Ich will keine Work-Life-Balance.

Pult mit einer Tasse Kaffee, Büroklammern und einem Bleistift

Ich habe keine festen Arbeitszeiten, kann Arbeiten wann und wo ich will. Wenn ich das erzähle, höre ich manchmal: «Das ist aber sehr schlecht für die Work-Life-Balance.».

Dann stelle ich mir immer diese eine Frage: «Warum sollte ich mich acht Stunden hinsetzen, mein Leben pausieren? Und wieso sollte ich danach leben, als ob es keine Arbeit gäbe?»

Gute Frage, nicht? Ich will während der Arbeitszeit auch mal meine privaten Mails und die Handynachrichten checken. Oder mal eine längere Mittagspause machen. Und es stört mich nicht, auch mal nach 17 Uhr eine Mail zu beantworten. Trotzdem fühle ich mich weder ungesund noch unausgewogen.

Work-Life-Blend (auch Work-Life-Fusion) bedeutet nicht, andauernd Multitasking zu betreiben, das wäre ja höchst unproduktiv. Aber es bedeutet, dass im Kopf diese Grenze zwischen Arbeit und Leben nicht mehr besteht. Oder besser gesagt dieser elende Graben: Arbeit ist böse, Freizeit ist gut. Im Gegenteil. Wenn ich meinen Job liebe, dann gehört der zu meinem Leben. Ich will und kann das Leben dann nicht von der Arbeit trennen.

Das bedeutet auch nicht, dass ich dann keine Ferien mehr habe. Ich mache aber auch Ferien von meinen Hobbies wie singen und schreiben. Weil ich manchmal einfach Abstand brauche. Von allem.

Damit sind wir in der westlichen Welt sehr privilegiert. Wir können nämlich unsere Arbeitsstelle wählen. Und wir können uns überhaupt die Frage stellen, was wir machen wollen! Dafür bin ich sehr dankbar.

Also lasst uns aufhören, so zu tun als könnten wir 40 Stunden pro Woche einfach rausschneiden…

Oder wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Meinung und Denkanstösse in der Kommentarspalte!


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  1. Christian Denzler vor 5 Monaten

    Liebe Simea

    Persönlich schreibst du mir aus dem Herzen, da auch ich in der privilegierten Digital-Wirtschaft unterwegs bin. Leider sind wir aber auch in der westlichen Welt eine Minderheit. Das ist etwas, womit ich mich oft mit Gewerkschaftern unterhalte, wenn ich mich darüber beklage, dass unsere Arbeitsgesetze so unflexibel sind. Dir und mir würde die Lockerung der Gesetze entgegenkommen. Sie würde aber den Maurer, die Malerin sprich den «Büezer» hart treffen. Diese Berufe werden durch die starren Gesetze geschützt.

    Dazu kommt, dass wir alleine in der Schweiz 500’000 Working-Poor haben (mit grosser Dunkelziffer), ganz zu schweigen von den Harz 4ern in Deutschland. Das ist für ein westliches Land ein Armutszeugnis. Working-Poor dürfte es in der steinreichen Schweiz gar nicht geben. Das Problem mit diesen Gruppierungen ist, dass sie sich eben nicht aussuchen können, was sie arbeiten, sondern alles nehmen (müssen) was ihnen «hingeworfen» wird. Das ist in erster Linie ein politisches und gesellschaftliches Problem und erst dann eines des Mindsets (daran muss ich mich auch immer wieder von neuem erinnern).

    In unserer Digital-Wirtschafts-Bubble gebe ich dir aber in jedem Punkt recht und diese ewige Trennung zwischen «Leben» und «Arbeiten» ist ermüdend.

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    • Simea Merki vor 5 Monaten

      Stimmt. Was die einen in diesem Fall schützt, bremst die Anderen. Es braucht branchenspezifische Lösungen. Oder was wäre dein Ansatz?

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  2. Marc vor 5 Monaten

    Boa … ich finde es schön, wie gut es euch geht. Wirklich!

    aber

    Der Großteil der arbeitenden Menschen sind aber nicht(!) so privilegiert und arbeiten unter sehr, sehr prekären Verhältnissen. Die haben nicht mal ansatzweise die Zeit, den Nerv oder Luxus über so etwas wie ein Balance nachzudenken.

    Aber vielleicht geht es in dem Artikel auch gar nicht um diese Menschen … ist mir nur unangenehm und ein wenig überheblich aufgestoßen.

    peace

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    • Simea Merki vor 5 Monaten

      Stimmt, ich schreibe ja: „Damit sind wir in der westlichen Welt sehr privilegiert. Wir können nämlich unsere Arbeitsstelle wählen. Und wir können uns überhaupt die Frage stellen, was wir machen wollen! Dafür bin ich sehr dankbar.“

      Und du hast recht, diese Menschen gibt es. Leider en masse.
      Gleichzeitig denke ich: Das kann ich gar nicht nachvollziehen, traue ich mir nicht zu. Daher beschäftige ich mich mit dem, was ich schon beurteilen kann. Und das ist meine, total privilegierte Erstweltproblem-Umgebung.
      Aber ich denke, diese kann und darf man nicht vergleichen mit denen, die du erwähnst. Das bedeutet nicht, dass deren Probleme weniger Wert haben.

      Danke für deinen Kommentar, finde ich wichtig!

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  3. Peter Schneider vor 5 Monaten

    Passt! Ist aber natürlich auch ein Privileg, sich das so einrichten zu können. Und diejenigen, die das nicht können, weil sie zum Beispiel an einer Produktionsstrasse arbeiten, Gebäude reinigen oder Menschen pflegen, würden sich vermutlich so etwas wie Work-Life-Balance gar nicht ausdenken, oder? 😉 So, ich muss mich jetzt um mein Time-MGMT kümmern…

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  4. Peter Gantner vor 5 Monaten

    Liebe Simea, wahr gesprochen – mir geht es so wie dir und ich möchte daran auch nichts ändern. Einzig die Arbeitszeiterfassung ist nicht ganz einfach und ich vermute, dass so einige Stunden nicht rapportiert werden. Egal – Hauptsache, ich fühle mich wohl.

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  5. Marion vor 5 Monaten

    Ich stimme dir absolut zu – mir gelingt es gut, genau so zu leben. Und ja, leben heisst eben wirklich, einen Job zu haben, den man liebt. Etwas dafür tun, muss jeder und so privilegiert sind wir leider nicht alle, das zu erreichen, was uns Spass macht.

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  6. Heike Burch vor 5 Monaten

    Ich finde das Wort Balance in diesem Kontext nicht so toll – weil es suggeriert, dass wir immer alles ausgleichen sollen. Wenn das Arbeiten Spass macht, ja warum denn nicht auch mal bis in die Abendstunden?
    Wenn das wetter und die Familie oder Freunde zum draussen-sein einladen, ja, warum denn nicht mal einen halben Tag (oder länger) sich dem widmen.

    Ich glaube, dieses Balance-Wunsch-Denken kommt daher, dass es eben viele Menschen nicht schaffen, für Ausgleich zu sorgen, sprich, nur noch arbeiten oder nur noch rumhängen. Beides kann unglücklich machen, ungesund ist es auf jeden Fall.

    In beiden Varianten ist es wichtig, auf die ersten Zeichen zu achten! Und zu schauen, was kann/muss verbessert werden. Und da ist es dann wieder völlig egal, ob 9to5, 40 Stunden oder 5-Tage-Woche.

    Aber ich gebe tatsächlich zu, dass es mir zunehmend schwerer fällt, alles das zu schaffen was ich möchte, wenn zwischendurch private Nachrichten reinflattern, die Sonne lacht oder der Berg ruft. Ein wenig Struktur ist für mich persönlich wichtig und richtig – dann habe ich eben weniger Stress und fühle mich kraftvoll.
    Liebe Grüsse, Heike

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    • Simea Merki vor 5 Monaten

      Hi Heike
      Ja stimmt, ich nehme mir auch Auszeiten von Nachrichten und Ablenkungen damit ich gezielt an was arbeiten kann. Das muss natürlich sein. Hat aber für mich weniger zu tun mit Work-Life-Blend sondern eher mit Medienkompetenz…

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  7. altincicek vor 5 Monaten

    Ja, ja und ja ! Ich fühle mich privilegiert, arbeite gern (zu fast jeder Zeit) und mein Leben ist im Lot. Also meistens. Aber viel besser als zu Zeiten der 42-Stunden-Woche.

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  8. Urs vor 5 Monaten

    „Wenn ich meinen Job liebe, dann gehört der zu meinem Leben. Ich will und kann das Leben dann nicht von der Arbeit trennen.“

    Sehe ich genau so und eine Trennung wäre mittlerweile für viele auch sehr schwierig. Arbeit darf durchaus auch Spass machen 🙂

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    • Simea Merki vor 5 Monaten

      Toll 🙂

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  9. Nico Martin vor 5 Monaten

    Super Text! Geht mir genau gleich. Ich arbeite nicht um mich dann von der Arbeit zu erholen😊.

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    • Simea Merki vor 5 Monaten

      Danke!

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  10. Roman Schurter vor 5 Monaten

    Bin voll bei dir. Ich bin im Verlag zugegebenermassen etwas enger eingebunden, weil ich halt auch Ansprechpartner für viele sein muss. Aber es gibt dann wieder Tage, wo ich Off-Office mache.
    Generell steuere ich meine Tage selbst und das Wo ist dabei selten ein Kriterium. Man muss einfach eine Kultur für Videokonferenzen und für Remote-Co-Working aufbauen und die richtigen Tools nutzen.

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