Haemes Senf zu InDesign 2020

Adobe InDesign 2020 Column Rules

Alles neu macht der 4. November 2019 um 15 Uhr: Heute hat Adobe alle Desktop-Applikationen und noch viel mehr erneuert – auch Adobe InDesign 2020 ist dabei.

Ich habe diesen Artikel in zwei Bereiche unterteilt. Zuerst zeige ich euch die Neuerungen – ohne gross zu kommentieren. Weiter unten dann «Haemes Senf zur neuen Version».

Neue Funktionen und markante Verbesserungen

Ich verwende hier die englischen Bezeichnungen, weil ich seit Jahren Software und Betriebssystem in Englisch laufen lasse. Falls ihr eine deutsche Oberfläche habt, werdet ihr die entsprechenden Panels finden, sonst gerne unten im Kommentar fragen.

Rechtschreibprüfung auch rückwärts

Wenn du die Rechtschreibprüfung startest, kannst du Fehler nicht nur vorwärts suchen, neu kannst auch zurück zum letzten Fehler springen.

Freie Shortcut-Wahl in Formaten

Bis anhin waren Shortcuts für Formate nur in einer Kombination aus Sondertaste (cmd/ctr) und numerischem Zahlenblock möglich. Auf den meisten Laptops also nicht zu gebrauchen, weil der numerische Block fehlt. Das ist jetzt anders – für Formate können nun beliebige Shortcuts verwendet werden.
Was, wenn Fritzli einen Shortcut für ein Format definiert und Hansli das Dokument von Fritzli öffnet? Du musst wissen, dass Hansli denselben Shortcut bereits für eine InDesign-Programmfunktion verwendet! Die Regel ist einfach: Über «Edit > Keyboard Shortcuts» definierte Shortcuts haben immer Vorrang. Sprich, Hansli kann ganz normal weiterarbeiten, hat jedoch auf dem Format von Fritzli keinen Shortcut. Und: Bereits verwendete Shortcuts können Formaten nicht zugewiesen werden.

Wegen Plattform-Neutralität hat sich Adobe entschieden, die ctrl-Taste auf dem Mac für die Shortcuts nicht zu unterstützen. Hintergrund: Windows hat keine Taste, welche der ctrl-Taste des macOS entspricht.

SVG-Import

Jetzt, wo Flash definitiv zu Grabe getragen ist, gewinnt SVG wieder an Bedeutung. Für crossmediale Produktionen ist es toll, dass InDesign nun auch SVG- und SVGZ-Grafiken platzieren kann – und diese als Vektordaten auch wieder ausgibt (ausser beim HTML- und EPUB-Export werden die Grafiken aus Security-Gründen zu Pixel umgerechnet). SVG-Grafiken können auch über die CC Libraries importiert werden.

Leider gibt es keinen SVG-Export. Wäre eine grosse Hilfe, wenn Print-Grafiken auch im Web benutzt werden.

Tipp: Wenn der Ausschnitt einer platzierten SVG-Grafik falsch gezeigt wird, öffnest du die Grafik am besten in Illustrator und speicherst sie neu ab.

Neuer Home Screen

Der Startbildschirm von InDesign ist jetzt eine eigene Ansicht. Bis Anhin war er bloss ein eigener «Workspace». Zum Startbildschirm geht es über den neuen Home-Button in der Leiste oben.

Auch der Home-Screen selber soll dienlicher geworden sein. Ob er sich jetzt definitiv im Alltag durchsetzt, wird sich zeigen. Jedenfalls gibt es da neu eine «Creative Cloud Suche». Sie sucht über die Hilfe, Adobe Stock und die bearbeiteten InDesign-Dokumente. Leider guckt sie dabei nur auf den Dokumentnamen, nicht auf den Inhalt der InDesign-Dateien.

Datenzusammenführung mit mehr Optionen

«Datamerge» (Datenzusammenführung) wurde auch ein wenig aufgebohrt. Als Trenner für Felder können jetzt auch Semikolons verwendet werden. Und bei den Bildanpassungsoptionen gibt es neu die Option, dass der im Layout bereits zugewiesene Anpassungs-Stil übernommen wird.

Ähnliche Bilder auf Adobe Stock suchen

Bis anhin konnte über die «Creative Cloud Libraries» nach ähnlichen Bildern auf Adobe Stock gesucht werden. Das geht jetzt auch direkt in InDesign. Die Treffer werden dann in den «Creative Cloud Libraries» aufgelistet.

Spaltenlinien

Nach «Paragraph Borders» und «Paragraph Shades» haben wir jetzt auch «Column Rules» (Spaltenlinien). Sie können bei mehrspaltigen Textrahmen über die «Text Frame Options» zugeschaltet werden. Auch in den Objektformaten sind sie integriert. Die Bedienung ist super einfach und logisch.

Variable Fonts jetzt auch in InDesign

Jetzt kann auch unsere Typografie-Maschine wieder mit den neusten Font-Entwicklungen mithalten. «Variable Fonts» sind eine spezielle Form von OpenType-Schriften, bei welchen Achsen wie Stärke oder Schrägstellung beeinflusst werden kann. Die Integration entspricht weitestgehend der von Adobe Illustrator.

«Variable Font» zeigt InDesign mit einem «VAR» an.
Über den kleinen Button kann man den Dialog für die Design-Achsen öffnen.

Haemes Senf zur neuen Version

Der Lebenszyklus von InDesign hat die Phase der «Reife» und «Sättigung» erreicht.

Von Deef – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6771027

Nicht wegen der 20 Jahre, die InDesign auf dem Buckel hat. Der Markt des mausgesteuerten Desktop Publishings für Print-Produkte geht in die Phase der «Degeneration» und damit auch seine Werkzeuge. Die Druckvorlagen-Erstellung wird weiter automatisiert. Mit Sensei zeigt Adobe, was möglich ist, andere Hersteller sind nicht weniger weit. Und noch viel mehr wird noch kommen, weil Rechner täglich schneller werden.

Was InDesign zum Durchbruch verholfen hat, waren die Schnittstellen für Dritthersteller und die hohe Qualität für Typografie. Genau die beiden Eigenschaften werden künftig auch gebraucht. Mehr denn je, wenn wir hohe Design-Qualität automatisieren wollen. InDesign-Funktionen werden jedoch mehr zu Services werden müssen, welche im Hintergrund ihre Aufgaben erledigen.

Warum dieses Philosophieren?

Ihr fragt euch zu recht, warum ich eine so lange Einleitung zu meinem Senf fürs neue InDesign mache? Wir sollten unsere Flughöhe ändern, erst dann beurteilen. Stellt euch vor, ihr seid für den wirtschaftlichen Erfolg einer Firma verantwortlich. Wo investiert ihr vor allem? Sicher nicht in einem Markt, der sich in der «Degeneration» befindet. Adobe macht das genau so. Die InDesign-Neuerungen sind gut und willkommen, aber keine Knüller wie vor 15 Jahren, als der Zyklus «im Wachstum» war. Marketing-Automation und User Experience sind jetzt in der Phase «Wachstum». Unter diesen Vorzeichen finde ich Adobes Feuerwerk auf der MAX 2019 sehr gelungen.

Was denkst du? Gerne darfst du einen Kommentar hinterlassen.


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  1. Snagel vor 1 Tag

    die größte Neuerung für mich wären Absatz- und Zeichenformate die sich kombiniert anwenden lassen … also mehr als ein Format auf einen Text anwendbar, mit einer definierbaren Rangfolge wie sie sich auswirken (der CSS-Selektoren-Ansatz liegt nahe, würde aber vermutlich großes Chaos in der Praxis verursachen).
    Das würde bei uns in manchen Dokumenten die Absatzformat-Anzahl die sich durch die nicht-Kombinierbarkeit ergibt auf gefühlt 1/4 runterschrumpfen *und* die Anwendbarkeit in Team, die mit diesen Formaten arbeiten sollen ohne sie selbst erstellt und durchdacht zu haben, stark verbessern.
    Einfachstes Beispiel: 2 Sprachen im Dokument … bisher alle Textformate 2x anzulegen mit unterschiedlicher Spracheinstellung … mit „neuem“ Ansatz alles nur 1x da, sowie ein kombinierbares Zusatzformat „englisch“.

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    • Haeme Ulrich vor 1 Tag

      Vor ein paar Jahren haben wir das im Prerelease-Team diskutiert (war damals noch eine richtig aktive Community, heute läuft ja viel mehr über „uservoice“). Ich fände das auch immer noch cool. Klar, es könnte komplex werden, wie du schreibst.

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  2. Christoph vor 2 Wochen

    Bin ich eigentlich der Einzige, den es stört, dass die neuen Spaltenlinien nur ZWISCHEN den Spalten erzeugt werden können. Wir haben einen Kunden, der auch rechts und links des Textrahmens solche hat!
    Und ID unterscheidet nicht zwischen rechten und linken Seiten bei den Spaltenlinien. Ich muss also 2 Objektstile machen. Hat Adobe da nicht zu Ende gedacht?

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  3. Peter Schubert vor 2 Wochen

    Haeme, meine Mac zeigt nicht die neue 2020 Adobe Programme. Kann sein dass nur in neue Oprations System (Catalina) funktioniert es?
    Peter Schubert aus Ungarn

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    • Haeme Ulrich vor 2 Wochen

      Lieber Peter. Das sollte es nicht sein: macOS version 10.15 (Catalina), macOS version 10.14 (Mojave), and macOS version 10.13 (High Sierra).

      Hast du die Desktop App aktuell? Wenn ja, suche mal dort von Hand nach Updates.

      Liebe Grüsse
      Haeme

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  4. Jürgen Wössner vor 2 Wochen

    Und ich wünsche mir seit Jahren, dass InDesign die Power von CSS kriegt: Relative Masseinheiten, Pseudo-Elemente, Pseudo-Klassen, Siblings- und Next-Selektoren. Für Leute die mehr Weblayouts schreiben als sie Printprodukte zusammen-drag-n-droppen, haben Abstecher in WYSIWYG-Tools immer etwas Steinzeitliches.

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  5. Lars Leppert vor 2 Wochen

    Hallo Herr Ulrich,

    für mich im Print Bereich ist das jährlich Upgrade nur noch ein nerviger Balast. Die Umstellungen in einer Enterprise Umgebung sind doch recht zeitaufwändig. Mit 400 Rechnern in der Produktion zwar überschaubar, aber der Termindruck von Wochenzeitschriften ist auch nicht zu vernachlässigen. Einen kompletten Rollout einer neuen Version über Nacht habe ich mich in der Wochenproduktion noch nicht getraut. Von den Features her würde uns ein CS6 noch absolut ausreichen. Aber klar, dass da jedes Jahr ein volles Upgrade kommen muss – der Kunde will ja für seine Miete etwas geboten bekommen.

    Warum muss das immer ein ganzes Upgrade sein? Es würden doch Feature Updates völlig ausreichen. Das selbe Problem habe ich auch mit Apple. Jedes Jahr muss es eine Vollversion sein, hauptsache der Bildschirm hat ein neues, schönes Hintergrundbild und der Consumer hat wieder etwas zum Spielen (etwas überspitzt fomuliert)

    Vielleicht kommt ja mit AI und Sensei wirklich mal ein Sprung, der die ganze Arbeit, die man mit der Softwareverwaltung hat, wieder sinnvoll macht. Beispielsweise eine Art automatisiertes Layout, schon AI angepasst auf das Alter der Zielguppe und des Themas.

    Viele Grüße aus Baden-Baden

    Lars Leppert

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    • Haeme Ulrich vor 2 Wochen

      Hallo Herr Leppert. Spannende Sichtweise! Ich glaube nicht, dass «vielleicht» was kommt. Ich habe die Hoffnung nicht verloren, dass wirklich was kommt ✌️ Parallel zur Automation von DTPartiger Software kommen ja auch langsam HTML- und XML-Layouts in Print. Da geht im Moment sehr viel.

      Liebe Grüsse
      Haeme Ulrich

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  6. Guido Köhler vor 2 Wochen

    Nach wie vor fehlt mir bei InDesign eine besser Verzahnung zum Webbereich. Ich layoute fast immer für Druck und Web. Dass InDesign SVG importieren kann ist ja schön und nett, das brauche ich aber nicht. Ich brauchen den Export. Deshalb habe ich mir den von Gregor Fellenz programmieren lassen. Jetzt können wir den ja optimieren. Damit ist es möglich Seiten oder Auswahlen als SVG zu exportieren, z.B. um ein Cover oder eine Grafik mit Legende zu exportieren.

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    • Gregor Fellenz vor 1 Woche

      Dass der SVG-*Export* noch nicht wieder drin ist (es gab ihn ja bereits) ist eine Frechheit. Ich hoffe mein Workaroudn klappt akzeptabel…

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  7. René vor 2 Wochen

    Die Rückwärts-Suche geht doch schon seit 14.0?

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    • Haeme Ulrich vor 2 Wochen

      Lieber René

      Besten Dank für dein Feedback! Die Suche geht schon länger rückwärts, ja. Ich beschreibe hier die Suche innerhalb der Rechtschreibprüfung. Die ist neu (wenn du mich gefragt hättest, hätte ich vermutet, dass das schon drin war :))

      Herzlich
      Haeme

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