Umstieg auf Affinity Photo Teil 2: Funktionsvergleich mit Photoshop

Ich möchte nahtlos an meinen ersten Beitrag anschliessen und euch diesmal einen kleinen Einblick in den Evaluationsprozess geben, als entschieden werden musste, ob wir in der ZT Medien AG vorerst einmal 12 Arbeitsplätze auf Affinity Photo umstellen sollen.

Entscheidungsfindung

Der Entscheid für die Affinity Produkte ist uns denkbar einfach gefallen. Die Ausgangslage war klar. Es ging darum, Photoshop und Illustrator dort einzusparen, wo der Funktionsumfang der beiden Programme nicht gebraucht und auch nicht ausgeschöpft wurde. Oder anders gesagt: Wir haben in der ersten Phase nach den Personen gesucht, die ihre Arbeit auch mit einer anderen Software genau so schnell und problemlos abwickeln können, wie das mit Photoshop und Illustrator der Fall war.

Typischerweise werden immer nur die gleichen Basis-Funktionen gebraucht, so dass die Adobe-Programme sowieso überdimensioniert sind.

Nach dieser Analyse haben sich 12 Arbeitsplätze herauskristallisiert. Weitere werden womöglich noch folgen.

Dass die Affinity-Produkte unsere erste Wahl war, merkten wir sofort. Sie erfüllen kompromisslos all unsere Anforderungen:

  • Ausreichender Funktionsumfang, damit die Personen ihre Arbeit mit gleicher Qualität weiterführen können
  • Logische, einladende Benutzeroberfläche
  • Sehr ähnliche Handhabung (teilweise sogar die gleichen Kurzbefehle wie in Photoshop oder Illustrator)
  • Support für das .ai bzw. .psd-Format inkl. Ebenen und Masken
  • Vollwertiges ICC Color Management
  • Hochwertiger Dateiexport für Print und Multimedia

Andere Produkte wie Pixelmator Pro oder GIMP haben wir nicht im Detail getestet, da sie die oben aufgeführten Anforderungen nicht so gut erfüllen, wie das bei Affinity Designer und Photo der Fall ist.

Funktionsvergleich

Trotzdem wollte ich sicher gehen und habe mir selber eine kleine Tabelle erstellt, in der ich Photoshop und Affinity Photo etwas detaillierter verglichen habe. Bei Illustrator habe ich das nicht gemacht, weil wir das Produkt nur so oberflächlich nutzen, dass im Vorfeld schon klar war, dass Affinity Designer ein mehr als würdiger Ersatz darstellen würde. Die Tabelle zum Vergleich von Photoshop und Affinity Photo hat wie folgt ausgesehen. Es sei noch zu erwähnen, dass die Punktezahl folgendes bedeutet:

0 Punkte: Funktion nicht vorhanden
1 Punkt: Funktion vorhanden, aber verbesserungsfähig
2 Punkte: Funktion vorhanden und entspricht den Anforderungen
3 Punkte: Funktion vorhanden und übertrifft die Anforderungen

Funktion Killer-Kriterium Adobe Photoshop Affinity Photo
Alle gängigen Einstellungsebenen Ja 3 3
Nicht destruktive Filter Ja 3 3
Ebenen und Ebenenmasken Ja 2 3 (können Einstellungsebenen enthalten!)
Tiefen Lichter (bei uns sehr oft genutzt) JA 3 1 (in Vers. 1.7 schlechter als in 1.6 > Umweg über Tonemapping-Persona liefert gute ergebnisse)
ICC Color Management inkl. Softproofing Ja 3 2
Komplexe Auswahlen erstellen und verfeinern Ja 3 3
Umgang mit Alpha-Kanälen Ja 3 2 (recht umständlich, funktionell aber sehr gut)
Umfangreiche Retuschierwerkzeuge Ja 3 3 (teilweise etwas langsam)
Support aller gängigen Bildformate Ja 3 3
Aktionen Ja 3 1 (seit Vers. 1.7 etwas besser, aber weniger umfangreich als Photoshop)
Stapelverarbeitung Ja 2 3 (sehr umfangreich und übersichtlich)
Benutzerfreundlichkeit Wäre hilfreich 1 (für Gelegenheitsuser anspruchsvoll) 2
Nicht destruktive Pixelbearbeitung Bei zunehmender Erfahrung der Anwender hilfreich 3 (Smartobjekte) 2 (gehört zur Grundfunktion, nicht so umfangreich)
Protokoll Wäre Hilfreich 1 3 (Protokoll kann mit Datei gespeichert werden, alternative Fortsetzungen)
Fluchtpunkt-Filter Bei zunehmender Erfahrung der Anwender hilfreich 3 1 (Live-Projektion unbrauchbar, Umweg über Perspektivenwerkzeug ungenau und umständlich)
RAW-Konverter Selten liefern Kunden RAW-Datenan 3 1 (sehr bescheiden)
Total 42 36

Gedanken zur Auswertung

Obwohl ich meine Tabelle mit einigen Wunschfunktionen ausgestattet habe, hat Affinity in jeder Disziplin mindestens einen Punkt geholt. In den Bereichen Ebenenmasken, Stapelverarbeitung und Protokoll besticht Affinity Photo sogar mit deutlich umfangreicheren und teilweise erfrischend innovativen Funktionen. Auch wenn Photoshop am Ende einige Punkte mehr auf dem Konto hat, muss sich Affinity in keiner Weise verstecken. Ich gehe davon aus, dass Affinity Photo in Zukunft noch massiv aufholen wird, da wir ja noch immer von einer Version 1.x sprechen!

Schulung der Mitarbeiter

Übermorgen starten wir intern mit der internen Ausbildung. Wichtig: Ich habe nicht nur die Personen an die Schulung eingeladen, die Affinity ab sofort nutzen werden.

Wichtig: Ich habe auch hartgesottene Photoshop-User an die Schulung eingeladen, damit sie ihren Horizont erweitern können.

Und wer weiss, vielleicht stellen wir eines Tages ja sogar vollkommen um? Ich habe mich in den letzten 6 Wochen intensiv mit Affinity Photoshop auseinandergesetzt und teilweise auch einige begeisterte Kommentaren in den Sozialen Medien gepostet.

Meine Begeisterung für das Produkt ist ausschlaggebend. Nur so können sich die Mitarbeiter sicher sein, dass wir ihnen ein hochwertiges Werkzeug mitgeben!

Ausblick auf meine nächsten Beiträge zu Affinity Photo

Meine nächsten Beiträge werden Affinity Photo in der Praxis zeigen. Was müssen Umsteiger beachten, was ist anders? Es könnte also auch ab und zu ein Youtube-Tutorial dabei sein 🙂 Ausserdem werde ich euch laufend darüber informieren, wie sich die Arbeit mit den Affinity-Produkten in der Praxis bewährt.

Vielen Dank für euer Interesse und bis bald.

Ihr/Euer Michel Mayerle


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  1. Tom Schülke vor 1 Woche

    EIn wort noch zum Punkt „Zerstörungsfreies Arbeiten“ (Smartobjects).

    Hier wiedersperche ich. Smartobjects benötigt man um Ebenen zerstörungsrei zu skalieren, Filter zerstörungsfrei einzusetzen und.. irgendwas gabs da noch…

    Das alles hat Affinity doch von Haus aus. Skalierne ist immer zerstörungsfrei , Zerstörungsfreie Filter sind die Affinity Ebnen-filter doch auch immer…. Fazit..

    Smartobjects sind ein Klimmzug in Photoshop, den Affinity schlicht nicht benötigt.

    das hat den einzigen Nachteil das der ansonsten perfekte PSD import in Affinity, smartobjects rastert wenn sie importiert werden…

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    • Michel Mayerle vor 1 Woche

      Smartobjekte können auch Formebenen nondestruktiv halten, oder Inhalte eines Smartobjektes in einem Template austauschen. Die Funktionalität geht da schon noch etwas weiter als bei Affinity.

      Aber ja, es ist so. Affinity Photo hat gewisse Funktionen bereits im Portfolio.

      Herzliche Grüsse
      Michel

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  2. Tom Schülke vor 1 Woche

    in unserem Architekturbüro (500 Mitarbeiter) ist es ähnlich . Wir waren kurz davor, auf Affinity umzustellen, haben dieses aber verschoben, weil wir in unserem Workflow intensiv auf die Zusammenarbeit mit Externen und mit der PR angewiesen sind, die regelmäßig und unter zeitdruck auf alte Indesigndokumente zurückgreifen müssen.

    Unser Killerfeature wäre ein sauberer Indesign import zumindest über das IDML Format.

    Aber auch uns begeistert der bereits sehr beeindruckende Funktionsumfang der wie gesagt alle grundlegenden Architektenwünsche ganz locker abdeckt.

    Was Affinity Photo betrifft ist für uns der größte Wehrmutstropfen, der Import von CAD zeichnungen über den Umweg PDF.

    Photoshop rastert solche aus tausenden von Linien bestehenden PDF´s sauber und behält im Hinterkopf dennoch die Verlinkung auf die Ursprünglichen Dateiausddrucke.. Ein Killerfeature im Architektenbetrieb. Denn Änderungen bis zur letzten Minute sind gängig.

    Affinity möchte hier noch Zerstörungsfreier als Photoshop sein und erhält die Vektorgrafiken als Vektoren. Das macht aber bei Logos , nicht jedoch bei Architekturzeichnungen eines Wolkenkratzers mit samt Mall und tausenden Linein sinn..

    So importieren wir die PDF´s als embedded files (hoffentlich bald auch als linked embedded files) und kopieren die Ebenen dann um sie zu rastern… Sehr umständlich..

    und wie oben erwähnt fehlen gerade bei Masken immer noch einige sehr wichtige shortcuts im Ebenenstapel, um zb. additiv oder subtraktiv ebenenmasken hinzuzufügen oder abzuziehen..

    Ansonsten ein Hammerprogramm. Insb. wenn man den Preis bedenkt..

    Und nebenbei.. Ich hab in der IT die abartiten Klimmzüge erlebt, bis die CCFE Suite in den Workflow inclusive Softwareverteilung, anbindung an ein Active Directory usw. funktionierte… Ein echter absolut kundenfeindlicher Albtraum.

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  3. Nicolas vor 1 Woche

    Sehr spannend, danke für den Artikel! Sowas wäre für uns wohl auch ein Thema. Eine Frage zum Punkt Color-Management: Warum kriegt Affinity Photo da «bloss» zwei Punkte?

    Please wait...
    • Michel Mayerle vor 1 Woche

      Affinity kann leider keine Farbeinstellungen als Settings abspeichern. Dadurch wird das Umstellen extrem mühsam, weshalb ich weniger Punkte verteilt habe.

      Herzliche Grüsse
      Michel

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