Twitter macht sich selbst zu

Twitter zieht den Stecker, bzw. macht den Anschluss teuer. Zurück zur Vormachtstellung? Wohl eher direkt ins Grab.

Twitter ist ein Nachrichten-Kanal, der polarisiert. Ich kenne Leute, die beziehen ihren gesamten Nachrichtenstrom primär über diesen Kanal. Andere – wie ich zum Beispiel – gehören eher zu den Gelegenheitslesern, die ob der schieren Menge an Gezwitscher manchmal eher verzweifeln. Für beide Gruppen ist es wichtig, dass man den Twitterstrom optimal organisieren kann.

Gerade da haben sich in den letzten Jahren diverse Dritt-Anbieter dran gemacht, bessere Lösungen als Twitter selbst zu entwickeln. Beispiel Mac: die Anzahl an Twitter-Clients ist recht gross. Tweetbot ist beispielsweise eine innovative Software, die regelmässig aus breiten Kreisen gelobt wird. Und Twitter selbst? Die bieten nicht mal einen Twitter-Client für den Mac-Desktop an. Auch in der mobilen Welt haben Drittanbieter oft die Nase vorn und viele User nutzen nicht die nativen Apps von Twitter selbst.

Und was macht nun Twitter? Man kappt die wichtigen Schnittstellen, die in den letzten Jahren all diese innovativen Dritt-Apps überhaupt ermöglicht haben. Das Absurde daran: man stellt die Schnittstellen nicht ab, man macht sie einfach unbezahlbar teuer. Nice Move! Es wird z.B. einem Dritt-Anbieter in Zukunft nur noch über eine ganze Stange Geld möglich sein, in seine App Push-Notifications einzubauen. Die Benachrichtigungen sind aber nun mal ein zentrales Element für einen Dienst wie Twitter. Können Dritt-Anbieter dieses Feature nicht mehr anbieten, werden sie schnell aus dem Markt bugsiert.

Ich persönlich finde diesen Schritt von Twitter schlicht und ergreifend unverschämt. Zuerst öffnet man sich, baut sich eine Community auf. Man fördert Softwareentwickler, die mit ihren innovativen Ideen der Plattform zutragen. Und dann drängt man alle aus dem Markt und versucht, wieder das Monopol zu erlangen. Dabei hat man nicht mal den Mut, das offen zu deklarieren, sondern man versteckt sich hinter dubiosen Preismodellen. Und – das ist der Gipfel – man bietet keine bessere Alternative.

All das hätte möglicherweise in der Vergangenheit noch funktioniert. Ich glaube, in der heutigen Welt geht der Schuss nach hinten los. Twitter schaufelt sich gerade selbst das Grab und wir werden bald den oder die Nachfolger zu sehen bekommen.

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  1. truni vor 3 Monaten

    Hmm, tragische Entwicklung:( Bei LinkedIn beobachte ich auch ein verschliessen gegenüber der Transparenz der Information: wieso kann ich content nicht ablegen in Diensten wie Pocket oder Feedly? Extrem lästig …

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    • Roman Schurter vor 3 Monaten

      Stimmt.

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  2. Haeme Ulrich vor 3 Monaten

    Danke Roman. Sehe ich genau gleich… Das ist überhaupt das, was mich an all den Plattformen (Social Media wie Messengers) stört: Es ist hoch proprietär, eine geschlossene, „heile“ Welt. Stell dir das mal bei Email vor: Der Hoster gibt den Email-Client vor :))

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