni-Studium ist es in den meisten Fällen aber noch viel viel mehr (man hat ja keinen Arbeitgeber, kundenorientierte Projekte usw. wie in einer Lehre). Von dem her können sich die Lehrlinge noch verhältnismässig glücklich schätzen 🙂

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  3. Katrin Siebers vor 2 Monaten

    Ich bin nur teilweise einverstanden mit dem, was du schreibst. JA, teilweise wird – beziehungsweise muss – in der Schule Wissen abgefragt werden. Und Ja, teilweise müssen alle das Gleiche können. Wenn ich mir heute anschaue, wie ein Mail in Schriftsprache daherkommt, stellen sich mir die Haare zu Berge.
    Wenn ich im Unterricht frage, was 4×25 ergibt, brauchen alle einen Rechner. Das ist jenseits – gehört einfach zur Allgemeinbildung!
    Ich bin aber absolut deiner Meinung, dass Wissen alleine nicht genügt. In der Berufsschule arbeiten wir schon lange mit Handlungskompetenzen. Das heisst, dass ganz viel praktische Arbeiten machen, jeder in seinem Lerntempo. Und ja, alle müssen die Arbeit auf einen Termin abgeben. Das ist dann halt einfach so.
    Lehrabschlussprüfungen: es werden immer mehr IPAs (individuelle praktische Arbeit) gemacht bzw. BiVos so verändert, dass sie gemacht werden können. Bei der Theorieprüfung muss ich sagen, geht es nicht viel anderst. Aber auch dort: es kommt auf die Fragestellung an. „Wie löst du dieses Problem?“ ist doch voll gut! Und noch etwas: das Leben ist kein Ponyhof. 😉

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    • Simea Merki vor 2 Monaten

      Danke für deinen Kommentar! Ich bin froh, dass ihr darauf achtet, eine gute IPA-Voraussetzung zu schaffen. Bin auch grösstenteils mit dir einverstanden. Ist hier aber nicht eher die Frage; Was ist in der Grundschule schief gelaufen, dass die Rechtschreibung und Mathematik nicht läuft?
      Zur Theorieprüfung: Ja, ich sehe was du meinst. Nur stellt sich da bei mir die Frage: Wer hat Theorie und Praxis getrennt? Am Ende müssen unsere Berufsschulen die Lernenden so bilden, dass sie bereit sind für den Job. Und da kann man dann nicht Praxis und Theorie trennen.
      Zum Ponyhof: Stimmt! Aber ich denke, dass „Selberdenken“ nicht weniger anstrengend ist. Im Gegenteil. Arbeit kann anstrengend sein. Aber sie darf Spass machen. 🙂 Vielleicht schaffen wir das sogar bei einer Abschlussprüfung! Aber da müssen alle mithelfen, das liegt ja nicht nur bei der Berufsschule 😉

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  4. Heike Burch vor 2 Monaten

    Ich würde sogar noch etwas weiter gehen:
    Wie weit bringen uns Bewertungen?
    Wir stellen uns über jemanden, wenn wir bewerten.
    Wir lassen zu, dass andere über uns richten.
    Wer entscheidet denn, was gut und recht ist?
    Und schlussendlich erschaffen wir eine Wahrheit, die wir nie und nimmer mitder Realität abgleichen können.

    Ein Beispiel: Die Adobe Zertifizierung. Ich arbeite seit 19 jahren mit InDesign, ich glaube, recht gut. Um kantonalen Auftraggebern mein Wissen zu vermitteln, ist ein ACE (Adobe Certified Expert-Test) erforderlich.
    Hier ist folgende Prüfungssituation: Ich gebe alles ab, kein Buch, kein Handy, kein Internet darf in den Kameraüberwachten Raum. Am rechten Bildschirmrand dreht langsam die Uhr die Zeit rückwärts – der Countdown läuft, ich fühle mich unter Druck.
    Dann Single-Choice-Fragen, dümmer gehts nimmer. Es geht hier nur um Formulierungen. Ein Beispiel erinnere ich:
    Wie heisst es richtig: a) Konturenführung b) Konturführung c) um die Kontur führen …
    Ich weiss es nicht, da ich diese Funktion immer per Shortcut ansteure.
    Diese Frage ist vielleicht automatisiert auswertbar. Aber sagt sie aus, was ich in InDesign umsetzen kann? Sagt sie aus, ob ich komplex denken kann? Sagt sie etwas über meine Fähigkeit aus, mich zu vernetzen und nach Hilfe zu fragen? Sagt sie etwas aus, wie ich mir während verschiedener Projekte Wissen aneignen kann? Sagt sie darüber etwas aus, was genau die Konturenführung (die mittlwerweile Textumfluss heisst) ist und wie ich sie anwende?

    Ich finde es schwer, den Workshop-Teilnehmern eine Bewertung zukommen zu lassen. Ich mag es gern in einem persönlichen Gespräch. Fachliches Feedback. Und Hilfestellungen, wenn noch nicht alles Wissen anwendbar ist.

    Aber eines noch: Es ist auch schwer als Eltern, zu sagen, mach mal! Ist doch egal, was du für einen Abschluss hast. Denn auch wenn ich selbst mittlerweile auf Abschlüsse pfeife, bei mir und bei anderen, funktionieren sehr viele „da draussen“ ncoh nicht so. Es wird wohl eine Übergangsphase benötigen.

    Liebe Grüsse, Heike

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    • Simea Merki vor 2 Monaten

      Stimmt! Danke für den Beitrag!

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  5. Klaas Posselt vor 2 Monaten

    Auch ich habe ein gemischtes Verhältnis zu Prüfungen.
    Für mich als Workshopbegleiter sehe darin auch eher ein Mittel ein Feedback zu bekommen, ob die Inhalte, die ich vermitteln wollte (und das nicht das pure auswendig gelernte Wissen) auch wirklich angekommen sind bei allen. Wenn das nicht der Fall ist, liegt es in meinen Augen eher an mir und meine Vermittlungsmethoden, als an den Teilnehmenden.
    Leider geht es vielen nur darum, etwas in der Hand zu haben, um scheinbar bestmöglich objektiv Personen zu beurteilen/vergleichen oder mit einem Stück Papier Wissen (eigentlich ja eher Kompetenzen) zu belegen. Ob solches Wissen in der vollen Breite da ist, können klassische Prüfungen in meinen oft schlecht belegen.
    Da das Papier am Ende heute für viele das wichtigste ist, ist in meinen Augen die Hauptaufgabe „Prüfungsformen“ zu etablieren, die nicht einfach alles Wissen im Stück abfragen, sondern Teilnehmende aktiv mitnehmen und Sie ins reflektieren, analysieren, überhaupt zum denken anregen (ich nutze hier zwischendrin z.B. gerne Kahoot oder ähnliche Tools). Das beißt sich aber oft leider noch mit Vorschriften.

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  6. Gallus Zahno vor 2 Monaten

    Du hast recht mit deinen Beobachtungen. Lehrabschlussprüfungen beispielsweise empfinde ich als ein jährlich im Juni stattfindendes Ritual, dessen Sinn niemand mehr begründen kann. Um das „Billet“ am Ende der Lehrzeit zu erhalten, gäbe es viel menschlichere (dem echten Leben nähere) und auch viel kostengünstigere Formen.

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    • Christian Denzler vor 2 Monaten

      Kann ich als Prüfungsexperte bestätigen und auch, dass bei einem Systemwechsel ganz vielen Menschen die Felle wegschwimmen würden. Wohl auch der Grund, weshalb wir nie Systemwechsel haben.

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    • Heike Burch vor 2 Monaten

      Das Problem der LAP beginnt ja schon viel früher: Soll ich für die LAP lernen oder für das Leben (Das klingt so abgedroschen…) Und wenn ich mich nicht selbst motivieren kann: Schafft es der Ausbildungsbetrieb?
      LG, Heike

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    • Simea Merki vor 2 Monaten

      @Heike
      Ja, und das Problem ist ja, dass es LAP ODER Leben ist. Die Aufgaben sind selten vereinbar mit dem, was danach passiert. (Sagen meine Kollegen, die die Lehre abschliessen, ich hab da ja keine Erfahrung gemacht.)

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  7. Christian Scheidegger vor 2 Monaten

    Also Stressresistenz finde ich per se nicht so schlecht. Über den Rest kann man effektiv diskutieren.

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