Das neue InDesign CC 2019: Alle Neuerungen im Überblick

Soeben ist das grosse Jahres-Update der Adobe Creative Cloud erschienen. Dabei natürlich auch die neue Version von InDesign – InDesign CC 2019. In diesem Beitrag präsentiere ich eine „Feature-Schlacht“. Ich stelle die neuen Funktionen vor, gehe jedoch nicht auf alle Details ein. Dies werde ich in künftigen Beiträgen nachholen. Abschliessen tue ich diesen Beitrag mit einer persönlichen Einschätzung.

Fussnoten und Endnoten konvertieren

Fussnoten können jetzt zu Endnoten konvertiert werden (umgekehrt natürlich auch). Dies ist übers komplette Dokument oder nur auf die Auswahl anwendbar („Type > Convert Footnote and Endnote…“). Integriert wurde die Funktion wohl über ein Script. Denn wenn man die Konvertierung rückgängig machen will, so steht „Undo Script“. Eigentlich OK. Jedoch hätte das InDesign-Team die vom Script gemachten Schritte als einen Arbeitsgang registrieren können. Denn so, wie es jetzt integriert ist, muss man alle konvertierten Fuss-/Endnoten einzeln rückgängig machen.

Fussnoten in Tabellen

Es ist jetzt möglich, Fussnoten auch in Tabellen einzufügen. Die Fussnote wird unten im Textrahmen eingefügt, in dem auch die entsprechende Tabelle eingebunden ist.

Ausgebautes Font-Menü

Neue Filter im Font-Menü

Neu können die zuletzt geladenen Fonts angezeigt werden:

Beispieltext auswählen

Zur Vorschau der Schriftarten bietet InDesign jetzt unterschiedlichen Demotext im Fontmenü. Es ist sogar möglich, eine Textauswahl als Demotext zu verwenden. Auch die Grösse des Demotextes kann jetzt angepasst werden:

Typekit wird Adobe Fonts und ist direkt integriert

Typekit heisst jetzt „Adobe Fonts“. Etwas verwirrend, weil Adobe selber ja auch Font-Hersteller ist. Gemeint ist per sofort mit „Adobe Fonts“ das frühere Typekit und nicht ausschliesslich die von Adobe hergestellten Fonts.

In InDesign ist der Dienst „Adobe Fonts“ direkt im Font-Menü integriert. Erreichbar über den Klick auf „Find More“. Das Coole daran: Es zeigt auch Schriften an, die (noch) nicht von der Cloud synchronisiert sind!

Endlich: Schriftart im PDF-Formular selber bestimmen

Die Blütezeit der PDF-Formulare ist eindeutig vorbei. Trotzdem ist die Neuerung hier willkommen: Du kannst jetzt selber bestimmen, in welcher Schriftart in InDesign erstellte PDF-Formularfelder angezeigt werden sollen. Bis anhin war es immer die Minion Pro.

Künstliche Intelligenz bestimmt den Bildausschnitt

Darüber habe ich kürzlich schon berichtet. Die Tests mit den Beta-Versionen haben mich anfänglich nicht wirklich überzeugt. Jedoch hat das Tool in der finalen Version gründlich dazugelernt (was ja bei Crowd/Cloud-Intelligenz normal ist, die Tools werden durch die Anwendung ständig besser). Ich finde es wichtig und richtig, dass Adobe InDesign mit künstlicher Intelligenz ausbaut. Nur so lassen sich trotz schrumpfendem Markt Layouts genügend effizient herstellen.

Die neue – auf künstlicher Intelligenz basierende – Bildanpassungsoption hört auf den Namen „Content-Aware Fit“. Sie passt Bilder so an den Bildrahmen an, dass der optimale Bildausschnitt gezeigt wird.

Schade, in den „Frame Fitting Options“, wo Bildanpassungsvorgaben einem Rahmen hinterlegt werden können, fehlt das neue „Content-Aware Fit“ noch:

Kleiner Test

In meinem Testbild ist die Kuh eindeutig das wichtige Element im Bild. „Content-Aware Fit“ denkt das auch und passt den Ausschnitt entsprechend an:

In den InDesign-Voreinstellung kannst du sogar den neuen Modus zum Standard erklären:

Layouts automatisch anpassen

Die Möglichkeit, Layouts automatisch an geänderte Seitengrössen anzupassen, gab es schon in den Neunzigern in PageMaker. Adobe hat die kaum bekannte Funktion auch schon zu Beginn ins InDesign übernommen, jedoch nun komplett neu geschrieben. Leider ist auf meinem Testrechner während der Beta-Phase die „Adjust Layout“ genannte Funktion nie gelaufen. Daher kann ich auch keine Aussagen über die Praxistauglichkeit machen.

Die neue Funktion erreichst du über

  • File > Document Setup
  • File > Adjust Layout
  • Layout > Margins and Columns
  • und natürlich übers neue „Properties Panel“ (siehe weiter unten)

SVG-Fonts

InDesign CC 2019 unterstützt (wie Illustrator schon in der letzten Iteration) jetzt auch SVG-Schriften. Das sind Schriften, welche Zeichen mit den Möglichkeiten von SVG beinhalten können: Farbig, transparent, Schatten… Leider fehlt in InDesign nach wie vor die Unterstützung für Variable Fonts, welche für professionelle Typografie eine grosse Hilfe wären. Gemäss meinen Tests wandelt InDesign SVG-Schriften beim PDF-Export so um, dass damit auch gültige PDF/X-Dateien erzeugt werden können.

PDF-Kommentare importieren

InDesign kann jetzt PDF-Kommentare importieren (yeah…). Ausschliesslich importieren, es ist kein Roundtripping zwischen InDesign und Acrobat/Reader vorgesehen. InDesign liest nur Kommentare aus PDFs, welche aus dem aktuellen InDesign exportiert wurden. Dies ist technisch zu begründen: Beim PDF-Export schreibt InDesign neu IDs ins PDF, über welche die Kommentare später im InDesign-Layout an der richtigen Stelle angezeigt werden können.

Die Kommentare in Adobe Acrobat.

Das neue Panel „PDF Comments“

Das neue Panel ist unter „Window > PDF Comments“ prominent platziert. Der Workflow ist einfach. Übers Panel-Menü kann das PDF importiert werden. Danach werden die Kommentare aus dem PDF im Panel angezeigt. Text-Kommentare können auch gleich im InDesign-Layout angewendet werden:

Properties Panel

Kontext-abhängige Panels sind sehr wichtig, um die Bedienung der Software so einfach wie möglich zu halten. Was bringen sichtbare Werkzeuge, wenn sie im aktuellen Kontext gar nicht gebraucht werden? Genau so denkt das neue „Properties Panel“ („Windows > Properties“). Es soll vor allem Leuten ohne viel InDesign-Erfahrung den Alltag vereinfachen. Die Idee ist einfach: Ist im Layout nichts ausgewählt, können im „Properties Panel“ Eigenschaften des Dokumentes eingestellt werden (eben zum Beispiel das neue „Layout Adjust“). Ist was ausgewählt, erscheinen im Properties Panel die wichtigsten Tools, um das ausgewählte Objekt zu bearbeiten.

Abstand zwischen Absätzen des gleichem Formats

„Space Before“ und „Space After“ sind bekannt: Sie fügen Raum vor, beziehungsweise nach einem Absatz ein. Neu gibt es „Space Between Paragraphs Using Same Style“, also die Möglichkeit, den Abstand zwischen zwei Absätzen in gleichem Format separat zu definieren.

Beispiel

Dateiname übernehmen beim PDF-Export

Manchmal ist es mühsam, wenn sich der PDF-Export den Dateinamen des letzten Exports merkt. Neu kann angegeben werden, dass als Name für die exportierte PDF-Datei der Dateiname des InDesign-Dokumentes benutzt werden soll:

Die „Print Instructions“ können jetzt weggeklickt werden

Diese „Funktion“ braucht keine lange Erklärung: Beim Verpacken muss jetzt die komische Text-Datei mit den „Print Instructions“ nicht mehr zwingend erstellt werden (hat eh niemand gelesen):

InDesign merkt sich das zuletzt benutzte Exportformat

Mir passiert es regelmässig, dass ich InDesign-Dokumente zu einem falschen Format exportiere. Das sollte künftig weniger oft vorkommen. Denn InDesign merkt sich jetzt pro Dokument, zu welchem Format zuletzt exportiert wurde (war früher eine Programm-Einstellung). Das funktioniert sogar, wenn das Dokument auf einer anderen Maschine geöffnet wird.

Facelifting beim Index-Panel

Der Dialog zum Erstellen eines neuen Index-Eintrages wurde in dieser Version grosszügiger gestaltet. Zudem gibt es jetzt eine Suche über den Index:

Meine Einschätzung

Es ist schön, dass die Zusammenstellung der InDesign-Neuerungen diesmal viel Platz einnimmt. In letzter Zeit hatten wir doch eher den Eindruck, dass es rund um die InDesign-Entwicklung ruhig geworden ist. Nun gab es Neues für gestandene InDesign-Profis, und mit dem Properties-Panel wird Anfängern der Einstieg vereinfacht. Noch wichtiger scheinen mir die Wegweiser in Richtung Innovation (Content-Aware Fit und Layout Adjust). Denn ohne weitere Automation und Integration wird es immer schwieriger, Aufwände für Print-Layouts verkaufen zu können.

Gerade in Sachen „Integration“ ist InDesign jedoch noch weit entfernt von meiner Vorstellung einer Printlayout-Software im Zeitalter des Cloud Publishings. Da müsste nebst der künstlichen Intelligenz vor allem das komplette Tool im Browser laufen und um Standard-Schnittstellen wie REST/JSON ergänzt werden. Hoffen und wünschen wir weiter 🙂

Und du?

Was denkst du zum grossen InDesign-Update? Oder überhaupt zur CC 2019?


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  1. Bernd Grünewald vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    ich habe festgestellt, dass meine Scripte (Kalenderautomatisierungen) mit dem neuen Datenmodell in CC 2019 jetzt mindestens 6 mal solange brauchen, bis sie durchgelaufen sind. Hat damit noch jemand Erfahrungen gemacht. Weiß jemand, woran das liegen könnte?
    Würde mich über eine Antwort freuen.
    LG
    Bernd

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    • Haeme Ulrich vor 1 Monat

      InDesign CC 2019 hat ja einen mühsamen Bug: Sobald das Textwerkzeug benutzt wird bleibt es bis zu 40 Sekunden stehen (Bufix ist im Anflug). Ich könnte mir vorstellen, dass dies bei dir im Hintergrund abgeht, wenn du deine Scripte laufen lässt?

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    • Bernd Grünewald vor 1 Monat

      Hallo Haeme,
      danke für die schnelle Antwort. Hm, ja sowas kann sich auch auf das Skript auswirken. dann warten wir mal auf das Bugfix…
      😉

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  2. Claudia Schmidt vor 2 Monaten

    Stürzt immer wieder ab, trotz schnellem Mac und neuestem System. Wenn endlich gestartet, ist Indesign CC 2019 extrem langsam. Ich arbeite wieder auf CC 2018 … totaler Fail & eine Frechheit bei bestehenden Adobe CC Vollversion Profi Abo, so etwas Unausgereiftes als Update anzubieten!

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    • Haeme Ulrich vor 2 Monaten

      Hallo Claudia. Das tut mir leid. Wir haben „nur“ den Bug, dass der erste Klick aufs Textwerkzeug eine lange Wartezeit auslöst. Ansonsten läuft es stabiler als die Vorversion. Ich muss allerdings sagen, dass wir die alten Versionen samt Preferences deinstalliert haben und unter Windows arbeiten.

      Ich empfehle dir, deine Fehler hier zu melden: https://indesign.uservoice.com/

      Unser Fehler: https://indesign.uservoice.com/forums/601180-adobe-indesign-bugs/suggestions/35737336-problem-with-changing-the-cursor-to-text#comments

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  3. Johannes Erhazar vor 2 Monaten

    Hallo Haeme,

    ich habe gehofft, von Dir eine zeitnahe Einschätzung der neuen Funktionen zu finden…und ich wurde natürlich nicht enttäuscht 😉
    Danke!

    Ehrlich gesagt hatte ich es gar nicht auf dem Schirm, dass dieses Jahr noch ein Update kommen könnte. Um so überraschter bin ich von den enthaltenen Funktionen im Print-Umfeld. Meine Freude über die neuen Funktionen ist leider verhalten, da unser genutztes PIM-System erst einmal kompatibel sein muss.
    Bis dahin werden dann die ersten Bugs behoben sein und ich kann mich darüber freuen.

    Ich freue mich wirklich, dass Adobe die Print-Schiene nicht vergessen hat und bin gespannt, was sich in Bezug auf KI noch tut.

    Viele Grüße,
    Johannes Erhazar

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  4. Luka vor 2 Monaten

    Hallo Heame,

    danke für die gut dargestellte Übersicht der Neuerungen. Ich habe da aber noch eine spezielle Frage: Nach dem Frühjahr-InDesign-Update 2018 wurde seitens Adobe davon gesprochen, die Arbeitsgeschwindigkeit des integrierten Dudens mit dem nächsten Update deutlich zu erhöhen. Ist bekannt, was daraus geworden ist oder noch werden soll?

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    • Haeme Ulrich vor 2 Monaten

      Lieber Luka.

      Getestet habe ich das neue InDesign in Bezug auf Duden noch nicht. In der Prerelease-Mailingliste habe ich dazu auch nichts gelesen. Aber das heisst noch lange nicht, dass es nicht besser geworden ist, ich habe ja auch nur „meine Blase“ mit Infos…

      lg
      Haeme

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  5. Achim vor 2 Monaten

    Danke für den ausführlichen Bericht. Was ich vermisse, ist die Funktion wie in Quark, PDF in bearbeitbare Indesign-Dokumente zu konvertieren. Oder ist das zukünftig geplant?

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    • Haeme Ulrich vor 2 Monaten

      Hallo Achim. Das nehme ich nicht an. Weil das ging in der Beta-Version des ersten InDesigns im Jahre 1999. Dann hate Adobe das gestrichen, weil es zu wenig zuverlässig war. Aber wenn wir genügend Leute finden, die das auch wollen, dann?! Kannst gerne hier angeben: https://indesign.uservoice.com/forums/601021-adobe-indesign-feature-requests

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  6. Christian Denzler vor 2 Monaten

    Wenn man nicht automatisch produziert, ist das Importieren von PDF-Kommentaren auf jeden Fall hilfreich. Es wird wohl aber daran scheitern, dass Kundenseitig die Wenigsten wissen, wie man das Annotationswerkzeug vom Acrobat richtig verwendet.

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    • Achim vor 2 Monaten

      … wohl war. Also schlage ich mich weiter mit eingescannten Kritzeleien – die jede Menge Nachfragen mit sich bringen – herum. Was freu ich mich, wenn dann wieder mal eine Korrektur-PDF vom Lektorat kommt.

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    • tobias vor 2 Monaten

      Hier kann ich jedem nur den kostenlosen Leitfaden zum Korrigieren im PDF von Andreas Düpmann empfehlen, der übrigens auch Seminare zum digitalen Korrekturlesen – in Deutschland und der Schweiz – veranstaltet:
      https://besser-korrektur-lesen.de/leitfaden-und-video-zum-korrigieren-im-pdf/
      Damit konnte ich schon zwei Korrekturleser, die mir Korr-PDFs senden, auf die digitale Schiene bringen.

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  7. Ronald vor 2 Monaten

    Nur schade, das die neue Version ausschließlich ab Windows 10 laufen soll. Bei uns im Team sind noch viele Win7-Rechner aktiv – daher muss die ganze Abteilung auf die neuen Versionen (noch) verzichten.

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    • Thorsten Hamann vor 2 Monaten

      Das ist ein neun Jahre (!) altes Betriebssystem (heute auf den Tag genau!), das seit über siebeneinhalb Jahren nicht mehr weiterentwickelt wird. Es gab für alle Benutzer ein ganzes Jahr lang die Möglichkeit, kostenlos auf Windows 10 zu aktualisieren – auch auf die Professional- und Enterprise-Varianten, wenn man die vorher hatte.

      Ich stehe nun wirklich nicht in Verdacht, ein Microsoft-Verteidiger zu sein – ich habe Windows privat vor fast 20 Jahren rausgeworfen. Aber ich kann nichts Verwerfliches daran finden, wenn Adobe entscheidet, ein neun Jahre altes System nicht mehr zu unterstützen. (Insbesondere, wenn man sich daran erinnert, was es Adobe damals gekostet hat, dass sie den Umstieg von Carbon acht Jahre lang verschleppt haben.)

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