Haemes Senf: Agil ist natürlich und uralt

Kürzlich habe ich agile Projekt-Management-Methoden verglichen. Unternehmen, die nicht ausschliesslich «einfache», repetitive Arbeiten ohne äussere Einflüsse abarbeiten, müssen auch agil sein, um im Markt zu bestehen. Agil tönt furchtbar modern und nach Typen in abgelatschten Turnschuhen und Kapuzenjacke. Dabei ist Agilität komplett natürlich und uralt.

Agil tönt furchtbar modern und nach Typen in abgelatschten Turnschuhen und Kapuzenjacke. Dabei ist es natürlich und uralt.

Haeme Ulrich, haemeulrich.com

Wir waren alle mal agil

Wärst du von deinem Wesen her nicht agil, hättest du die Kindheit nicht überlebt. Deine grossen Entwicklungsschritte in deiner Kindheit hast du nie geplant und auch nicht nach «Wasserfall» abgearbeitet. Vielmehr hast du auf äussere Einflüsse reagiert und ständig nachjustiert. Genau das ist agil.

Auch im Business

Auch Unternehmen waren vor der Industrialisierung ausschliesslich agil. Wie sonst hätten Landwirte und Handwerker überlebt? Sie passen sich täglich äusseren Bedingungen wie dem Wetter an. Und sie reagieren auf Kundenbedürfnisse.

Richtiges Werkzeug an richtiger Stelle

Erst das Repetitive der Industrie hat das Projekt-Management nach «Wasserfall» zum Standard-Werkzeug gemacht. Wenn du 100’0000mal exakt das Gleiche produzierst, darfst du nicht agil und auch nicht kreativ sein. Da helfen Normen, Vorgaben und Standards. Da kannst du die einzelnen Arbeitsschritte planen und nach exaktem Zeitplan vorhersagen. Alles gut.

Doch hat sich dieses «Wasserfall»-Denken in vielen Köpfen als Synonym für «Projektmanagement» etabliert. So, dass auch komplizierte, komplexe und chaotische Probleme nach dem linearen «Wasserfall» angegangen werden. Scheitern und Nicht-Einhaltung des Budgets sind die Folge: falsches Werkzeug an falscher Stelle.

Zwei Punkte sind mir wichtig: Wasserfall ist nicht immer falsch. Leute, die nicht agil sein wollen, sind nicht schlechter und auch nicht verloren. Es gibt auch in Zukunft «einfache» Probleme zu lösen. Die Anzahl wird tendenziell abnehmen, aber verschwinden tun sie nicht.

Und agil sein ist nicht die Freikarte zum unorganisiert sein! Agile Projekt-Management-Methoden haben auch Regeln, erfolgreiche agile Teams leben Verbindlichkeit.


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  1. altincicek vor 5 Monaten

    “als Kinder waren wir alle mal agil”
    Agilität beinhaltet für Deutschsprachige eine besondere Herausforderung: es ist ein Fremdwort. Als ich es zum ersten Mal in diesem Kontext hörte, hatte ich sofort den Sinn meiner anderen Sprache vor Augen: flink, behände, gewandt, agil, wendig, beweglich, rege. Und stellte mir vor, wie cool und motivierend eine solche Arbeitsweise sein würde. Wie gross war meine Enttäuschung, als ich stattdessen mit Vorgehensweisen konfrontiert wurde, in denen chaotische Situationen zerstückelt wurden, weil wir unfähig waren, grundlegende Projektfragen zu beantworten. Agilität hilft, sich ständig an sich verändernde Situationen anzupassen, entbindet uns aber nicht von der Verantwortung, überlegte und weitsichtige Entscheide zu treffen.
    Was sind eure Erfahrungen mit agilen Projekten?

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    • Haeme vor 5 Monaten

      Hallo altincicek

      Spannender Input, lieben Dank! Für mich ist Agilität vor allem eine Befreiung. Die Freiheit, was zu starten, ohne das Ziel zu kennen. Ohne zu wissen, ob das Problem überhaupt gelöst werden kann. Es nimmt sogar auch Erfolgsdruck und macht das Arbeiten natürlicher.
      Wichtig ist, dass die agilen Werkzeuge als Werkzeuge und nicht als neurotische Vorgaben verstanden werden. Es gibt schon wieder Strömungen, Innovation und Agilität zu normieren. Das ist für mich ein Widerspruch in sich.
      Ich beschäftige mich mit dem alten hebräischen Denken. Das war extrem agil – mich fasziniert das. Weil man somit sehr viel über Agilität bei Jesus und den Menschen davor lernen kann.

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  2. Richard Rüfenacht vor 5 Monaten

    Haeme, das Bauen der Pyramiden und das Dienen in römischen Heeren war gewiss auch schon repetitiv. Und die Dreifelderwirtschaft war kaum agil.

    Wasserfall ist erfolgreich, aber nicht zukunftssicher. Um zu ergründen, welche Art Wasserfall in Zukunft erfolgreich sein könnte, sind agile Denkweisen gefragt. Ich finde, dass die Diskussion um Agilität in gewisser Weise unmenschlich geführt wird. Einige wenige Menschen sollen agil Handeln, die meisten aber repetitiv arbeiten.

    Mich interessiert deine Einschätzung: Wenn du in den abzuarbeitenden Flyer einen QR-Code einfügst, der das Smartphone automatisch mit weiteren Informationsquellen verbindet, ist das agil oder nicht agil?

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    • Haeme vor 5 Monaten

      Hallo Richu

      Ich orientiere mich stark an der Stacey Matrix. Und die lässt zu, dass der Übergang von “einfach” zu “kompliziert” subjektiv ist.

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    • altincicek vor 5 Monaten

      “als Kinder waren wir alle mal agil”
      Agilität beinhaltet für Deutschsprachige eine besondere Herausforderung: es ist ein Fremdwort. Als ich es zum ersten Mal in diesem Kontext hörte, hatte ich sofort den Sinn meiner anderen Sprache vor Augen: flink, behände, gewandt, agil, wendig, beweglich, rege. Und stellte mir vor, wie cool und motivierend eine solche Arbeitsweise sein würde. Wie gross war meine Enttäuschung, als ich stattdessen mit Vorgehensweisen konfrontiert wurde, in denen chaotische Situationen zerstückelt wurden, weil wir unfähig waren, grundlegende Projektfragen zu beantworten. Agilität hilft, sich ständig an sich verändernde Situationen anzupassen, entbindet uns aber nicht von der Verantwortung, überlegte und weitsichtige Entscheide zu treffen.
      Was sind eure Erfahrungen mit agilen Projekten?

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