Alles neu beim Edge

2015 stellte Microsoft mit dem Edge eine Alternative zum viel kritisierten Internet Explorer vor. Mit an Bord waren die brandneue Rendering-Engine EdgeHTML und die JavaScript-Engine Chakra. Für mich als Entwickler hat der Schritt vieles vereinfacht. Aber so richtig durchsetzen konnte sich der Edge trotzdem nicht. Ein weiterer Hacken, die Engines wurden für Windows 10+ entwickelt, weshalb ältere Windows Versionen immer noch auf den Internet Explorer zurückgreifen mussten.

Ende 2018 verkündete Microsoft dann, dass sie an einer neuen Version der Edges arbeiten. Diese verabschiedet sich von den eigenen Engines und setzt neu auf das Open Source Projekt Chromium und dessen Engines Blink und V8. Chromium wurde 2008 von Google ins Leben gerufen und bildete erst die Basis für den Google Chrome, später nutzen z.B. auch Opera und viele kleinere Browser diese Grundlage.

Seit zwei Tagen steht nun also die erste Entwicklerversion des Chromium-Edges zum Download bereit.

Das erste Fazit..

..ist eher ernüchternd. Rein optisch habe ich nichts auszusetzen. Der Edge-Dev wirkt wie eine gekonnte Mischung aus Edge und Chrome: Die Ecken wurden etwas abgeschliffen und die Schatten etwas abgeschwächt. Was mir sofort ins Auge gestochen ist: Zentrale Edge-Features sucht man vergebens. Es fehlt zum Beispiel das Notizen-Tool und der Lesemodus. Alles in allem wirkt der Browser eher wie ein leicht angepasster Chrome. Vom alten Edge ist kaum etwas übrig geblieben.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Microsoft in dieser ersten Preview bewusst nah an der Basis geblieben ist und eigene Features erst Stück für Stück umgeschrieben und hinzugefügt werden.

Ebenfalls auffällig: Die Entwicklertools erstrahlen neu in einem Dark-Mode und lassen keinen Zweifel am Chromium-Unterbau.

Edge Dev (Chromium)

Meine Meinung

Grundsätzlich begrüsse ich den Schritt. Für mich als Webentwickler macht es die Welt ein Stück einfacher. Jeder Browser bringt prinzipiell seine eigenen kleinen Macken mit und durch diese Harmonisierung fällt nun ein grosser Brocken im Browsertesting weg. Ausserdem bringen die Edge-Entwickler nun ihre Energie in das Chromium Projekt ein.

Allerdings gibt es auch berechtigte Kritik. Da die Marktanteile der Edge-Engines nun zu Chromium gehen, baut Chromium, und damit indirekt auch Google, seine Vormachtstellung im Web weiter aus. Die ohnehin schon mageren Anteile von WebKit (Safari) und Gecko (Mozilla) verlieren also noch mehr an Bedeutung. Dabei wäre es doch genau diese Vielfalt, die die Unabhängigkeit der Webplattform gewährleistet.

Aber ich möchte jetzt keinesfalls unnötig schwarzmalen. Der Browser ist gut, beim ersten herumnavigieren sind mir keine Fehler aufgefallen und ich bin erneut begeistert, welchen Impact die Open Source Philosophie doch haben kann: Microsoft und Google, zwei der grössten Konzerne der Welt und direkte Konkurrenten, bauen gemeinsam eine Software, die Jeder und Jedem kostenlos zur Verfügung steht!


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