New Work: Schöne neue Arbeitswelt

Wir alle sprechen über die Arbeitswelt 4.0 und das ist toll. Es reicht nur nicht. Die neue digitale Infrastruktur ist wunderbar, sie nützt nur nichts, wenn sich unsere Einstellung nicht ändert und wir im gleichen Trott des letzten Jahrhunderts weiter machen. Zu der Arbeitswelt 4.0 gehört deshalb auch ein weiterer Begriff: «New Work».

Was ist «New Work»?

«New Work» zu Deutsch «neue Arbeit» ist gar nicht so neu. Das Konzept kommt vom österreichisch-amerikanischen Soziologen und Philosophen Frithjof Bergmann und stammt aus den späten 70ern und frühen 80ern. Damals hat er sich die Arbeitswelt in Amerika, die vollständig industrialisiert war, angeschaut und festgestellt, dass etwas gründlich schief lief. Er sah Menschen, die als Mittel zum Zweck eingesetzt wurden. Nämlich dazu, um in einer Fabrik ein Produkt herzustellen. Er propagierte daraufhin eine Mittel-Zweck-Umkehrung. Er sagte, dass Menschen nicht das Mittel zur Arbeit sein sollten sondern die Arbeit das Mittel für den Menschen. Ein Mittel um sich selber zu verwirklichen und weiterzuentwickeln. Eine Arbeit soll sinnstiftend sein und einen erfüllen. Sie sollte einen aber nicht vom Leben abhalten. Er regte an, dass man den Begriff «Freiheit» völlig neu definieren müsse.

In der Digitalisierung geht es nicht nur um neue Technologien sondern auch darum, was der Mensch überhaupt will. Als Beispiel: Heute ist es problemlos möglich, Geschäftsmails auf dem Smartphone und Zuhause abzurufen (Arbeitswelt 4.0). Eine andere Frage ist: Will das die Angestellte oder der Angestellte überhaupt? «New Work» dreht sich also auch darum, wie man arbeiten will. Sie soll einem eine klare Wahl lassen, was man wie, wo und auf welche Art tun will.

Die Digitalisierung ist nicht reine Technologie

Die Digitalisierung hat mehrere Komponenten. Zum einen eine Technologische und zum anderen eine Gesellschaftliche. Die technische Komponente ist mehr oder weniger abgeschlossen. Die Infrastrukturen stehen und die Geräte sind vorhanden. Auch funktioniert unsere Welt bestmöglich digital. Gesellschaftlich sind wir leider noch nirgends. In ganz vielen Köpfen existiert immer noch eine klare Trennung von «Arbeit» und «Freizeit». Wenn man liebt, was man tut, ist diese Trennung meiner Meinung nach gar nicht mehr möglich. Als Beispiel: Ich liebe es, mich mit Dingen wie Publishing, Adobe Creativ Cloud, Technologie, modernen Arbeits- oder treffender Lebensmodellen und Innovation auseinanderzusetzen. Das mache ich 17/7 (7 Stunden gönne ich mir in der Nacht) und ich verflechte es mit meinen anderen alltäglichen Dingen wie Familie, Freunde und Hobbys. Es gibt kein «Arbeits- und Privatleben» sondern nur «Leben». Viele Menschen gehen Arbeiten und «pausieren» ihr Leben für acht Stunden. Simea Ulrich hat dazu ebenfalls einen wunderbaren Text verfasst bezogen auf die Generation Y. Das ist etwas was man meiner Meinung nach nur macht, wenn man zwar einen Job aber keine Berufung hat. Der Spruch: «Wenn du machst, was du liebst, arbeitest du keinen Tag in deinem Leben», kommt nicht von ungefähr.

«New Work» hat also viel damit zu tun, wie wir uns unser Leben und dessen Inhalt vorstellen. Wir benötigen das Verständnis, dass wir eine Lernfähigkeit entwickeln müssen. Dabei geht es nicht darum einen gewissen Wissenskatalog in seinen Schädel zu hämmern, sondern zu begreifen, dass sich alles im Wandel befindet und wir uns täglich auf neue Situationen einstellen müssen.

Auch Firmen müssen umdenken

In dieser ganzen Transformation muss sich aber vor allem eine Partei ganz stark ändern: der Arbeitgeber. Häufig scheitert der New Work-Gedanke daran, dass sich der Arbeitgeber zwar die Modernisierung wünscht, sich aber nicht von seinen alten Arbeitsmodellen verabschieden kann. Er will also zum Beispiel autonome und flexible Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, definiert aber die Arbeitsbedingungen und den Rahmen, in dem das alles vonstattengehen soll nicht neu. Wenn man aber eine neue Arbeitswelt schaffen will, muss man auch neue Rahmenbedingungen setzen.

Unternehmen müssen begreifen, dass sie sich wandeln müssen. Von einem reinen Arbeitsplatz hin zu einem Erlebnis- und Lernraum. Das Geschäft ist zukünftig nicht mehr der Ort an dem Arbeit verrichtet wird, sondern wo man gemeinsam lernt, Wissen aufbaut und weitergibt und wo man Kontakte pflegt. Die Arbeit verrichten wir sowieso vermehrt nicht mehr im Unternehmen, sondern von remoten Standorten aus. Gemeinsames Lernen wird zentral und auch über die Geschäftsstrukturen hinaus wichtig. Wir sind heute an einem Punkt, an dem Wissen mehr wird, wenn man es teilt. Diese Erkenntnis und eine permanente Lernfähigkeit macht in Zukunft den Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und Unternehmen und weniger erfolgreichen.

Und jetzt?

Während viele Firmen versuchen, die Arbeitswelt 4.0 einzuführen, versäumen sie es im gleichen Atemzug, über «New Work» zu sprechen. Das eine gibt es aber ohne das andere nicht. Digitalisierung ist nicht nur ein technischer Prozess, sondern eine wichtige Kommunikationsaufgabe, die eine Firma nach innen zu den Mitarbeitern tragen muss. Dabei muss jede Firma für sich den richtigen Weg finden. «One size fits all» funktioniert in dem Prozess nicht. Neue Wege gehen heisst auch, zu scheitern. Scheitern heisst zurück an den Anfang und nochmals starten. Das Ganze ist kein gerader Weg, sondern oft ein hin und her, vor und zurück. Firmen müssen ihr Verständnis von «Führungskraft» neu definieren.

Auch scheinen einige Arbeitnehmer noch nicht begriffen zu haben, dass man nicht einfach im selben Trott weitermachen kann wie die letzten zwanzig Jahre. Eine Branche im Wandel braucht permanente Anpassung. Permanente Anpassung braucht Leidenschaft und Herzblut. Herzblut kann man nur geben, wenn man liebt was man tut und lieben, was man tut, kann man nur, wenn man weiss was man vom Leben will. Nehmen wir die Diskussion über «New Work» also auch zum Anlass, uns ernsthaft zu fragen, was wir wollen und ob wir es dort wo wir im Moment stehen, auch bekommen.


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  1. Dana vor 3 Wochen

    Ich finde, es ist Zeit für eine (neue) Arbeiter-Revolution. Aber dafür muss natürlich erstmal jemand kapieren (wollen), dass das Zeitalter der Digitalisierung uns meilenweit vorausgeschritten ist und wir in einer Welt leben, in die wir nicht mehr reinpassen. Diese (Arbeits-)Strukturen der Industrialisierung müssen aufgebrochen werden, und zwar komplett.

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