Affinity Publisher: Erster Eindruck

Seit kurzem ist die Public Beta vom Affinity Publisher erhältlich. Endlich möchte man sagen. Nicht nur haben sie es schon länger versprochen, viele warten auch sehnlichst auf eine InDesign-Alternative, um der «Abo-Falle» von Adobe zu entgehen. Wie schon der «Designer» und «Photo» lehnt sich Serif bei der Optik stark an die Adobe Programme an. Meiner Meinung nach genug stark, um es vertraut wirken zu lassen und doch nicht so stark, damit Adobe sie gleich in den Konkurs verklagen kann. Beginnen wir also mit meinem ersten kurzen Blick auf die Beta.

Der Aufbau

Aufgebaut ist der «Publisher» sehr ähnlich wie InDesign. Wir haben links am Rand die Werkzeugleiste in der wir sehr viele bekannte Werkzeuge finden:

Auf der rechten Seite haben wir diverse Fenster wie zum Beispiel Ebenen, Textstile, Farbfelder oder History. Weitere Fenster können über View › Studio aufgerufen werden:

Beim Handling von Absatz- und Zeichenformate geht Serif einen leicht anderen Weg. Ähnlich wie in Word gibt es vorgefertigte Stile, die man verwenden und anpassen kann.

Schauen wir uns also ein paar der gängigsten Dinge, die man mit InDesign macht an und wie sie im Publisher ausgeführt werden.

Dokumente eröffnen

Das Erstellen eines neuen Dokuments funktioniert bei Affinity genau so, wie bei Adobe. Logischerweise. Was will man da schon anders machen? Ein Unterschied gibt es allerdings: Man kann beim Eröffnen des Dokumentes direkt den Farbmodus auswählen:

Standardmässig ist U.S. Web Coated ausgewählt. Es lässt sich aber hier oder in den Voreinstellungen anpassen.

 

Hat man ein Dokument eröffnet, kann man seine Settings nachträglich noch anpassen (z. B. den Beschnitt zugeben):

Die Musterseiten

Anders als in InDesign existiert keine Musterseite. Diese kann nachträglich erstellt und angepasst werden. Auch muss sie erst auf den Inhalt angewandt werden.

Bilder platzieren

Um Bilder zu platzieren gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man es über das «Bildplatzierungs-Werkzeug» machen und zum anderen haben wir wie auch im InDesign ein «Bildrahmen-Werkzeug». Positiv an der Bildplatzierung ist mir aufgefallen, dass man zum einen eine Vorschau bekommt, und dass sich die Bilder standardmässig im Bildrahmen anpassen, auch wenn man sie in der Grösse verändert.

Bei der Bildplatzierung kann zwischen vier verschiedenen Optionen gewählt werden.

 

Grundsätzlich beinahe identisch mit InDesign. Etwas macht der Affinity Publisher aber anders: Er bettet die Bilder ins Dokument ein und verlinkt sie nicht.

Der «Resource Manager» erinnert ein wenig an Quark XPress und seine «Verwendungen».

 

Die Bilder können allerdings im «Resource Manager», den man über Document › Resource Manager abrufen kann, von «eingebettet» zu «verlinkt» geändert werden:

Selbstverständlich können auch mehrere Bilder gleichzeitig platziert werden. Dabei geht der «Publisher» einen leicht anderen Weg wie InDesign:

Text einfügen

Text verhält sich sehr ähnlich. Wir können Boxen mit dem Textwerkzeug aufziehen und dabei entscheiden, ob wir ein, zwei oder mehrere Spalten wollen. Das Handling von «Drop Caps» (mir fällt die deutsche Bezeichnung nicht mehr ein), ist einfacher umgesetzt. Cool ist auch, dass wir «Weisenkinder» und »Witwen» mit einem klick verhindern können:

Tabellen

Das Tabellentool scheint mir durchdachter als im InDesign auch wenn ich ein paar Funktionen vermisse wie zum Beispiel das Verschieben von Spalten und Zeilen durch Drag & Drop:

Ein Feature, das InDesign leider fehlt und wir alle im Photoshop lieben, hat Serif in ihren Publisher gepackt: die History. Das heisst, man kann Arbeitsschritt um Arbeitsschritt zurück gehen. Achtet euch im Video auf das Fenster unten rechts:

Der Export

Beim Exportieren kann man zwischen diversen Formaten auswählen:

Positiv fällt auf, dass SVGs unterstützt werden. Beim PDF-Export bekommen wir von Serif folgende Optionen:

Wenn wir im Exportmenü auf den «More»-Button klicken, können wir auch einstellen, dass er den Beschnitt übernehmen und Schnittmarken hinzufügen soll usw.:

Das PDF sieht relativ solide aus:

Der Output Intent ist definiert.
Der PDFX-Eintrag ist erstellt.
Die Fonts sind eingebettet.

 

Was noch nicht überzeugt

Die Software läuft noch nicht sonderlich stabil und beim Export wird mir 100K regelmässig 4-farbig aufgebaut. Auch gibt es bei der Rechtschreibung keine Einstellung «Deutsch (Schweiz):

 

Da es sich um eine Public Beta handelt, sind das aber alles Dinge, die noch ausgebessert werden (müssen). Alles in allem sieht die Software ganz nett aus. Ob sie sich im Daily Business wirklich gegen InDesign durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Ich werde mich bei Gelegenheit sicher noch eingehender mit dem Publisher befassen. Darüber hinaus werden auch hier lediglich Rähmchen auf einer Seite herumgeschoben. Innovativ ist die Software definitiv nicht. Allenfalls kann sie Adobe ein wenig wachrütteln.

Die Public Beta kann man sich hier herunterladen.


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  1. aportmann vor 2 Wochen

    Das klingt wirklich nicht Innovativ und ein kurzer Test zeigt auch, dass da noch viel zu tun ist. Aber hey, es ist eine Beta. Ich denke aber, die Suite an sich könnte in den nächsten Jahren durchaus an Ausstrahlungskraft gewinnen. Deshalb starte ich doch salopp eine Interessengemeinschaft unter https://www.facebook.com/groups/1674553785988260/

    Bin gespannt, wann die Bücher zu kaufbarem Preis in der Schweiz landen. Zurzeit sind wir bei 21 Franken Versandkosten pro Buch 😉

    Freue mich hier mehr über Affinity zu lesen.

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  2. Speed vor 2 Wochen

    Die ersten Versionen von InDesign zeigten nette Ansätze, die XPress in den Schatten stellten. Doch das Tempo war atemberaubend lahm, InDesign war dadurch regelrecht unbrauchbar. Der Druckdialog schien aus einer rudimentären Textverarbeitung zu kommen und unzählige Bugs säumten den Weg. Wenn ich mich recht erinnere, war ID erst ab Version 2.0 oder 2.1 in der Praxis brauchbar. Insofern ist der Affinity Publisher also bereits ein rechtes Stück weiter, bevor sie den Release starten.

    Firmenintern sind wir einhellig Meinung gelangt, dass Affinity auf ein Abo-Modell wechseln wird, so bald sich die Software ordentlich im Markt etabliert hat. War bei Sketch ja auch so. Leider fiel (bei mir zumindest) dadurch auch der Goodwill-Bonus weg.

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    • Aboskeptiker vor 5 Tagen

      Sketch kann erworben werden, ein Jahr Updates für umme, alles prima. Wenn dann ein OS-Update einen Neukauf notwendig macht; blöd, aber kaum den Entwicklern der App anzulasten … Abo gibt denen (und Dir) ein gewisses Maß an finanzieller Planungssicherheit. Unschön – und da bin ich ganz bei Dir, wenn die Option zum einmaligen Kauf, wie bei Adobe, nicht geboten wird. Das Preisgefüge und das gebaren dem Kunden gegenüber scheint aber eine Folge der Monopolstellung von manchen Softwarelösungen zu sein. Man denke an Quark vor InDesign. Insofern: Gut, wenn es kommerzielle ordentliche Programme zu so schmalem Kurs wie Affinity, Sketch u. Ä. gibt, die am Monopol kratzen. Ich bin gespannt, wie Serif unlimitiert Updates veröffentlichen will, ohne mal für den – theoretisch unendlichen – Aufwand bezahlt zu werden?
      Meinen Goodwill haben Sie schon für den Versuch 😉
      Schön wäre ein „Blender für Layout“ aber Satz scheint halt nicht so sexy wie 3D. Noch schöner wäre Satz für Linu…

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  3. Vic Cooper vor 2 Wochen

    Was fehlt ist der Mut. Der Mut etwas neues zu wagen. In einem großen Verlag oder Konzern kann ich mir die Affinity-Suite auch nicht so recht vorstellen. Aber muss es denn immer gleich auf die Großen abzielen? Was ist mit den Millionen Freelancern und kleinen Agenturen? Bestimmen diese nicht auch, in welche Richtung es geht?

    In meinen Augen ist das auch die Zielgruppe der Affinity-Suite. Wenn hier Mut und Entschlossenheit, dem Adobe Abo zu entkommen, zusammenfinden, bin ich der festen Überzeugung, dass sich hier ein ganz großer Konkurrent zu Adobe auf(ge)stellt (hat).
    Die Cloud ist etwas tollen. Jedes Projekt hat seinen Ordner, die Programme sind in Sekunden synchronisiert, auch Typekit ist eine schöne Erleichterung. Das hat natürlich seinen Preis. Für mich ist, mit der Veröffentlichung des Publishers, der Zeitpunkt definitiv gekommen, an dem ich das für mich hinterfragen muss. Und die Antwort tendierst immer mehr in die Richtung, dass mir diese „Spielereien“ den Mehrpreis nicht mehr wert sind.

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    • Christian Denzler vor 2 Wochen

      Das stimmt. Oft braucht es ein wenig Mut und ich begrüsse alles, dass Adobe aufrüttelt. Sollten sie sich zu einer ernsten Konkurrenz entwickeln, wird es wohl eher so laufen, dass Adobe sie aufkauft.
      In meinem Fall ist es so, dass ich mich sicher weiter mit dem Affinity Publisher beschäftige. Weg von Adobe will ich aber momentan gar nicht 🙂

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  4. Achim Günzel vor 3 Wochen

    Hallo Christian und danke für den Beitrag. Muß es denn immer Innovativ sein? Kann es nicht einfach ein solides Handwerkzeug sein, mit dem man ordentliche Druckprodukte abliefert und das nicht an 3.000 Stellen im System verstreut irgendwelche Daten und Programme installiert die immer im Hintergrund mitlaufen? Ich glaube das geht auch anders. Natürlich kann man von einer ersten Beta keine Perfektion erwarten. Aber erinnern wir uns an die erste Beta von „Affinity Photo“. Das war auch keine Innovation und nicht zu gebrauchen. Heute lässt sich damit gut arbeiten. Da hat Serif wirklich gute Arbeit geleistet. Es wird für mich nie ein Ersatz für Photoshop werden, doch bei Affinity Publisher bin ich mir da nicht so sicher. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

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    • Christian Denzler vor 3 Wochen

      Lieber Achim

      Ich gebe dir recht: Serif ist ein guter Wurf gelungen. Auch in der Beta ist der Publisher ordentlich. Um auf deine Frage betreffend Innovation zurückzukommen: Ja unbedingt. Um mit den «Big Guns» wie Adobe und durchaus auch Quark mithalten zu können, reicht es meiner Meinung nicht, nur «gut» zu sein oder ein «solides Tool» zu haben. XPress 2018 ist mehr als ein solides Tool und es wird InDesign trotzdem nicht so schnell ablösen.

      Wie Roman schon sagte, müssen sie sich differenzieren können. Auch nützt es nichts, wenn sie nicht Multi-Channel-fähig sind. Denn mal ganz ehrlich: Das reine Printprodukt wird nicht verschwinden aber es nimmt unaufhaltsam ab.

      Im Moment ist der Publisher in der Beta, da kann man noch keine Aussagen machen, wie es damit weiter geht. Allenfalls kommen all diese Schnittstellen noch. Ich bin auf jeden Fall auch gespannt und schaue mir den Publisher weiter an.

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  5. Roman Schurter vor 3 Wochen

    Danke dir, Christian, für den ersten Review. Wie schon bei Photo und dem Designer scheint mir die Welt nicht neu erfunden. Serif schafft es aber, in sehr kurzer Zeit extrem mächtige Software an den Start zu bringen, was mich beeindruckt. Die Frage ist nur: wie kann man sich differenzieren. Sicher durch das Nicht-Abo-Modell und möglicherweise dadurch, dass die Software auf Plattformen läuft, die Adobe noch nicht richtig bedient: Tablets! Vorderhand vor allem das iPad, ich bin mir aber sicher, dass die Affinity-Suite auch auf Android erscheinen wird. Da scheint mir dann auch echter Mehrwert zu entstehen. Denn Affinity schafft es, durchaus komplexe Software mit einer tablet-tauglichen Oberfläche zu versehen.

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    • Christian Denzler vor 3 Wochen

      Da gebe ich dir recht. Nur sollte Adobe wollen, haben sie das Ganze von heute auf morgen kopiert. Grundsätzlich bieten sie (Adobe) gut 30 Apps auf iOS an und planen den Vorstoss in den Android-Markt. Da wird Adobe wohl schlicht den längeren Atem haben. Für Firmen, die automatisiert/datenbankgestützt arbeiten, bietet Affinity keine Unterstützung bis jetzt. Ob die Schnittstellen da sind, kann ich nicht sagen. Bin kein Informatiker.

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