Sketch-Notes auf dem iPad

Komplexe Gedanken und Modelle lassen sich oft einfacher zeichnen als beschreiben. Zeichnungen helfen, Worte zu verstehen. Diese Erkenntnis ist mit iPad, Pencil und der richtigen App fast so einfach umzusetzen wie mit Bleistift und Papier. Mit einigen entscheidenden Vorteilen!

Kindheitserinnerungen

Eine meiner Kindheitserinnerungen ist das «Spielhaus», eine Kindersendung, die damals im Schweizer Fernsehen lief. Da gab es das Segment «Scapa zeichnet mit Kindern». Das Prinzip der Sendung war so einfach wie faszinierend: Der Künstler Ted Scapa stand in einem Studio vor einer riesigen Papierwand und zeichnete. Dazu erzählte er Geschichten. Kinder im Studio halfen ihm, die Geschichten auszuschmücken. Und Scapa zeichnete. Mit einfachen schwarzen Strichen füllten sich die Papierwände. Es entstanden Giraffen mit laaaaangen Hälsen, Blumen mit den sonderbarsten Blüten, Knubbelmännchen mit riesigen Nasen. Der regelmässige Höhepunkt jeder Sendung: am Schluss schnippte Scapa mit den Fingern und aus den Schwarzweiss-Zeichnungen wurden mit einem Schlag farbige Bilder, die in ihrer Üppigkeit die damaligen Farbfernseher schier explodieren liessen.

Das war meine erste Berührung mit der Erkenntnis, dass Worte durch einfache Zeichnungen fassbarer werden. Zweite Erkenntnis: das was Scapa da im Spielhaus macht, kann ich auch. Nicht ganz so gut wie er und immer etwas krakelig. Aber es geht.

Als Erwachsener im Berufsleben kam ich dann zu den Sketchnotes. Zu jener Methode, bei der man Gesprochenes in einfachen Zeichnungen protokolliert oder dem Gesprochenen durch einfache Skizzen mehr Ausdruckskraft verleiht.

Und dann kam das iPad. Und der Apple Pencil. Und seither ist klar: Sketchnoting ist eine gewinnbringende Methode und mit meinem Tablet habe ich die Zeichenfläche immer zur Hand. Und seit einiger Zeit gibt es auch eine wirklich ausgezeichnete App, in der das Zeichnen bestens von der Hand geht: Concepts

Concepts – die einfache Profi-App

Concepts ist eine App, die es schafft, Profi-Werkzeuge in eine einfache Bedienoberfläche zu packen, die optimal auf das iPad abgestimmt ist. Zentrales Element ist ein Werkeug-Rad, in dem man einige Lieblingswerkzeuge definiert. Vom weichen Pinsel über den Bleistift bis zur Airbrush-Pistole stehen alle wichtigen Werkzeuge zur Auswahl, Stiftdicke, -glätte und Deckkraft können individuell eingestellt und gespeichert werden.

Farben werden über einfache Paletten ausgewählt, bei Bedarf stellt einem ein beeindruckendes Farbrad aber alle Optionen zur Verfügung.

Zweites wichtiges Element in Concepts sind die Ebenen. Wie in Photoshop gewohnt kann man Ebenen übereinanderlegen und somit mehrlagige Zeichnungen anfertigen. So lassen sich erste Skizzen anfertigen, während die Reinzeichnung dann auf einer zweiten Ebene passiert.

Meine Tipps

Für das Sketchnoting habe ich mir folgende Standard-Werkzeuge eingerichtet:

  1. Je ein Filzstift mit dünner, mittlerer und dicker Spitze: damit kann ich Konturen malen. Der Filzstift hat einen kalligrafischen Strich, reagiert also auf Schnelligkeit und Druck, den ich mit meinem Pencil ausübe.
  2. ein Airbrush-Stift, mit dem ich die Konturen schnell und einfach mit akzentuieren kann. Sketchnotes leben von einfachen Strichen, die mit einigen grauen Schattierungen sofort sehr attraktiv aussehen. Genau das erreicht man mit dem Airbrusher – am einfachsten auf einer separaten Ebene.
  3. Ebenfalls wichtig für Akzente: ein breiter Markierungsstift. Dieser hat eine ähnliche Funktion wie der Airbrush, akzentuiert aber markanter.
  4. Ganz wichtig: ein weicher Bleistift, mit dem ich manche Skizzen erst einmal grob skizziere, bevor ich sie auf einer separaten Ebene reinzeichne
  5. Nicht fehlen darf selbstverständlich ein Radiergummi, um schnell mal einen Strich zu löschen.
  6. Ebenfalls in meinem Werkzeugkasten befindet sich das Textwerkzeug, mit dem ich meine Skizzen bei Bedarf auch beschriften kann. Leider lässt es Concepts noch nicht zu, selbst eine Schriftart zu wählen. Dieses Feature ist aber für später versprochen.
  7. Natürlich hat mein Werkzeugkasten auch noch je einen Undo- und Redo-Button. Das kann man zwar auch per Fingertipp auslösen, aber manchmal gehts über den Button genauso schnell.

Digitale Vorteile

Der Vorteil der digitalen Zeichnung gegenüber dem Papier liegt ganz klar in ihrer Wiederverwendbarkeit. Ich kann meine Skizzen direkt aus der App in jedes gewünschte Format (z.B. PSD) bringen und sie dann in höchster Qualität in Photoshop weiterverarbeiten, in Word einbinden oder in PowerPoint verwenden.

Ein weiterer Vorteil: Infinite Paper. Fast wie bei Scapa im Spielhaus steht mir eine unendliche Zeichenfläche zur Verfügung, die ich mit meinem Fingern einfach zurechtschiebe und so ausrichte, wie ich es grad brauche. Ich kann in Details reinzoomen oder für mehr Übersicht rauszoomen. Mein iPad ist quasi das Fenster auf diese unendlich grosse Zeichenwand.

Und schliesslich: Wieviele Stifte und Malkasten müsste ich dabei haben, um all diese verschiedenen Werkzeuge von Concepts in Real zu benutzen. In der App schalte ich mit einem Fingertipp vom Bleistift zum Airbrush.

Dazu habe ich unendlich viele Farben zur Verfügung und kann die Charakteristik jedes Pinsels individuell einstellen. Ich kann mir meine Farbpaletten zusammenstellen oder mir von Concepts automatisch welche generieren lassen.

Grösster Vorteil – jedenfalls für mich: die Undo-Funktion. Wie gesagt, ich bin kein Profizeichner. Ich brauche meist mehrere Anläufe, bis die Figur sitzt. Und so bin ich um die Undo-Funktion in Concepts froh. Ich tippe einfach mit zwei Fingern aufs iPad uns schon erhalte ich eine zweite Chance. Mein Fehlversuch von vorher verschwindet augenblicklich und spurlos. Toll.

Zum Schluss

Zeichnen kann jeder. Man muss sich nur trauen und etwas üben. Mein Rat: einfach selbstsicher und herzhaft loslegen! Sketchnotes leben gerade vom etwas krakeligen Charme. Genau das bleibt im Hirn haften.

Mit dem iPad und Concepts kann man zudem überall zeichnen und üben: im Tram, im Park, am Schreibtisch… Einfach mal zwischendurch eine kreative Pause einlegen.

Ein Tipp noch für Windows-Anwender: ein Surface-Tablet mit Stift und der Zeichenmodus von OneNote ist mit ein paar Einschränkungen genauso geeignet für Sketchnoting wie die iPad-Pencil-Kombo von Apple.

Wie gefiel dir dieser Beitrag?
Please wait...
Fragen oder Anregungen?
Zu den Kommentaren (2)
Passende Themen
Kommentare (2)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Patrick Angst vor 2 Wochen

    Lieber Roman. Besten Dank für den Tipp!
    Bisher habe ich auf dem iPad einige Sachen ausprobiert, um das Tablet endlich als Ersatz für meine Skizzenbücher zu verwenden. Allerdings bin ich immer wieder auf Papier und Bleistift zurückgekehrt. Für mich entstehen Ideen noch immer auf diese klassische Art und Weise. Als Ergänzung probiere ich aber jetzt die von Dir vorgeschlagene App mal aus und bin gespannt darauf.
    Kreative Grüsse
    Patrick Angst

    Please wait...
    • Erich vor 2 Wochen

      Mir gehts genauso. Dazu gefällts auch meinen Kunden, wenn bei der Präsentation ersichtlich ist, dass da ausgiebig im Notizbuch ausprobiert und immer wieder weitere Ideen ausprobiert wurden. Beim Screenshot ist es cleaner, fertiger und kommt oft als gegeben beim Gegenüber an.

      Please wait...