Softwareentwicklung in Indien: Risiko oder Chance?

Softwareentwicklung in Indien: Risiko oder Chance?

Für Entwickler scheint das Thema Outsourcing Indien als der Job Killer überhaupt. Unternehmen hingegen sind skeptisch was Softwareentwicklung an diesem Offshore Standort angeht.

Auf der anderen Seite: Die USA sind der Hauptabnehmer von IT Dienstleistungen aus dem Subkontinent. Gleichzeitig sind die Gehälter in Amerika am höchsten (im Schnitt, mehr als 100’000 US Dollar, nur in der Schweiz verdient man vielleicht mehr 😊) und die IT Unternehmen (Facebook, Amazon, Microsoft, etc.) am erfolgreichsten.

Unterschied Europa und USA

In den USA gibt es eine Entscheidungsfindung “ob” Outsourcing betrieben, sondern eher “wie”.

In der amerikanischen IT ist das Thema Outsourcing nach Indien weit verbreitet.

In Europa sieht das ein wenig anders aus.

Besonders die deutsprachigen Länder machen tun sich schwer, mit dem Thema anzufreunden.

Bemängelt wird die Qualität, die Einhaltung von Lieferterminen und viele weitere.

Grossbritannien, die Skandinavischen Länder, die Niederlande sind dagegen relativ offen, was Offshore angeht.

Die Schweiz

Auch habe ich einige erfolgreiche Schweizer IT Unternehmer getroffen die gesagt haben “Wir wollen uns die Inder nicht in das Haus holen”. Das war jedoch eher pragmatisch gemeint, im Sinne von “zuviele Kommunikations- und Mentalitätsprobleme”.

Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Unternehmen aus der Schweiz, die das Thema erfolgreich verfolgen. Besonders grosse Versicherungen und Banken haben bereits grössere Teams in Südasien. Auch kleine und mittelständische Firmen finden Interesse daran.

Es scheint also eine bestimmte Ambivalenz zu geben, wenn es um Softwareentwicklung dort geht.

Zahlen und Fakten

Wenn man von der mangelnden Qualität und der unterschiedlichen Kultur hört, dann könnte man meinen, dass Offshore Outsourcing (anderes Wort für “Vergabe von IT Dienstleistungen weiter weg”) einen sehr kleinen Umfang hätte.

In der Realität handelt es dabei bereits um eine 154 Milliarden US Dollar (1 Franken = zirka 1 US Dollar), welche zirka 4.5 Millionen IT Experten beschäftigt.

Indische IT Dienstleister wie Tata Consultancy Services (fast 400’000 Mitarbeiter), Infosys (zirka 200’000 Mitarbeiter) und Wipro (zirka 160’000 Mitarbeiter) sind nur einige von vielen Beispielen, welche Ausmasse das bereits angenommen hat.

Auch die grössten Softwareunternehmen der Welt wie IBM (zirka 130’000 IT Mitarbeiter auf dem Subkontinent), Microsof, SAP oder Amazon lassen dort teilweise entwickeln. Im Falle aller dieser Firmen sind diese Softwareentwickler dort ein wichtiger Teil der Entwicklungsstrategie. (Ps: Ich selbst habe bei SAP in Deutschland und der Schweiz gearbeitet und konnte keine negativen Auswirkungen auf die Gehälter feststellen, eher das Gegenteil, durch Neuerung wie HANA und SAP CRM, welche in Südasien programmiert werden, ist der Umsatz des Unternehmens im Durschnitt stark gestiegen)

Wie arbeiten Unternehmen mit dem Subkontinent zusammen?

Es gibt derzeit unterschiedliche Modelle.

Es gibt verschiedene Arten mit Unternehmen von dort zu arbeiten.

Internetagenturen und kleinere IT Dienstleister setzen meistens auf eine Art Wasserfall Modell, in welchem komplette Teilprojekte nach Indien ausgelagert werden.

Für kleinere bis mittelgrosse IT Consulting Firmen ist jedoch das sogenannte Dedicated IT Staffing interessant, in welchem Entwickler Vollzeit, die Teams in den jeweiligen Ländern erweitern.

Agile ist besonders interessant für IT Abteilungen mittelständischer Unternehmen und Konzernen. Es gibt professionelle Teams in Südasien, die dabei unterstützen.

In der Schweiz war es auch lange ein Trend, dass die “Inder in die Firma” kamen. Dass heisst, dass die indischen Mitarbeiter in die Schweiz (besonders auffällig in Zürich, Basel und in anderen grösseren Städten) gebracht wurden, um vor Ort zu arbeiten.

Wohin geht der Trend?

Der Trend geht immer mehr dahin, dass Unternehmen einen zusätzlichen Nearshore oder Offshore Dienstleister haben, welche das Team von deren Outsourcing Standorten aus unterstützt.

Sogar Ein-Mann-Software Unternehmer machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Besonders kleine Firmen haben Schwierigkeiten passende Experten zu finden. Besonders wenn man mit Grössen wie UBS, ABB, Credite Suisse und Co. konkurrieren muss.

Inder sind meistens dankbar mit Kunden aus Europa zu arbeiten.

Best-Practice-Ansätze

Warum gibt es so viele negative Erfahrungen, wenn es um Softwareentwicklung in Indien geht?

Das liegt sicherlich auch daran, dass Anbieter meistens nach dem geringsten Preis oder Stundensatz ausgewählt werden.

Erfolgreiche Projekte handeln jedoch meistens von langfristiger Zusammenarbeit und Transparenz. Da besonders indische Entwickler und auch Manager ungerne “Nein” sagen, ist es keine gute Idee die Leute zu etwas zu drängen.

Meistens kann man nach Lösungsansätzen fragen und man wird in den meisten Fällen gute Umsetzungsmöglichkeiten finden.

Sind indische IT Experten langsamer?

Ein weiteres Argument, welches man öfter hört ist “indische Programmierer sind langsamer”. Ob das stimmt kann jedoch bezweifelt werden.

Oftmals werden utopische Anforderungen gestellt, die dann ohne wenn und aber vom IT Mitarbeiter auf dem Subkontinent umgesetzt werden, um dann am Ende festzustellen, dass der vom Mitarbeiter initial vorgeschlagene Weg der bessere gewesen wäre.

Wichtig ist zudem, dass man bei sich intern im Team einen Coder hat, welcher die Code-Qualität aus Südasien bewerten kann und auch als ständiger Ansprechpartner (Projektleiter) zur Verfügung steht. Der Projektmanager und die Kontaktperson können jedoch auch unterschiedliche Personen sein.

Die Zusammenarbeit im Waterfall oder Agile Modell kann funktionieren, es darf jedoch nicht zur “Black-Box” werden, in welcher Resultate erst nach Monaten geliefert werden, wenn man dann feststellen muss, dass es gar nicht das ist, was man wollte.

Bei dem Dedicated IT Staffing Modell hat man hier zum Beispiel den Vorteil, dass man jederzeit mit dem IT Experten in Kontakt ist.

Welche Standorte gibt es?

Wichtige Standorte sind natürlich Bangalore und Pune. Aber auch Neu Delhi, Ahmedabad, Chennai (ehemals Madras), Mumbai (ehemals Bombay) sind spannend.

Im Trend liegen auch kleinere Städte wie Cochin oder Trivandrum in Kerala, wo die Lebensqualität (weniger Stau, relativ bessere Luft, etc.) höher ist.

Fazit

Softwareentwicklung in Südasien ist eine gute Möglichkeit, IT Dienstleistungen zu beziehen. Grosse Unternehmen wie Tata Consultancy Services und Infosys haben gezeigt, dass auch grössere Engagements möglich sind und das auch erfolgreich.

Immer noch gibt es Stimmen die Zweifel hervorbringen, besonders wenn wieder mal von einer Standortverlagerung die Sprache ist. Dabei profitiert besonders die Schweiz von Firmen die ins Land kommen. Für Google beispielsweise ist Zürich bereits heute einer der wichtigsten Entwickungsstandorte ausserhalb der USA.

Was sind Eure Meinungen und Erfahrungen. Wie sehr Ihr das IT Outsourcing auf den Subkontinent? Welche positiven oder negative Erlebnisse hattet Ihr?



Autor: Sascha Thattil interessiert sich für Blogging, WordPress und Outsourcing. Er ist Geschäftsführer bei YUHIRO, einem Unternehmen dass Softwareentwickler in deren Niederlassung in Kochi, Indien für Agenturen, IT Dienstleister und IT Abteilungen bereitstellt.


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