E-Books – Top oder Flop?

E-Books sind eine praktische Sache. Sie haben kein Gewicht, brauchen keinen Platz und kosten weniger als normale Bücher. Alles, was man braucht ist ein wenig Strom und ein geeignetes Lesegerät.

E-Books polarisieren

Doch E-Books polarisieren. Kaum eine Technologie spaltet die Anwender in so klare Pro- und Contra-Lager. Kein Gespräch rund um E-Books, in dem nicht der Satz fällt: „Praktisch ist es allemal. Es wird aber das Buch nicht ersetzen können!“

Tatsächlich hat das E-Book das gedruckte Buch nicht abgelöst. Es gibt unterschiedliche Statistiken. Die einen sprechen von stetigem Wachstum. Die anderen sagen, dass die E-Books-Verkäufe in letzter Zeit eingebrochen sind. Allen Studien gemein ist, dass die Menge verkaufter E-Books nicht ansatzweise in die Nähe des Absatzes von gedruckten Büchern kommt.

Technologie in Kinderschuhen

Vergessen wir nicht: die E-Books, wie wir sie heute kennen (Amazon Kindle, Tolino, etc) sind keine 10 Jahre alt. Im Vergleich zur Buchdruckerkunst, die schon ein halbes Jahrtausend auf dem Buckel hat, hat dieses Baby also gerade laufen gelernt. Da kommt noch viel, keine Frage.

Tatsächlich steckt die die Technologie hinter den E-Books aber noch in den Kinderschuhen. Es brauchte ein Weilchen, bis überhaupt mal ein gemeinsames Format, eine Art Standard entwickelt war: ePub – ein Subset von HTML – gibt es zwar seit 2001. In seine jetzt gebräuchliche Form (Version 3.0) wurde das Format aber erst 2011 gebracht. Und seither ist es in dieser Form geblieben. Es gab zwar letztes Jahr (6 Jahre später!) mal ein kleines Update (3.1), letztlich beschränken sich die Fähigkeiten von ePub aber auf Textformatierungen, Überschriften und Tabellen. Video, Audio, Interaktivität? Fehlanzeige. Das funktioniert nur dann, wenn der Hersteller einer E-Book-Lösung rund um den Standard noch zusätzliche proprietäre Features einbaut.

Die Sache des Readers

Solche proprietären Erweiterungen funktionieren dann aber nur auf einem dezidierten E-Book-Reader. Apple nutzt bei seinen E-Books die Fähigkeiten eines iPads voll aus: da steht ein ganzes Multimedia-Arsenal zur Verfügung und die Darstellung von prächtigen Bildwelten ist auf dem Retina-Display eines iPads natürlich eines Selbstverständlichkeit. Speicherplatz ist auch üppig vorhanden. Das alles natürlich zu einem – sagen wir mal – gehobenen Preis.

Wie steht es aber um die E-Books, die auch auf dem billigen Reader aus dem Supermarkt laufen? Display? Schwarzweiss, gepixelt. Multimedia? Wie denn ohne Lautsprecher und ohne Graphik-Chip? Speicherplatz? Sicher nicht genug für Video und hochaufgelöste Bilder. Diese Geräte machen den Hauptmarkt der E-Book-Reader aus. Sie sind billig, leicht, robust – und sie können eigentlich nix.

Kein Wunder also, dass auf diesen Readern praktisch nur Belletristik mit viel Text gelesen wird. Kein Wunder, dass ePub nicht viel mehr kann, als eben diesen Text möglichst optimal und „buchnah“ abzubilden. Muss ja nicht mehr können.

Disruption

Dennoch: der bisherige Impact von E-Books ist gewaltig. Nicht so sehr die Technologie als vielmehr die Geschäftsmodelle rundherum. Könnt Ihr Euch noch an die Zeiten vor Amazon erinnern? In den Buchladen gehen, stöbern, kaufen oder bestellen. Vor Ort. Zu bestimmten Öffnungszeiten. Je nach Grösse des Buchladens mit einem sehr eingeschränkten Sortiment.

Heute kaufen wir Bücher online. Tag und Nacht. Am Wochenende, in den Ferien. Wir stöbern nicht mehr sondern lesen Rezensionen. Uns steht ein unendliches Sortiment zur Verfügung. Geliefert wir das Buch im Paket, das E-Book über das WLAN.

Der Erfolg von Amazon gründet hauptsächlich auf dem Vertrieb von E-Books. Und der Erkenntnis, dass sich dieses Vertriebsmodell praktisch unendlich skalieren und eigentlich auf alle Güter anwenden lässt. Selbst auf solche, die gross und schwer sind oder gar auf Lebensmittel, die eigentlich verderblich sind. Etwas vereinfacht gesagt: E-Books haben die alten Vertriebsmodelle auf den Kopf gestellt. Und dazu gleich noch die Verpackungsbranche und die Transportindustrie. Ganz zu schweigen vom Verlagswesen (Self-Publishing), dem Bibliothekswesen (wie verleiht man E-Books?) und dem E-Commerce (Micropayment mit Kreditkarten)

Nicht zuletzt haben E-Books den Zugang zu Wissen globalisiert und demokratisiert.

Top oder Flop?

Sind nun also E-Books als Erfolg oder Misserfolg zu werten? Dazu ist es wohl noch zu früh. Das Produkt selbst hat noch Luft nach oben. Die Wellen, die E-Books und ganz eng damit verknüpft die Firma Amazon mit ihrem Vertriebsmodell erzeugt haben, sind jedoch gewaltig. So gross, dass man auf ihnen reiten muss oder dass man sonst untergeht.


In meinem nächsten Beitrag betrachte ich E-Books aus Sicht eines Lehrmittelmachers. Spoiler: E-Books scheinen mir noch nicht das geeignete digitale Lehrmittel zu sein. In dem Zusammenhang auch noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Der Ruf nach E-Books - Publishing-Talk vom 25. Januar 2018 in der Welle 7, Bern
Schulen, Lehrer und Schüler hätten ihre Lehrmittel gerne in digitaler Form. Lehrmittelverlage tun sich aber noch schwer mit der Umsetzung. Denn ein einfaches E-Book genügt oft nicht. Wir zeigen, wie die Produktion vereinfacht werden kann und welche Hausaufgaben vorher zu erledigen sind. Weitere Infos gibt’s auf den Seiten des Publishing-Networks.
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  1. Alex@nder vor 6 Monaten

    während die Anwender sich oftmals schon ihre mobile-Phones mit teilweise abenteuerlichen Halterungen vor die Augen schnallen um in virtuelle 3-D Welten einzutauchen, greifen Buchverlage noch mit höchstens graustufen Auswürfen ihrer Printausgaben lieblos etwas Zusatzprofit vom Markt. Im Spielemarkt werden Milliardengewinne erwirtschaftet, Verlage beschränken sich aufs jammern über wegbrechende Umsätze.
    Allerdings ist auch die Industrie gefordert sich endlich auf einen gemeinsamen Standard zu einigen, welcher Systemübergreifend dem Leser die längst möglichen Zusatznutzen zur Verfügung stellt. Bei den Videorekordern hat das „damals“ ja auch funktioniert (obwohl nicht das beste System gewonnen hat).

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