Lohnt sich die „Adobe Certified Expert“-Prüfung?

Zwar hat der Hype gefühlt etwas nachgelassen, aber in Kollegenkreisen ist die „Adobe Certified Expert“-Prüfung immer wieder Thema. Lohnt sie sich, wie läuft sie ab und was muss man da eigentlich genau wissen? Ich habe die ACE-Prüfung für Photoshop im Dezember 2016 erfolgreich absolviert und gebe drum hier mal meine Erfahrungen weiter.

Lohnt sich die Prüfung?
Die wohl für viele wichtigste Frage gleich vorweg beantwortet: Ein JA, mit einem nicht unwesentlichen ABER…
Ist man gerade auf Stellensuche, dann macht sich der Hinweis auf ein ACE-Zertifikat natürlich gut in der Bewerbung. Muss sich ein Personaler zwischen zwei gleichwertigen Bewerbern entscheiden, dürfte in den meisten Fällen wohl der mit dem ACE in der Tasche das Rennen machen. Aber da Adobe ja gefühlt alle Wochen eine neue Version von Photoshop und Co. lanciert, gilt die Prüfung eben nur für die Programmversion auf der man die Prüfung absolviert hat. Somit ist sie also ziemlich schnell wieder veraltet.

Wie läuft die Prüfung ab?
In einem Testcenter, dies kann z.B. eine Schule sein, müssen innerhalb eines gewissen Zeitraums Multiple Choice Fragen am Computer beantwortet werden. Dabei müssen mindestens 60% der Antworten korrekt beantwortet werden – 3 bis 4 Schnitzer kann man sich also leisten. In meinen Fall wurden die Fragen noch auf Englisch gestellt, was ein ziemlicher Hammer war. Alle in den Jahren gelernte Begriffe und Werkzeuge musste ich mir nochmals neu antrainieren. Zum Glück gibt es nützliche Offline-Tools, die im Grunde genommen den Test simulieren.

Was muss man alles wissen?
Einfache Antwort: alles! Im Fall der Photoshop-ACE-Prüfung beinhaltet diese nicht nur Photoshop sondern auch alles zu Adobe Bridge. Und meine Güte wie das in die Tiefe ging. Da lernt man Funktionen kennen, von denen man noch nie gehört hat. Oft liest man, dass die Prüfung einfach zu bestehen ist. Ja ist sie auch, wenn man alle Antworten auf die hunderten möglichen Fragen auswendig lernt. Manche davon sind simpel, andere wieder sehr komplex. Generell ist ein tiefes Verständnis des Programms, seiner Werkzeuge und Funktionsweise gefordert. Da die Fragen jedes Mal zufällig ausgewählt werden, kann man sich auch nicht gezielt vorbereiten.

Würde ich es wieder machen?
Schwierige Frage, aber vermutlich nicht. Die Kosten waren überschaubar, aber der Aufwand enorm. Zwar hat es sich bei Bewerbungen tatsächlich positiv bemerkbar gemacht und fürs Polygrafen-Ego war es auch ganz nett, das Teil bestanden zu haben. Aber heute ist das Zertifikat eigentlich schon wieder wertlos, und ich müsste die Prüfung neu ablegen. Das wird aber nicht passieren, weil ich Prüfungen ehrlich gesagt hasse. Ausserdem hat der ACE glaube ich noch immer nicht den Stellenwert, den man sich von der Auszeichnung erhofft. Photoshop-Experte nennt sich doch heute eh jeder, der die Kamera-App auf seinem Smartphone halbwegs vernünftig bedienen kann.


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  1. Guido Köhler vor 3 Wochen

    Ich bin neben meiner Selbstständigen Arbeit als Grafiker und Illustrator noch Dozent an der ZHdK (digitale Illustration, Produktionstechnik). Dort hat mich noch nie jemand nach einem Adobe Zertifikat gefragt, es würde bei der Bewerbung auch nichts nutzen. Der Grund ist einfach: Es werden keine gestalterischen Skills geprüft und auch keine Zusammenhänge abgefragt und die Prüfinstanz ist Adobe selbst und nicht eine unabhängige Instanz. Ich wurde allerdings schon gefragt, ob ich nicht Affinity oder InkScape unterrichten könnte … das spricht Bände.

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