Meine Goldnuggets aus dem Silicon Valley

Ein Nest mir goldenen Eiern.

Die letzten zwei Wochen haben mich geprägt. Weil ich eine Kultur erlebt habe, von der ich bisher nur wenig kannte. Die Kultur im Silicon Valley. Wir hatten das Vorrecht, die richtig grossen Player zu besuchen. Google, LinkedIn, Adobe und Intel sind nur ein paar davon.

Die Reise war für mich stark zweipolig. Einerseits sind da die riesigen Konzerne mit beeindruckenden Geschichten. Die Firmenkulturen, die überzeugen und so anders sind als wir sie in Europa kennen. Andererseits sind da die Obdachlosen. Leute, die nicht so ins Bild passen. Fressen oder gefressen werden.

Ich weiss, dass auch im Silicon Valley nicht alles Gold ist, was glänzt. Ich nehme trotzdem viel mit. Kleine Goldnuggets. Irgendwo aufgegriffen und wertvoll.

#1 // Expect Change

Nicole, Mitarbeiterin bei Google hat beim Mittagessen über Ziele gesprochen. Und, dass sie nur kurzfristig Ziele setzen. Weil sie überrascht seien, wenn sich nichts ändert. Sie und ihr Team erwarten also schon ganz selbstverständlich, dass Veränderungen kommen.

Hierzu gehört noch ein zweiter Aspekt. Mir ist mehrmals aufgefallen, dass «Change» fast immer in einem positiven Zusammenhang verwendet wird. Sich herauswagen und etwas Neues entdecken, das bereitet Freude.

#2 // Fail.

Die Fehlerkultur ist grundlegend anders im Silicon Valley. Ein Spruch, der in meinem Tagebuch steht:

Fail early, fail often, fail cheap. Succeed sooner.

Scheitere früh, scheitere häufig, scheitere billig. Habe schneller Erfolg.

Neues lernen ist zentral für innovative Firmen. Und wer etwas bauen will, was es noch nicht gibt, wird irgendwo scheitern. Das ist normal. Und das ist gut.

#3 // Old is dangerous!

Was ist denn für eine Firma gefährlicher?

Corporate

We shouldn’t do something new. That’s too dangerous.

Wir sollten nichts Neues machen. Das ist zu gefährlich.

Startup

We shouldn’t do something old. That’s too dangerous.

Wir sollten nichts Altes machen. Das ist zu gefährlich.

Was alt ist, das hat schon gedient. Und es hat schon Kunden. Und vielleicht ist es festgefahren. Wir müssen etwas finden, was uns von den anderen abhebt, etwas bisher Unbekanntes!

#4 // Exchange Progress

Die grossen Firmen wie Amazon, Facebook und Co. organisieren regelmässige Meetups und laden alle Interessierten ein. Dort erzählen die Mitarbeiter, woran sie gerade arbeiten. Das erzählte Wes von Clickup (hier geht’s zum ganzen Interview).

Also nicht erst, wenn sie etwas erreicht haben. Das hat einen einfachen Grund: Wenn man in einer Gruppe über ein Projekt austauscht, multipliziert sich der Fortschritt. Die Firmen im Silicon Valley haben das erkannt. Eigenbrödler sind langsamer als die, die teilen.

#5 // Soft-Skills vor Hard-Skills

Bei Google haben wir auch über den Bewerbungsprozess gesprochen. Titel, Prüfungen und Abschlüsse spielen dort keine Rolle. Der Bewerbungsprozess läuft zwischen vier und sieben Monaten. Dem Bewerber oder der Bewerberin wird ein Problem vorgelegt, das gelöst werden muss. Bewertet wird nun die Arbeitsweise.

  • Traut er sich an ein neues Problem, auch wenn er keine Ahnung vom Thema hat?
  • Weiss sie, wie sie sich Wissen selber aneignet?
  • Eignet sich die Person für Teamarbeit?

Das sind die wahren Assets. Wissen und Hard-Skills kann man sich aneigenen. Charakterschwächen sind schwerer auszubügeln.

#6 // But, why?

Bei Tesla in der Fabrik gibt es ein Programm, wo die Arbeiter Mängel in der Sicherheit oder Produktivität melden und selber beheben können. Das wird anscheinend rege genutzt, es gibt Plakate und Schlider in der ganzen Fabrikhalle.

Wenn man LinkedIn besucht, kann man alle Angestellten fragen, weshalb sie bei LinkedIn arbeiten und was ihr Ziel ist. Und alle kennen eine Antwort.

Was ich mit diesen Beispielen sagen will: Bei diesen hoch erfolgreichen Firmen sind Werte wie «aktives Mitdenken», «Leidenschaft» und «Sinnstiftende Arbeit» nicht nur in der Geschäftsleitung verankert. Sie gehen bis in die äussersten Ecken. Alle sollen beteiligt sein.

LinkedIn nennt das «Act like an owner» (Sich verhalten wie ein Inhaber).

Was ich über mich gelernt habe

Es fällt immer einfacher und es ist immer komfortabler, im Ist-Zustand zu bleiben. Kritisieren kann man immer etwas. Aber etwas kann man nicht wegdiskutieren. Diese Firmen haben durchs Band Erfolg. Und das aus meiner Sicht liegt nicht daran, dass ihre Produkte unschlagbar sind. Ich vermute, es liegt an der Kultur. Und diese kann man beobachten und für sich das Gute herausnehmen.

Was andere Teilnehmende der CoolTour mitnehmen, siehst du hier.


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  1. Ivo vor 2 Monaten

    Act like an owner, klingt bei mir auch noch stark nach. In letzter Konsequenz bedeutet es für mich: wenn ich mir von den Mitarbeitenden Engagement und Verhalten wie von einem Eigentümer erhoffe, dann muss ich sie auch zu Miteigentümern machen.

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    • Simea vor 2 Monaten

      Hat was! 🙂

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  2. Thomas Aerni vor 2 Monaten

    Einfach beeindruckend, wie die Kultur Menschen prägt. Positiv wie negativ. Wir können viel voneinander lernen. Dafür müssen wir in den Unternehmen Raum schaffen. Danke, Haeme, für Dein Teilen. Sehr wertvoll!

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    • Thomas Aerni vor 2 Monaten

      Natürlich Simea 🤗

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    • Simea Merki vor 2 Monaten

      Stimmt. Danke Thomas!

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