Auf Affinity Publisher umsteigen ja oder nein?

Auf Affinity Publisher umsteigen ja oder nein?

Der Affinity Publisher bringt frischen Wind in die Branche und lässt Abo-Skeptiker aufhorchen. Trotzdem hat die 1. Version ein paar «Kinderkrankheiten», die im Produktionsalltag durchaus zum Tragen kommen können. Publishingblog-Leser Thomas Schulz hat sich die Mühe gemacht, das Problem mit dem 4c-Aufgelösten «reinen» Schwarz zu dokumentieren und beantwortet die Frage «Auf Affinity Publisher umsteigen ja oder nein?». Vielen Dank für den geschätzten Aufwand. Mit einem Vorwort von Christian Denzler.

Vorwort

Die Affinity-Suite von Serif ist ohne Frage das spannendste Produkt am Publishinghimmel. Start-up-Vibes und «Out-of-the-Box-Thinking» machen den doch schon älteren Player (Serif wurde 1987 gegründet), zur ersten möglichen Bedrohung für Adobe.

Während Affinity Designer und Photo schon sehr solide funktionieren, verfügt der Publisher über typische Kinderkrankheiten. Das ist normal oder muss ich an InDesign v1 erinnern? Problematisch wird es, wenn es eine so alltägliche Sache, wie PDFs in einem Layout platzieren, verunmöglicht. Hier muss Serif definitiv nachbessern. Umso wertvoller ist es, dass wir Feedback aus dem Produktionsalltag bekommen.


Eine kurze Beschreibung meines Versuchs ein Magazin mit dem Affinity Publisher zu erstellen. Das Magazin erstelle ich seit knapp 20 Jahren in InDesign. Der Umstieg sollte aus bekannten Gründen passieren. Nach dem letzten Update von MacOS Mojave, auf 10.14.6 funktioniert der Photoshop nicht mehr. InDesign und Illustrator sind nicht betroffen.

Ein guter Zeitpunkt für den Umstieg auf Affinity?

Um es vorweg zu nehmen: Jein! Ich will aber aufzeigen warum.

Aus diesem Grund habe ich kleine Screencasts erstellt, anhand derer man das «Jein» erkennen kann. Ich fange ganz von vorne an ein Dokument anzulegen, damit es nachvollziehbar ist was passiert. Ich bin sicher nicht perfekt, also bitte, wenn ihr Fehler findet oder Fragen habt, mailt mir: post@herrschulz.de

Beim Anlegen der ersten Datei/Seite habe ich neben der Einstellung auf CMYK darauf geachtet, dass Bilder eingebettet werden. Der Publisher hat keine Sammelfunktion. Version 2? Das Format 205 x 275 mm ist das Magazinformat, damit das PDF passt 😉

Das Anlegen von Farben ist easy. Man wählt den CMYK-Schieber, legt die Farben an, hier CMYK, Weiss, und fertig.

In InDesign sind die Druckfarben schon angelegt. Wäre hier auch von Haus aus besser. Aber einmal gemacht, kann man die programmweit speichern.

Texte einladen. Ich habe hier mal «Lorem Ipsum» genommen. Ist ja erstmal ein Test.

Ihr müsst den voreingestellten Formaten nur die Farbe Schwarz (K100) zuweisen.

Hier genauer vom Michel Mayerle beschrieben:

Von mir nur noch mal der Vollständigkeit halber mit gefilmt.

Ich hole hier etwas aus, wegen dem besseren Verständnis

Zuerst ein paar zusätzliche Seiten. Dann platziere ich Bilder und ein geliefertes PDF. Auf zwei Arten.

Und das PDF ist dann der Knackpunkt. Dazu später mehr.

Bild platzieren, wie ich es üblicher Weise im Magazin mache, damit der Test komplett ist.

Es sei erwähnt, dass, wenn ich es richtig verstanden habe, das Freistellen von Bildern in der Affinity-Welt anders funktioniert als bei Adobe. So wie ich es die ganze Zeit gemacht habe, wurde das freizustellende Objekt mittels eines Freistellpfads vom Rest des Bilds – oder des Hintergrunds – isoliert.

In Photo läuft das anders. Das Bild wird entweder in eine neue Datei mit transparentem Hintergrund kopiert, oder in der gleichen Datei auf eine neue Ebene, und da beim JPEG kein transparenter Hintergrund möglich ist, muss man es als PNG speichern, oder eben exportieren. Dann kann man den Teil, der wegmuss, mit dem Freistellpinsel entfernen. Das geht ziemlich gut.

Auch hier ein paar Worte zum «Warum».

Jetzt zu dem Punkt PDF einbinden. Es gibt bei dem Magazin Anzeigen, die vom Inserenten geliefert werden. Idealerweise als PDF. Im InDesign/Photoshop habe ich das immer so gemacht: PDF im Photoshop geöffnet, als CMYK-JPEG gesichert und dann in den Bildrahmen eingesetzt. Der Grund: vom Kunden kamen teilweise PDF mit Pantone-Farben. Das Highlight war 20. Um da sicher zu sein, dass beim Druck nichts passiert, habe ich das so gemacht. Mag sein, dass es ein umständlicher Weg war, war aber immer OK. Also warum ändern?

Ich habe also das PDF in Photo geöffnet. Und da fing es an komisch zu werden. Im Gegensatz zum Photoshop habe ich die Passkreuze und den Farbbalken nicht mehr gesehen. Das hat mich verwirrt, zumal die auch beim exportierten JPEG nicht zu sehen waren. Ich habe das PDF dann einfach in den Publisher geladen. Einmal in einen Bildrahmen und einmal einfach auf den Rahmen draufgezogen. Dann ein druckfähiges PDF exportiert und ohne weiter zu gucken, zum Testen an die Druckerei geschickt. Die hatten angeboten das PDF zu prüfen. Ich komme zwar aus der Branche, aber da ist dann doch zu viel Fachwissen nötig. Man muss nicht alles können. Die haben das getestet und mich dann angerufen und gesagt: «… alles perfekt, nur in der Anzeige das Schwarz ist in 4c aufgebaut. Ist wahrscheinlich so vom Kunden gekommen …»

So ein Drucker ist halt auch einiges gewohnt 😉

Ich habe aber das PDF des Kunden überprüft und siehe da, das Schwarz war 100%. Nachdem ich verschiedene Exportvarianten probiert habe und eigentlich immer das Schwarz in 4c war, habe ich mich im Forum getummelt, um eine Lösung des Problems zu finden, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sollte man der Welt mitteilen.

Jetzt habe ich das PDF im Publisher geöffnet, mit cmd+A alles markiert, gruppiert mit cmd+G mit cmd+C in die Zwischenablage und dann cmd+V in mein Dokument kopiert. Und obwohl ich beim Farbraum «Schätzung» gelassen habe, wurde das PDF richtig geöffnet. Richtig deshalb, weil das Schwarz schwarz geblieben ist.

Das Schöne am Publisher ist, dass man die Daten bearbeiten kann. Also habe ich das Schwarz überprüft.

Schöne Funktion, aber auch brandgefährlich. Wenn man jetzt was unbemerkt zerschiesst oder verschiebt, kann es passieren, dass der Kunde, wenn er es bemerkt, die Anzeige nicht bezahlt. Da hat man dann keine Chance sich zu drücken. Umsonst gearbeitet und viel Ärger am Hals. Also ist das keine praktikable Methode. Die einzige das Schwarz in 100% zu bekommen aber nicht zu empfehlen.

Ich habe noch ein paar andere Versuche gemacht, aber keiner hat den gewünschten Erfolg gebracht.

Das Kunden-PDF als je ein PDF und ein JPEG aus Photo heraus exportiert, im Publisher positioniert und ein PDF für die Druckerei aus Publisher exportiert. Beim importierten JPEG war das Schwarz dann 100%, aber das überdrucken war weg.

Beim PDF war das bekannte Problem: 4c.

Hier mein Fazit

Wenn jemand eine Drucksache erstellen muss, in der ausschliesslich Bilder platziert werden müssen, z.B. ein Fotobuch vom Urlaub oder ähnliches. Die Affinity-Produkte sind hier empfehlenswert.

Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass Serif den Publisher in diesem Stadium herausgibt. Es ist ein tolles Produkt, aber ich kenne das Problem mit dem Schwarz noch aus Zeiten von CorelDraw in den späten 80ern. Da wurde eine tolle überarbeitete Version herausgegeben und wenn man dann die Filme belichtet hatte – ja, das hat man mal gemacht – war das Schwarz aus 4c. Das hat dann noch zusätzlich Geld gekostet. Heute ist das PDF der neue Film. Da halten sich die Kosten in Grenzen. CorelDraw hat sich damit aus dem professionellen Geschäft katapultiert. Die waren am Anfang auch richtig gut. Wir haben damals damit viele Druckvorlagen für Verpackungen erstellt.

Also: Die Leute, die in der Print-Produktion arbeiten und davon leben müssen, Finger weg. Serif muss beim Thema reines Schwarz noch kräftig nachbessern.


Thomas Schulz
*1953

Thomas beschäftigt sich seit 1987 mit dem Erstellen von Drucksachen und ist Mitinhaber einer kleinen Werbeagentur für B2B-Kommunikation und im Nebenjob Rentner.

http://herrschulz.de/


Keine Beiträge verpassen?






War dieser Artikel hilfreich?
Please wait...
Fragen oder Anregungen?
Zu den Kommentaren ( 13 )
Passende Themen
Kommentare (13)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. spiv vor 2 Wochen

    Danke für den Hinweis, da haben Sie mich wirklich vor einer Falle gewarnt. Dann muss ich erst mal weiter machen mit InDesign CS6 unter MacOS 10.10.5, bis der Publisher keine Kinderkrankheiten mehr hat.
    Den Abo-Zwang von Adobe werde ich auf keinen Fall mitmachen, vorher würde ich noch eher mein altes QuarkXPress updateen :)) Aber natürlich hoffe ich auf Affinity und dass sie den Publisher demnächst in den Griff bekommen.

    Please wait...
  2. Andre Wobmann vor 2 Wochen

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich arbeite seit über 4 Jahren mit den Affninity-Produkten und bin immer noch begeistert, obwohl die Software noch viel Verbesserungspotential hat – besonders Publisher. Bisher konnte ich alle Arbeiten mit Affinity erledigen (Logogestaltungen, Bildbearbeitung, Druckprodukte uvm.). Ich musste jedoch auch viel Zeit fürs austesten aufwenden und meine Workflows anpassen.
    Wenn etwas 20 Jahre funktioniert, heisst das nicht, dass man es weiterhin so machen muss. Vielleicht müsstest du deine Workflows ebenfalls auf Publisher abstimmen wenn du damit professionell arbeiten möchtest. Sicher ist das nicht die Lösung für alle Probleme, aber eine gewisse Flexibilität schadet nicht.
    Affinity hat vorbildliche Foren. Ich teile meine Probleme in den Foren und erhalten in der Regel eine akzeptable Lösung. Affinity bemüht sich zudem, auf Kundenanliegen einzugehen. Nur gemeinsam und mit unserer riesigen Erfahrung schaffen wir es, den Affinity-Programmen zu dem Status zu verhelfen, den es verdient.

    Please wait...
  3. 3joern vor 3 Wochen

    Ich habe bei Publisher seit der Alpha nebenbei damit experimentiert und wenn nur das PDF importieren ein Problem gewesen wäre, wäre ich extrem begeistert gewesen. Aber bis man den Leuten dort endlich klar gemacht hat, dass es zB ein Spaltenraster braucht hat das ewig gedauert. Ein weiterer fieser Schuss ins Knie ist noch das Highlight in 3 Programmen parallel arbeiten, denn durch das einbetten der Bilder (auch bei den Verknüpften), die dann zB in Designer oder Photo schnell bearbeitet werden können, hat man die Not, wenn man wie ich mit OPI Daten arbeitet, dass das Ganze eher nicht für den wirklich professionellen workflow gedacht ist, da die bearbeiteten Bilder dann doch eingebettet werden und die Änderung im Original nicht zu finden ist, was bei einer hohen Anzahl von Bildern verwirrend werden kann. So nebenbei mal ein Leporello oder ein Plakat machen ist damit ganz nett. Aber Bücher oder Zeitschriften, vergiss es, ist einfach wie eine Mischung aus CorelDraw und Powerpoint. Auch der Umgang mit verschiedenen Bildboxen (unterschiede zB für eps oder jpg) und Ausschnitten macht mich noch kirre. Designer dafür schätze ich inzwischen sehr. Mal sehen was die Serifs noch draus machen.

    Please wait...
  4. Rolf Zöllig vor 3 Wochen

    … Nach dem letzten Update von MacOS Mojave, auf 10.14.6 funktioniere der Photoshop nicht mehr. …

    bei uns läuft unter osx mojave 10.14.6
    photoshop einwandfrei in der version 20.0.6.; ältere versionen haben wir nicht mehr im gebrauch, können daher nix dazu schreiben.

    Please wait...
  5. Marc vor 3 Wochen

    Kann man die Sonderfarben nicht mit Acrobat umwandeln?
    Dann bleiben die Texte in den Anzeigen Vektoren …

    Please wait...
  6. Christine vor 3 Wochen

    Vielen Dank für den Artikel und das Testen! Da ich überwiegend im Printbereich unterwegs bin, sehe ich Affinity momentan noch nicht als Alternative, doch das wird sich hoffentlich ändern. Die Politik des Abo-Modells ist einfach zu ärgerlich, um sich ihr dauerhaft zu beugen.
    Mit Capitan laufen die Videos bei mir übrigens leider nicht…

    Please wait...
  7. Matthias Töpfer vor 3 Wochen

    Die Druckausgabe ist tatsächlich noch der wunde Punkt an AP. Aber da ich Druckvorstufe mitmache, hab ich natürlich CC und kann Druck-PDFs mit dem Adobe Akrobat prüfen, bevor ich sie an die Druckerei sende. Das klappt ganz gut. Dass es auch ein Nachteil sein kann, dass AP PDFs als bearbeitbares Objekt einbindet, ist mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen. Ich finde das toll. Aber klar, man sollte die Wahl haben, wie man mit PDFs umgehen möchte.

    Please wait...
  8. Stefan vor 3 Wochen

    Hallo Christian, hallo liebe Mitleser,
    ich hab Affinity noch nicht getestet, nur eben hier im Blog das ein oder andere darüber gelesen. Ich bin allem neuem eigentlich relativ aufgeschlossen und auch kein besonders großer Freund der Abo-Variante.
    Aber wenn ich hier lese „In Photo läuft das anders. Das Bild wird entweder in eine neue Datei mit transparentem Hintergrund kopiert, oder in der gleichen Datei auf eine neue Ebene, und da beim JPEG kein transparenter Hintergrund möglich ist, muss man es als PNG speichern, oder eben exportieren.“ ist das ganze für mich noch nicht allzu ausgereift. PNG ist für mich kein Format in dem ich Bilder für Print abspeicher (CMYK wird nicht unterstützt). Das Format ist für Web-Anwendungen optimiert. Selbst wenn man mit InDesign und einem sauberen Farbmanagement-Workflow arbeitet, kann hier einiges in die Hosen gehen. Wie gesagt, ich hab Affinity selbst noch nicht getestet und weiß auch nicht was hier an Farbmanagement geboten wird, aber da wär ich vorsichtig. Gerade wenn du PNG-Dateien mit Schwarz in Affinity lädst, wird dir vermutlich des öfteren ein falsches Schwarz über den Weg laufen….

    Please wait...
    • Christian Denzler vor 3 Wochen

      Lieber Stefan
      Da muss ich noch korrigieren. Ein auf transparent gestelltes, sprich freigestelltes Bild, kann man in Affinity Photo als PSD exportieren und selbstverständlich auch in CMYK.

      Please wait...
    • Björn vor 3 Wochen

      Ich wollte liebend gerne umsteigen und hatte mich damit abgefunden in affinity publisher alles nochmal neu zu erstellen, da es ja keine import Funktion gibt. Habe auch über einige Mängel hinwegsehen wie Funktionen, die bei Adobe kinderleicht einzustellen sind, muss affinity viele Umwege gehen. Dafür gibt es aber natürlich auch einiges was affinity besser macht, aber eins hat mich leider beim umstieg gehindert. Nach stundenlangen einrichten von 40 Seiten, fing die Performance von affinity an komplett den Bach runtergehen. Während adome problemlos mit allen Grafiken und Besonderheiten auf 600 Seiten kein Problem macht und Butterweich läuft, stottert und hängt affinity schon bei 40 Seiten, wo man schon überlegt ob der nun abgestürzt ist, bis nach Sekunden doch mal ne halbe Rückmeldung kommt. Selbst auch minimaler anzeigeleistung einfach eine Katastrophe… Wirklich schade, ich wäre gerne aus Adobes Todes abospirale entkommen… Hoffe auf die Zukunft.

      Please wait...
  9. Georg vor 3 Wochen

    Danke für den Artikel!
    Ich verfolge die Entwicklung von Affinity sehr genau und hoffe darauf, es bald produktiv einzusetzen.

    Eine Anmerkung: Safari mag anscheinend die eingebetteten Videos, trotz mp4 Container nicht.

    Please wait...
    • Christian Denzler vor 3 Wochen

      Lieber Georg
      Danke für deinen Kommentar. Bezüglich den Videos: Es scheint ein iOS-Problem zu sein. Android und MacOS haben kein Problem. Allenfalls betten wir sie nochmals anders ein.

      Please wait...
    • 3joern vor 3 Wochen

      Auch unter MacOS Sierra keine Videos

      Please wait...