Endlich: Effiziente Korrektur-Runden direkt in InDesign.

InDesign 15.1 bringt mit «Review» eine längst überfällige Erweiterung, die uns Layoutern viel Zeit sparen wird. Die Person, die das Dokument korrigiert, braucht selber weder InDesign noch Acrobat.

Obwohl zentral im Workflow, ist der Korrekturprozess beim Erstellen von Layouts in InDesign bis anhin sehr umständlich (Acrobat) und unpräzis (Kunde): Man schreibt PDFs aus InDesign, der Kunde sendet seine Korrekturen als Notizen in Acrobat oder – die Mehrheit unserer Kunden – als mehr oder weniger lesbare Handnotizen auf Scans zurück.

Eine etwas fortgeschrittenere Art des Korrekturlaufs bietet die Freigabe von PDFs aus Acrobat. Damit können gleich mehrere Empfänger am selben Dokument Korrekturen anfügen. Gut gedacht, aber zu kompliziert umgesetzt. Hinzu kommen Synchronisationsprobleme und verspätete Benachrichtigungen. Diesen Korrekturprozess einem Kunden schmackhaft zu machen, war schwierig.

Korrekturprozess direkt aus InDesign

Nun bietet Adobe einen neuen, einfacheren Ansatz für diese grundlegende und wichtige Arbeit im Layoutprozess. Ohne erst ein PDF schreiben, versenden und wieder importieren zu müssen, startet man direkt aus InDesign den Review-Prozess.

Dazu gibt’s neu einen «Freigeben»-Button auf dem Anwendungsrahmen oben rechts, eine neue Palette «Review» und einen neuen Menüpunkt «fürs Review freigeben» im Datei-Menü. Durch Aktivieren des Arbeitsbereichs «Überprüfen» werden der Freigeben-Button und das Fenster «Review» eingeblendet. Der Freigeben-Button vereint praktischerweise noch weitere, bekannte Freigabe-Funktionen.


Der Review-Prozess ist weitgehend selbsterklärend. Man gibt dem Dokument einen Titel, wählt die Empfängerinnen und Empfänger aus und sendet diesen direkt aus InDesign eine Einladung zum Review.

Bitte beachte: Man kann persönliche Einladungen per Mail senden oder einen öffentlichen Link mit Passwort.

Persönliche Einladungen machen dann Sinn, wenn der/die Empfänger/in eine Adobe ID besitzt. Mit einer persönlichen Einladung kann man sich nicht mehr als Gast registrieren, sondern muss sich mit seiner Adobe ID anmelden. Wer keine hat, muss erst eine Adobe ID erstellen. Hier schafft Adobe eine unnötige Hürde.

Einfacher ist es, den Zugang öffentlich zu wählen und ein Passwort zu setzen. Achtung: dieses muss aber den Empfängern noch zusätzlich separat mitgeteilt werden!


Review im Webbrowser

Im Mail führt ein Link zum Dokument. Bevor das Dokument angezeigt werden kann, muss man entweder das Kennwort (siehe vorher, öffentlicher Zugang mit Kennwort) eingeben oder sich mit der Adobe ID anmelden.


Wenn man es bis zum Dokument geschafft hat, wird dieses nun im Webbrowser angezeigt – nicht etwa in Acrobat. Es sieht dabei sehr acrobatmässig aus, nur viel aufgeräumter.

Im Moment gibt es lediglich 2 Markierungsmöglichkeiten: Mit einer Pin-Nadel wird eine Stelle im Dokument präzis markiert. Oder man bezeichnet mit einer Linie einen Bereich. Dazu lässt sich jeweils ein Kommentar erfassen. Dieser wird umgehend mit dem Originaldokument synchronisiert!

Sobald ein Kommentar eingegen wird, wird dieser mit dem eigenen Namen versehen und gespeichert. Wer sich bis jetzt nicht registriert hat (öffentlicher Zugang mit Passwort), der erhält jetzt die Aufforderung dazu. In diesem Fall nun kann man sich auch einfach als Gast anmelden. Es ist natürlich wichtig, dass die Kommentare einer Person zugeordnet werden können, deshalb ist die Angabe des Namens zwingend.



Zeitgleich in InDesign

Wir sehen in unserem InDesign-Dokument im Review-Fenster die Korrekturen praktisch in Echtzeit eintreffend. Wie schon beim Abarbeiten von Notizen in Acrobat, kann man so Punkt für Punkt prüfen und erledigen. Sehr hilfreich ist, dass man die Feedbacks filtern kann, etwa nach Autor/in oder Datum/Zeit.

Falls Du nicht siehst, WO im Dokument die Pin-Nadeln gesetzt sind, musst Du in die «Normalansicht» von InDesign wechseln. In der Vorschau-Ansicht werden die Pins und Markierungen ebenso ausgeblendet wie z.B. Hilfslinien.

Wenn alles aktualisiert ist, kann die neue Fassung ganz einfach wieder an die Reviewer synchronisiert werden, indem der Review-Link aktualisiert wird. Der Reviewer muss lediglich sein Browserfenster neu laden, um die Änderungen zu sehen.



Gut zu wissen:

1)  Die Reviews gehören immer nur zu einem Dokument. Du kannst das Dokument jederzeit speichern und später an den Reviews weiterarbeiten. Wenn Du aber eine Folgeversion des Dokuments erstellst und es entsprechend anders benamst, dann sind alle Reviews weg.

2) Ein Dokument, das Reviews enthält, kann auch von anderen InDesignern bearbeitet werden. Sie können die Reviews aber nur sehen, wenn sie beim Review-Prozess eingeladen worden sind. Ansonsten haben sie keinen Zugriff auf Kommentare.

Fazit:

Dass der Korrekturprozess in InDesign integriert ist, spart viel Zeit gegenüber dem traditionellen Korrekturprozess. Die Person, die das Dokument korrigiert, braucht selber weder InDesign noch Acrobat!

Das Tool ist zur Zeit noch sehr einfach gehalten, dafür ist es übersichtlich und verständlich. Für künftige Versionen sind weitere Markierungs- und Kommentarmöglichkeiten angekündigt.

Wenn die Benutzerführung (v.a. Login für Reviewer) noch etwas vereinfacht wird, dann kann man diesen Review-Prozess seinen Kundinnen und Kunden zumuten. Es könnte der neue Standard für den Korrekturprozess werden. Unbedingt ausprobieren!


Keine Beiträge verpassen?


War dieser Artikel hilfreich?
Please wait...
Fragen oder Anregungen?
Zu den Kommentaren ( 7 )
Passende Themen
Kommentare (7)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Nott vor 1 Monat

    Ich habe mich sehr auf das Feature gefreut und teste seit zwei Wochen. Es ist eigentlich toll, weil man die Kommentare im Indesign in einem Fenster direkt sieht. Die Kunden finden es auch klasse.
    Was aber wirklich nervt ist die instabile Verlinkung. Das Review Fenster im Indesign bleibt weiss ohne Inhalt. Dann muss man komplett alles schliessen, muss sich von der Creative Cloud abmelden, alle offenen Browserfenster schliessen, in denen noch Reviews offen sind. Dann alles von vorne (anmelden bei Adobe, oeffnen der Dokumente in Indesign, Browser wiederherstellen). Erst dann konnte der Link wiederhergestellt und aktualisiert werden, weil das Review Fenster wieder Inhalt angezeigt hatte. Das war vor dem update, welches gleich hinterhergeschoben wurde, noch schlimmer.
    Wenn meine Kunden es nicht schon so gut faenden, wuerde ich es nicht mehr benutzen, bis es stabiler laeuft. Fuer mich ist es im Moment leider nur Mehraufwand und nervig.

    Please wait...
  2. René vor 1 Monat

    Wird für mich als Büchermacher mit extrem hohen Textanteil erst dann relevant, wenn Textkorrekturen zumindest wie in Acrobat oder InCopy möglich sind. Su rudimentär wie jetzt ist es ein spannender Anfang aber noch weit entfernt von dem etwas komplizierterem PDF-Kommentare-und-E-Mail-Prozess.

    Please wait...
  3. Matthias vor 1 Monat

    Ich finde nach wie vor eine Mail mit Erläuterungen und dem angehängten PDF am einfachsten. Jeder hat Acrobat Reader. Und wir benutzen die Textkommentarfunktionen. Text löschen. Text ersetzen. Text hinzufügen. Diese lassen sich ja automatisch ins InDesign-Dokument übertragen. Teilweise SEHR zeitsparend. Wenn die Kunden nicht dann doch noch irgendeinen Kommentar dazu schreiben und nicht nur das zu ersetzende Wort. Also das für den Kunden/Reviewer/Autor noch intuitiver zu machen und die Textkommentarwerkzeuge in den neuen Freigabeprozess zu integrieren wäre essenziell, damit das vom Reviewer angenommen wird. Den gewohnten E-Mail-Kommunikationsprozess mit einem „echten“ angehängten PDF zu ersetzen. Das wird die Kunst.

    Please wait...
    • Jörg vor 1 Monat

      Ist eine Textübernahme aus den Kommentaren geplant?
      Weiß jemand mehr?

      Please wait...
  4. D. Truninger vor 2 Monaten

    Sehr cool, danke für den umfangreichen Tipp – endlich auf dem richtigen Weg, Adobe 👍🏻

    Please wait...
  5. Chajm vor 2 Monaten

    Wie schaut es da mit Büchern aus? Also InDesign-Büchern?

    Please wait...
    • Thorsten Hamann vor 1 Monat

      Die bestehen aus einzelnen Dokumenten, in die man Korrekturen schreiben kann. Das Buch selbst ist ja nur eine Klammer.

      Please wait...