Haemes Senf: Das depressive System. Das schaffen wir jetzt ab.

Depressiv? Das passt doch nicht zu Weihnachten und Jahreswechsel. Ich denke schon. Bei Weihnachten wie beim Jahreswechsel geht es um «Neuanfang». Genau, was wir mit unserer Kultur/unserem System dringend machen müssen: Die Reset-Taste drücken.

Mein Glas ist halbleer

Ein typischer Schweizer Alltag. Wir haben einen Termin bei der Bauverwaltung und wollen ein erstes Feedback zu unserem Vorhaben: Autarkes Tinyhouse (ein ganz kleines Wohnhaus, welches ohne externe Strom- und Wasserversorgung funktioniert).

«Da gibt es mindestens fünf Probleme mit dem Reglement» – so die erste Reaktion. Der Fokus ist auf dem, was nicht geht. Es könnte ja auch so sein: «Toll, wollen Sie neue Wohnformen etablieren. Das unterstützen wir. Unser Baureglement stammt aus einer Zeit, wo es sowas noch nicht gab. Unsere Aufgabe ist nun herauszufinden, wie wir gemeinsam die Probleme lösen können». Oder ganz einfach: «Ist das Glas halbleer oder halbvoll»?

Wir zählen, was nicht geht

Warum ist unser Fokus auf dem, was nicht geht? Ich erkläre mir das mit «unserem System», der Bildung, der Business-Kultur. Kinder sind kreativ, Fokus auf Möglichkeiten. Mit dem Eintritt «ins System» ändert sich das. Der Fokus wird umgestellt von Möglichkeiten auf Fehlervermeidung. Bei Prüfungen werden Schreibfehler angestrichen. Warum nicht das hervorheben, was bereits stimmt? Belohnt wird, wer die wenigsten Fehler macht – das ist in der Geschäftswelt nicht anders als in der Schule.

Mag banal klingen. Ist es aber nicht. Kindern wird so der Fokus von Möglichkeiten auf Fehler umgestellt. Und dann ist es absolut klar, dass auch unsere Verwaltungen und Manager den Fokus auf dem haben, was gegenüber dem Reglement nicht geht. Ein Verhalten, welches wir uns alle künstlich antrainiert haben, denn die Kinder haben es «im Original» nicht.

Neuanfang

Jetzt, warum gerade diese Geschichte perfekt zu Weihnachten und Jahreswechsel passt. «Werdet wie die Kinder» hat der gesagt, wessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Das sollten wir ernst nehmen: Nicht kindisch. Er meint kindlich – eben zum Beispiel den Fokus wieder auf die Möglichkeiten umschwenken.


Keine Beiträge verpassen?






War dieser Artikel hilfreich?
Please wait...
Fragen oder Anregungen?
Zu den Kommentaren ( 15 )
Passende Themen
Kommentare (15)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. michaela huser vor 3 Monaten

    danke für diesen tollen beitrag, stimmt mich sehr positiv und tut gut in bezug auf den jahreswechsel🙏

    Please wait...
    • Haeme vor 3 Monaten

      Danke 🙏 Michaela

      Please wait...
  2. Walther Lücker vor 3 Monaten

    Ein wirklich schöner Gedanke in dieser Zeit. Ich spüre, wie mir als Journalist immer seltener auffällt, dass es diese positiven Ansätze und Gedanken ja doch noch gibt. Bemerkenswert, diesen Text in auf einem Portal zu veröffentlichen, auf dem man alles andere vermuten würde, nur eben „das“ nicht.
    Alles Gute und ein paar stille Stunden bei einem halb vollen Glas dem gesamten publish-Team.
    Sehr herzlich Walther Lücker

    Please wait...
    • Haeme Ulrich vor 3 Monaten

      Lieber Walther. Wow, dein Feedback stellt mich auf. Und deine Wünsche freuen uns! Herzlichen Dank. Auch dir viel Positives im 2020 – gemeinsam ändern wir das System 😀

      Herzliche Grüsse aus Bern
      Haeme

      Please wait...
  3. Regine Tholen vor 3 Monaten

    Lieber Haeme, da hast du völlig recht. Zum Brainstorming werden Teilnehmer dann gebeten, keine Negativbewertungen abzugeben oder gar „das geht nicht, weil….“ zu sagen. Und dann passiert es doch, weil wir so verprägt sind. Es ist was Wunderbares, nach Lösungen zu suchen, anstatt vor den Problemen zu erstarren. Und das Gehirn hat auch was davon 😃. Das ist wie beim Marathon, wenn du dich nicht ins Ziel laufen siehst, ist schon kurz nach Start Schluss und das macht depressiv. Frohe gesegnete Weihnachten und danke für den Impuls.

    Please wait...
    • Haeme Ulrich vor 3 Monaten

      Liebe Regine. Besten Dank für dein Feedback! Das freut mich sehr. Jetzt will ich anfangen, dieses depressive System abzuschaffen. Weil wir müssen das tun, es macht sonst niemand.

      Herzliche Grüsse aus Bern

      Please wait...
  4. Martin Garms vor 3 Monaten

    Lieber Haeme,
    danke für Deinen Beitrag, dem ich nur von Herzen zustimmen kann. Die Verhinderungsreflexe sind in Deutschland genauso tief verwurzelt wie in der Schweiz – Versuche, in unserem kleinen Schwarzwalddorf einen genossenschaftlichen Dorfladen und einen Gemeinschaftsgarten möglich zu machen, sind vor Jahren am zähen Widerstand der Einheimischen gescheitert. Ich habe mir dann statt zu frusten einfach selbst erlaubt, mal zu spielen und habe 3 Jahre lang ein Tiny House in Domform entwickelt – just do it – das hat viel Freude gemacht und so gut getan! Bilder unter http://www.ecosaeder.de
    Bei der Gelegenheit spreche ich Dir auch gern einen Dank für Deinen hilfreichen Blog aus, den ich regelmäßig lese und der mir als Herausgeber und Layouter einer Fachzeitschrift beim Umstieg von 20 Jahren Calamus auf Indesign immer wieder hilfreich war!
    mit herzlichen Grüßen aus dem Schwarzwald, Martin Garms

    Please wait...
    • Haeme Ulrich vor 3 Monaten

      Lieber Martin. Besten Dank für dein Feedback! Dein Tiny House ist ja genial! „Bewusst einfach – für eine enkeltaugliche Zukunft“, das trifft den Nagel auf den Kopf – bravo! Das Lesezeichen zu deiner Website ist bei der Linksammlung für unsere Pläne gespeichert!

      Liebe Grüsse aus Bern
      Haeme

      Please wait...
  5. Richard Rüfenacht vor 4 Monaten

    Haeme, wer mit der Behandlung von Depressionen Geld verdient, hat nichts dagegen, wenn das System Depressionen erzeugt. Und ein paar kluge Definitionen der Fachleute genügen, das System zu stabilisieren.

    Wie die Kinder werden? Das Kind wünscht sich ein Baumhaus. Das entspricht nicht den Bauvorschriften. Der Bau könnte toleriert werden. Aber dann sollte der Bauverwalter auch nicht haftbar gemacht werden können. Wir sollten über Toleranz reden. Und über Haftungsfragen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Richard

    Please wait...
    • Haeme vor 4 Monaten

      Danke Richu!

      Please wait...
  6. Roman Schurter vor 4 Monaten

    Tiny House? Kännsch? https://tiny-house.ch

    Kevin ist mein TH-Held und kann vielleicht Fragen beantworten. Liebi Grüess Roman

    Please wait...
    • Haeme Ulrich vor 4 Monaten

      Oh, merci! 🙂

      Please wait...
  7. Stiftung Deutsche Depressionshilfe vor 4 Monaten

    Das Wort Depression ist eine sehr ernstzunehmende und schlimme Krankheit, die unbehandelt zum Tod führen kann. Sie sollten solche Begriffe nicht leichtfertig einsetzen. Was Sie meinen ist eher „Pessimismus“, „Schwarzsehen“ oder Ähnliches. Hierbei handelt es sich aber um eine negative Lebenseinstellung und keine Krankheit. Nichts für ungut.

    Please wait...
    • Haeme Ulrich vor 4 Monaten

      Liebe «Stiftung Deutsche Depressionshilfe»
      Das sehe ich als Betroffener nicht so. Ich hatte zwei Depressionen in meinem Leben. Mit Klinik-Aufenthalten, Arbeitsunfähigkeit und sehr langen Therapien. Bei mir – und bei vielen anderen, die mit mir in der Therapie waren – ist genau das System mitschuldig, das ich hier beschreibe.

      Lieben Dank für den Kommentar!

      Please wait...
    • Lücker Walther vor 3 Monaten

      Nein liebe Stifter, das ist eben nicht Pessimismus und nicht Schwarzseherei, das ist genau die Art von Depression, die das System ausmacht, begünstigt und fördert.
      Im übrigen, ein „Wort“ keine Krankheit, sondern eine Begrifflichkeit. Ein Wort beschreibt etwas, ist jedoch an sich kein Zustand. Somit ist eine Depression eine Krankheit. Das „Wort Depression“, so wie Sie es hier verwenden ist eine Formulierung. Gerade eine Stiftung sollte mit dem Fundus der Deutschen Sprache sorgsamer umgehen.
      Einmal abgesehen davon, das ihre „Wort“-Meldung nachgerade hanebüchener Unsinn ist!
      Und was heißt denn dann am Ende „nichts für ungut“. Nehmen Sie damit wieder alles zurück?

      Please wait...