Kann man der Datenkrake entkommen?

Der jüngste Facebook-Skandal um Cambridge-Analytica und das Absaugen von Daten über Drittanbieter Apps, hat zu einem Aufschrei und einer neuen Diskussion über Datensammlungen und den Umgang damit geführt. Zugegeben sich 2018 darüber zu empören, dass Facebook Daten sammelt, auswertet und zu Geld macht klingt mehr als naiv. Persönlich mache ich aber oft die Erfahrung, dass immer noch viele Menschen keine Ahnung haben, was sie im Social Media eigentlich so machen. Wie sollen sie auch? Es wird einem ja nirgends beigebracht. Die Schulen hinken auch hier der Entwicklung um Jahre hinterher und viele der heutigen Eltern wurden ebenfalls ins kalte Wasser geworfen.

Nach dem Skandal ist vor dem Skandal

Bei jedem neuen Datenskandal von Facebook geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Laut wird auf Twitter, in Online-Foren oder bei Google skandiert, man solle doch sofort sein Facebook-Profil löschen. Diese Datensammlerei sei doch eine Frechheit. Wirklich umsetzen wirds dann trotzdem kaum jemand. Zugegeben diese Menschen haben das Geschäftsmodell von Social Media nicht begriffen. Es würde aber auch nichts bringen, wenn man sein Profil löscht.

Auch du hast ein Schattenprofil

Facebook sammelt Daten. Das ist nichts Neues. Was aber allenfalls nicht allen bekannt ist: Facebook sammelt auch Daten, wenn man bewusst kein Profil angelegt hat. Die sogenannten Schattenprofile werden angelegt sobald ein Facebook-Nutzer sein Adressbuch mit Facebook synchronisiert und die Datenkrake so in den Besitz von E-Mail und Telefonnummern von Menschen kommt, die allenfalls gar nicht bei ihnen angemeldet sind. Ab dem Moment verfolgt Facebook auch das Surfverhalten von Nicht-Nutzern und auch diese Daten werden an Drittanbieter weitergegeben.

Dazu kommt, dass jede Person, die sich bei einer Drittanbieter-App oder einem Game mit Facebook anmeldet unter anderem folgende Informationen seiner Freunde weitergibt:

  • Bio
  • Geburtstag
  • Familie und Beziehungsstatus
  • Interessiert an…
  • Religion und politische Ansicht
  • die eigene Webseite
  • ob man On- oder Offline ist
  • Posts auf der Timeline
  • Heimatort
  • aktueller Aufenthaltsort
  • Bildung und Arbeit
  • Aktivitäten, Interessen und Dinge die ich mag sowie
  • meine App-Aktivitäten.

Falls ihr nun denkt, dazu habe ich nie die Erlaubnis gegeben, dann irrt ihr. Ihr könnt unter https://www.facebook.com/settings?tab=applications und dann beim Menüpunkt «Apps others use» all die oben genannten Punkte an- und abwählen. Wer die Daten nicht weitergeben will, sollte alles abwählen.

Unter den Settings kann man es Facebook ein wenig schwerer machen, Daten zu sammeln.

 

Hier alles abhaken wenn man nichts weitergeben will.

Unter dem Link kann man übrigens noch mehr steuern. Sich das anzuschauen macht durchaus Sinn.

Entkommen nicht möglich

Facebook im Netz zu entkommen ist beinahe unmöglich solange man sich online bewegt. Nur das komplette Abhängen vom Netz bewahrt uns vor dem Datenhunger des sozialen Netzwerkes. Dazu kommt, dass immer mehr Nutzer die Daten für ein paar Dollar verkaufen und so wieder eine Grauzone geschaffen wird, da Facebook die Informationen «erworben» hat.

Das DSGVO wird’s schon richten

Momentan arbeitet die EU an einer neuen Datenschutz-Grundverordnung, die eben solche Dinge regeln soll. Im Fall vom Datenhandel könnte es aber eher zu einer weiteren Kommerzialisierung führen. Auch glaube ich nicht, dass die Länder ernsthaft gegen Facebook, Google und Microsoft vorgehen werden. Ob die neue Verordnung irgend etwas bringt wird sich wohl in Zukunft zeigen.

Ein spannendes Interview mit der Internetsoziologin Zeynep Tufekci könnt ihr hier lesen:

Die Diskussion wie wir in Zukunft mit persönlichen Daten im Netz umgehen wird nun endlich geführt auch wenn sie gute 10 Jahre zu spät kommt. Schauen wir, wo sie uns hinführt.

 

 


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  1. Kai Stamm vor 6 Monaten

    Aus technischer Sicht ist das Entkommen durchaus möglich und geht immer auch mit einer erhöhten Sicherheit einher. Essentiell sind Webeblocker-Plugins wie uBlock Origin (lässt sich auf dem publishingblog auch deaktivieren) und Plugins wie uMatrix, mit welchem man den besuchten Websiten Inhalte erlauben oder verbieten kann. So werden zB alle Like-Buttons von Facebook unterdrückt, die verwendet werden, um besuchte Websites zu kennen, oder die von Webung genutzten Cookies einfach blockiert, wenn diese dann überhaupt durch den Werbeblocker kommen. Und um gleich im ganzen Netzwerk und damit auch auf allen mobilen Geräten für Ordnung zu sorgen: RaspberryPi mit PiHole.

    Ein weiteres Hilfsmittel: Wenn wir davon ausgehen, dass die Daten trotzdem abgegriffen werden sollten, müssen wir die Daten so anpassen, dass sie nichts über uns verraten. Ein Pseudonym inklusive fiktiver Adresse, Geburtsdatum und Alter ist in wenigen Minuten ausgedacht und der wirksamste Schutz der Persönlichkeitsinformationen.

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    • Christian Denzler vor 6 Monaten

      Zum ersten Absatz:
      Das Stimmt natürlich. Aber geht damit nicht immer auch ein weniger komfortables Surferlebnis einher? Denn das will man ja oft nicht.

      Zum zweiten Absatz:
      Dann sehe ich den Sinn in Social Media nicht, wenn ich Fantasiefiguren erfinden muss. Die (Dritt)-Firmen sollen einfach anständig mit Daten umgehen 🤷‍♂️

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  2. Roman Schurter vor 6 Monaten

    Danke, Christian, für diesen exzellenten Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele. Diese regelmässige öffentliche (mediale) Empörung über Facebook und Co. halte ich für sehr scheinheilig. Zumal unsere hiesigen Medien für ihre Werbeschaltungen exakt das gleiche machen: Daten sammeln, was das Zeug hält.

    Wenn Facebook vom Datenleck gewusst und darüber geschwiegen hat, dann war das ein Vergehen. DASS Facebook aber Daten sammelt, kann man ihnen wohl nicht zum Vorwurf machen.

    Der eigentliche Skandal ist, dass es Firmen gibt, die diese Daten mit illegalen Mitteln aggregieren, veredeln und verkaufen (cambridge analytica ist bei weitem nicht die einzige). Und dass es Parteien, Organisationen und Regierungen gibt, die das Sammeln in Auftrag geben, die Daten kaufen und diese bewusst zu manipulativen Zwecken einsetzen.

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