Die Smartphone-Fotografie nimmt auch bei mir Überhand

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Gestern Abend habe ich mit einigem Staunen festgestellt, dass ich in diesem Jahr mehr Lieblingsbilder mit dem iPhone fotografiert habe, als mit meiner vertrauten Nikon Z7.

Das mag einerseits daran liegen, dass ich mich vor einigen Wochen aufgrund eines Unfalls an der Schulter operieren lassen musste. Seither ist meine Bewegungsfreiheit so eingeschränkt, dass ich die Nikon nicht einmal mehr ans Auge führen kann. Das Smartphone ist daher derzeit meine einzige Kamera im Einsatz.

Viele Jahre lang habe ich das Smartphone als Kamera nicht ernst genommen, ja sogar belächelt. Zum ersten Mal so richtig erstaunt war ich mit den Bildern aus meinem früheren Samsung Note 8, welches viel zu früh Bekanntschaft mit dem unerbittlichen Steinboden gemacht hat:

Mit diesem Bild hat alles angefangen (Samsung Note 8 im Portrait-Modus).

Das oben stehende Portrait von meiner Tochter hat mir erstmals aufgezeigt, zu was Smartphones heutzutage fähig sind. Seit diesem einen Bild beobachte ich, wie ich die Nikon Z7 immer öfters daheim lasse und nur noch dann zur Hand nehme, wenn mir Qualität wichtiger ist als die Spontanität einer Aufnahme.

Die Kamera ist bei jedem Spaziergang dabei.

Ich fotografiere heute mit der Kamera aus Lightroom auf meinem iPhone 11 Pro Max. Gerade im HDR-Modus ist der Dynamikumfang für ein Smartphone erstaunlich gut und das Bildrauschen hält sich bei HDR-Bildern einigermassen in Grenzen. Dadurch habe ich mir schon mehrere Bilder im Format A4 in Fotobüchern drucken lassen, ohne dass ich mich über eine schlechte Qualität hätte ärgern müssen.

Die umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten im mobilen Lightroom sind es auch, die mich immer noch nicht ganz von Lightroom weg zu Capture One gebracht haben. Durch das vertiefte Anwenden dieser App habe ich mich auch wieder intensiver mit Lightroom Classic befasst und Spass daran gefunden, LUTs und Entwicklungsvorgaben aus der klassischen Version auch auf dem Smartphone auszutesten. Einige Erkenntnisse daraus fliessen gerne in künftige Blogbeiträge ein, falls ihr Interesse daran habt 🙂

Der Bearbeitungsspielraum ist gerade bei HDR-DNGs erstaunlich.

Zum Abschluss ein paar Tipps:

  • Fotografiert nebst JPEG unbedingt auch in DNG/RAW. Wenn ihr das bei eurer Kamera nicht direkt freischalten könnt, nutzt eine App wie Lightroom Mobile oder ähnlich, um diesem Modus freizuschalten.
  • Manchmal kann das Smartphone nicht bei allen Linsen im RAW-Format fotografieren. Beim iPhone 11 Pro Max sind zum Beispiel beim Ultraweitwinkel keine RAW-Bilder möglich (ich wüsste auf jeden Fall nicht wie).
  • Bei einigen Smartphones werden die JPEG-Bilder extrem hochwertig mit der internen Software bearbeitet, sodass es schwierig wird, RAW-Bilder auf das gleiche Niveau zu bringen. Dieser Bericht geht zum Beispiel beim Huawei P40 Pro darauf ein. Auch die Google Pixel-Smartphones greifen teilweise heftig (aber erstaunlich gut) in die JPEG-Bilder ein.
  • HDR-Bilder eignen sich nicht nur zum Erhöhen des Dynamikumfangs. Sie reduzieren auch das Bildrauschen bei wenig Licht erheblich.
  • HDR-Bilder aus Lightroom Mobile werden nach meinen Erfahrungen von den anderen RAR-Konvertern nicht sauber erkannt (getestet mit Capture One, Affinity Photo, ON1 Photo RAW und Pixelmator Photo).
  • Ich belichte meine Bilder im Zweifelsfall lieber etwas zu hell, um sie in der Nachbearbeitung etwas abdunkeln zu können. Das Bildrauschen bleibt dadurch noch besser unter Kontrolle.
  • Die meisten Smartphone-Kameras haben heutzutage mehrere Linsen verbaut. Bei meinem iPhone ist es so, dass ich mit den beiden Weitwinkelkameras viel näher an das Motiv herankomme, was mir bei Nahaufnahmen entgegenkommt.
  • Die Telelinsen bei Smartphones weisen teilweise verglichen mit den anderen verbauten Objektiven eine geringere Lichtstärke (und Auflösung) auf. Wundert euch also nicht, falls ihr im Portraitmodus auf höhere ISO-Werte kommt.
  • Schaut euch nebst dem mobilen Lightroom unbedingt noch die Pixelmator Photo-App auf dem iPad an (kostet 5 Franken). Die App hat funktionell noch einige Grenzen, ist aber wunderbar zu bedienen und liefert tolle Ergebnisse.
  • Ihr wollt einen Studioblitz für Smartphones? Das gibt es tatsächlich. Hier erfahrt ihr mehr.

Wenn ich mit anderen Fotografenfreunden über die Smartphone-Fotografie diskutiere, werde ich oftmals belächelt. Wie seht ihr das? Wie setzt ihr das Smartphone ein? Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte in den Kommentaren oder per Mail.

Herzlich
Euer Michel Mayerle


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  1. Thorsten Hamann vor 6 Monaten

    Auch bei mir ist die DSLR-Fotografie in den letzten Jahren immer weniger geworden, und das hat nicht nur damit zu tun, dass das Smartphone immer dabei ist, sondern auch, dass ich noch eine EOS 400D habe und im Teufelskreis stecke: Neue vernünftige Kamera ist zu teuer für das bisschen, das ich noch damit fotografiere, aber ich fotografiere weniger mit der DSLR, weil sie halt so alt ist und die Lichtstärke und Auflösung des Sensors eigentlich nur Outdoor- oder Studiofotografie erlauben. Eigentlich wäre ich genau die Zielgruppe für das mittlere Segment, so um 1000 EUR pro Body, aber das ist bei drei Kindern vom Haushaltsbudget “für ein paar Fotos” einfach nicht zu rechtfertigen (vor mir selbst).

    Nun habe ich beruflich immer die neuesten iPhones am Start, derzeit auch das iPhone 11 Pro Max, und ich stelle fest, dass insbesondere seit dem X die Qualität der Bilder immer schlechter wird – das sind keine Fotos mehr, sondern KI-Ergebnisse. Insbesondere bei der klassischen Kind-packt-morgens-seine-Geburtstagsgeschenke-aus-Fotografie fällt auf, die vom Licht her mit meiner DSLR schlicht nicht gehen, dass die Fotos vom 11 körnig und unscharf sind (auch mit Stativ) und an den Kanten Auren sind, weil die KI offenkundig Pixel “rät”. Wenn man die Fotos von meinem (alten) SE neben die vom XS und 11 hält, sind beim Reinzoomen auf 1:1 die alten Fotos deutlich besser als die neuen. Fotografiert ist immer ohne Zoom.

    Wenn ich das richtig verstehe, kann man durch Dritt-Apps diese KI-Überarbeitung der Fotos verhindern und kommt sogar an die RAW-Daten?

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  2. SwissMate78 vor 6 Monaten

    Interessant wären auch Fotos, die einfach super aus dem Smartphone rauskommen. Die Beispiele hier sind doch noch stark bearbeitet worden, oder? Das verfälscht den Eindruck der Qualität stark, weil einer mit guten Programmkenntnissen auch noch aus den schlechtesten Bildern einiges rausholen kann.

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  3. Andreas vor 6 Monaten

    Nachdem ich auf Reisen seit einiger Zeit mich der Last einer DSLR mit lichtstarken Objektiven durch eine OM-D E-M1 mit mehreren Objektiven entledigt habe (Gewicht um 60% reduziert), wollte ich den nächsten Schritt wagen. Lange habe ich nicht verstanden warum ich viel Geld für ein Smartphone ausgeben sollte und mich immer in der oberen Mittelklasse orientiert und aus Nachhaltigkeitsgründen diese auch möglichst lange genutzt. Jetzt habe ich zum ersten Mal ein Top-Smartphone, Huawei P30 Pro, nur wegen der damals wohl besten Smartphone-Kamera (auch schon wieder alt, es gibt schon das P40 Pro). Mein Plan war im Urlaub in Jordanien das Experiement zu wagen (fast) nur mit dem Smartphone zu fotografieren. Ich hätte als Reserve nur die OM-D E-M1 mit Standardzoom 28-80 mm mitgenommen. Dank Corona muss das Experiment noch warten. Ich finde die Smartphone-Fotografie eine sehr spannende Entwicklung.

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  4. Reinhard vor 6 Monaten

    Bei mir ist das Smartphone (iPh7+) klar auf dem Rückzug. Sicher: ich habe es oft dabei und auch klar: es ist technisch nicht mehr aktuell. Ich lasse es jedoch immer häufiger bewusst zu Hause. Kann auch daran liegen dass ich ein solches digitales Endgerät/Statussysmbol/Gadget – whatever – einfach mehr und mehr “dislike”. Wenn ich rausgehe nehme ich bewusst meine DSLR /FX und oder DX) mit. Und dann fotografiere ich eben auch bewusst mit “Schwerem Gerät”. Natürlich sehe ich auch wirklich hervorragende Fotos die mit dem Smartphone aufgenommen wurden. Und der Technik auf kleinstem kann ich auch meinen Respekt zollen. Doch künftig möchte ich bewusst Fotografieren. Mit einer Kamera – und eben nicht mehr mit dem Handy.

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  5. Michael vor 6 Monaten

    Lieber Michel,
    Dein Artikel rennt bei mir quasi offene Türen ein. Ich verkaufte letzthin nach langer Suche nach Reduktion meine SLR Ausrüstung und holte mir eine Fuji X100F. Mein lieber Schieber, eine tolle Kamera mit tollen Ergebnissen. Nun habe ich mir das iPhone 11 Pro geholt und sehe eigentlich fast keinen Grund mehr, daneben überhaupt noch eine “extra Kamera” mitzuführen. Die Bildbearbeitung der Fuji RAW-Files in C1P fällt weitgehend weg, die Ergebnisse des neuen iPhones sind mit den 3 Festbrennweiten richtig gut. Natürlich ist es noch ein langer Weg, bis es ein All-in-one-Gerät geben wird, das wirklich dementsprechende Ergebnisse liefern wird, so dass auch ein sogenannter “Profi” zufrieden sein wird. Aber, wenn man die Ergebnisse professioneller Fotografen betrachtet, die bewusst mit dem iPhone fotografieren… ich meine, man ist da schon auf einem ganz guten Pfad.
    Ich jedenfalls werde überlegen, die Fuji abzugeben und mich bewusst mit der iPhone-Fotografie zu beschäftigen.

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  6. Patrick vor 6 Monaten

    Verwende seit Jahren iPhones zum fotografieren. Mittlerweile bin ich beim iPhone 11 Pro angelangt und die Bildqualität ist wirklich erstaunlich gut. Leider funktioniert der Nachtmodus (mehrere Bilder werden miteinander verrechnet) nur beim Standardobjektiv. Meine Olympus OM-D EM1 mkII habe ich viel zu selten dabei und benutze sie fast nur, wenn ich bewusst fotografiere.

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  7. Rich vor 6 Monaten

    Als wir letztes Jahr das Album für unsere Kinder gemacht haben, wurde klar die Bilder unserer Smartphones reichen uns einfach nicht (Xiami Pocophone und Iphone 6).
    Den Vorsatz unsere Kompaktkamera von Lumix des öfteren wieder dabei zu haben setzten wir einige Zeit um, mussten aber auch hier merken, dass die Abstriche zur Fuji-Xpro einfach zu gross sind. Die Fuji wiederum immer dabei zu haben ist schwierig.
    Jetzt haben wir uns entschlossen mehr Wert auf die Kamera im Smartphone zu legen und ich hab mir ein OnePlus7 gekauft (Preis/Leistung). Der Grund ist eigentlich einzig, dass wir durch die Kids mehr Fotos im Alltag machen und nicht nur auf Reisen und Wanderungen wie früher.

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